08-24-2026, 02:42 PM
Trotz des knappen Pokalsiegs bleibt beim VfL Bochum die Offensive ausbaufähig. Die Defensive überzeugt, doch spielerisch hakt es noch.
In den letzten gut zehn, zwölf Minuten war es das Spiel, das keiner aus Sicht des VfL Bochum haben wollte. Von links, von rechts, aus den Halbpositionen flogen die Bälle nur so in den Strafraum. Die Gäste, die mit 2:1 gegen Greuther Fürth vorn lagen, verteidigten mit Haut und Haaren, bissen sich in jeden Zweikampf. Die Innenverteidiger Karol Mets und Michael Steinwender köpften jeden Ball wieder raus, Timo Horn im Kasten bekam immer noch seine Hände ins Spiel, wenn doch mal einer durchrutschte. Und schlussendlich war in der einen oder anderen Situation auch Glück dabei. Am Ende rettete der VfL Bochum die knappe Führung über die Zeit und feierte kurz darauf mit den letzten Kräften vor den mitgereisten Fans das Weiterkommen im DFB-Pokal.
„Ich bin erleichtert, sehr froh und stolz auf die Mannschaft“, sagte ein sichtlich geschaffter Trainer Uwe Rösler nach dem Spiel. „Sie hat alles gegeben, stand im Ring wie ein Boxer mit dem Rücken in den Seilen, hat sich aber gehalten.“ Leicht war das zweifelsohne nicht, weil durch die Verletzung von Jean Manuel Mbom und das bereits erschöpfte Wechselkontingent ein Mann auf dem Feld fehlte, der in den Zweikämpfen seinen Gegenspielern noch mehr hätte abverlangen können.
Plan ging in der ersten Halbzeit auf
Dass es überhaupt noch einmal so eng wurde, hing auch mit der Spielweise der Bochumer zusammen. Von Beginn an konzentrierte sich der VfL auf einen kompakten Block, um den Fürthern erst gar keine Räume zu bieten. Umschalten wollten sie dann bei hohen Ballgewinnen, weil sie durch das aggressive Mann-gegen-Mann-Pressing, das der VfL erstmals unter Rösler über den gesamten Platz umsetzen konnte, auf Fehlpässe lauerten. Perfekt ging der Plan in der 25. Minute auf, als Oliver Olsen seinen Gegenspieler zunächst zum Fehlpass zwang, Maximilian Wittek den freien Raum erahnte und Christian Rasmussen bediente, der trocken zur Führung einnetzte.
Weil der VfL Bochum hinten wenig anbrennen ließ und Philipp Hofmann aus dem Nichts in der zweiten Halbzeit sogar das 2:0 besorgte, hätte es beinahe ein entspannter Nachmittag werden können. Bis Maxim Dal nach einer Ecke plötzlich frei zum Kopfball kam und den Anschlusstreffer erzielte. Fortan konnten die Bochumer nur noch selten für Entlastung sorgen. Ohnehin hakte das Offensivspiel im Frankenland erneut. „Wir wussten, dass die Mitte offen ist bei deren Ballverlusten. Das haben wir umgesetzt. Wir haben die Räume aber nicht gefunden“, klagte Rösler. „Wir konnten nicht viel kreieren.“ Schon gegen Hertha BSC und Eintracht Braunschweig spielte der VfL wahrlich nicht die Sterne vom Himmel, lebt aktuell vor allem von einer äußerst stabilen Defensive und einer hohen Effizienz vor dem gegnerischen Tor.
VfL muss sich „spielerisch verbessern“
Das ist ein Fortschritt gegenüber der vergangenen Saison, zweifelsfrei. In den ersten drei Saisonspielen inklusive des Weiterkommens im DFB-Pokal waren die Matchpläne immer zu erkennen. Dennoch mangelt es aktuell noch an der Umsetzung über die gesamte Spielzeit. Vor allem auf dem Weg vor das gegnerische Tor. „Wir schaffen es nicht, den Matchplan über längere Distanzen umzusetzen“, sagte Rösler und sieht Gründe: „Die Mannschaft ist neu zusammengesetzt, man muss die Umstände in Betracht ziehen.“ Dennoch sei er froh darüber, dass seine Spieler das neue Image, schwer zu schlagen zu sein, verinnerlicht hätten. Er weiß aber auch, dass sich der VfL „auf Dauer spielerisch verbessern muss, um den Druck herauszunehmen.“
In Umschaltsituationen sind die Spieler mitunter nicht konsequent genug, teilweise schlampig. Mats Pannewig etwa verspringt im Spiel noch zu häufig der Ball, Berkan Taz bekommen die Mitspieler zu selten eingesetzt und auch die schnellen Außenspieler wie Christian Rasmussen in Fürth werden zu selten gefunden. Philipp Hofmann agiert weiter zu häufig als Zielspieler im Zentrum und kommt erst gar nicht dazu, den Strafraum zu besetzen.
„Wir wissen, dass wir uns in gewissen Phasen im Spiel besser verhalten müssen“, sagte Maximilian Wittek. Dem VfL fehle es noch an Dominanz im Ballbesitz. Die Druckresistenz bei gegnerischem Pressing lässt zu wünschen übrig. Auch deshalb beschäftigt sich der VfL Bochum unter anderem mit Charlie Patiño, der sich mit seinen Fähigkeiten am Ball aus solchen Situationen lösen kann.
Mehr Ballbesitz würde für Entlastung sorgen
Ein Weg des VfL Bochum muss sein, häufiger selbst den Ball in den eigenen Reihen zu behaupten. Es funktioniert bereits, dass die Innenverteidiger Mets und Steinwender das Spiel in Ruhe von hinten aufbauen. Doch im Mittelfeld ist der Ball häufig zu schnell weg. „Wir brauchen Phasen im Spiel, in denen wir das Spiel besser gestalten müssen. In denen wir nach vorn noch mehr den spielerischen Ansatz suchen müssen, uns mehr bewegen müssen, mehr den Ball haben wollen. Aber das wissen wir, das sind auch Punkte, die wir im Training immer wieder einstudieren, in Pass- oder in Spielformen“, erklärte Wittek. „Wir versuchen schon, von hinten auch herauszuspielen. Wenn wir versuchen, alle in unsere Positionen zu bekommen, dann fällt es leichter, wenn wir den Ball verlieren, schnell im Gegenpressing zu sein, keine großen Abstände zu haben.“
Noch scheint vor allem auf der defensiven Stabilität der Fokus zu liegen, das Zutrauen für mehr zu fehlen. Doch wie so häufig im Sport steigt das Selbstvertrauen von Sieg zu Sieg. Gut möglich, dass das Offensivspiel schon am Freitagabend gegen den VfL Osnabrück (18.30 Uhr, Sky) besser funktioniert.
Quelle: WAZ.de
In den letzten gut zehn, zwölf Minuten war es das Spiel, das keiner aus Sicht des VfL Bochum haben wollte. Von links, von rechts, aus den Halbpositionen flogen die Bälle nur so in den Strafraum. Die Gäste, die mit 2:1 gegen Greuther Fürth vorn lagen, verteidigten mit Haut und Haaren, bissen sich in jeden Zweikampf. Die Innenverteidiger Karol Mets und Michael Steinwender köpften jeden Ball wieder raus, Timo Horn im Kasten bekam immer noch seine Hände ins Spiel, wenn doch mal einer durchrutschte. Und schlussendlich war in der einen oder anderen Situation auch Glück dabei. Am Ende rettete der VfL Bochum die knappe Führung über die Zeit und feierte kurz darauf mit den letzten Kräften vor den mitgereisten Fans das Weiterkommen im DFB-Pokal.
„Ich bin erleichtert, sehr froh und stolz auf die Mannschaft“, sagte ein sichtlich geschaffter Trainer Uwe Rösler nach dem Spiel. „Sie hat alles gegeben, stand im Ring wie ein Boxer mit dem Rücken in den Seilen, hat sich aber gehalten.“ Leicht war das zweifelsohne nicht, weil durch die Verletzung von Jean Manuel Mbom und das bereits erschöpfte Wechselkontingent ein Mann auf dem Feld fehlte, der in den Zweikämpfen seinen Gegenspielern noch mehr hätte abverlangen können.
Plan ging in der ersten Halbzeit auf
Dass es überhaupt noch einmal so eng wurde, hing auch mit der Spielweise der Bochumer zusammen. Von Beginn an konzentrierte sich der VfL auf einen kompakten Block, um den Fürthern erst gar keine Räume zu bieten. Umschalten wollten sie dann bei hohen Ballgewinnen, weil sie durch das aggressive Mann-gegen-Mann-Pressing, das der VfL erstmals unter Rösler über den gesamten Platz umsetzen konnte, auf Fehlpässe lauerten. Perfekt ging der Plan in der 25. Minute auf, als Oliver Olsen seinen Gegenspieler zunächst zum Fehlpass zwang, Maximilian Wittek den freien Raum erahnte und Christian Rasmussen bediente, der trocken zur Führung einnetzte.
Weil der VfL Bochum hinten wenig anbrennen ließ und Philipp Hofmann aus dem Nichts in der zweiten Halbzeit sogar das 2:0 besorgte, hätte es beinahe ein entspannter Nachmittag werden können. Bis Maxim Dal nach einer Ecke plötzlich frei zum Kopfball kam und den Anschlusstreffer erzielte. Fortan konnten die Bochumer nur noch selten für Entlastung sorgen. Ohnehin hakte das Offensivspiel im Frankenland erneut. „Wir wussten, dass die Mitte offen ist bei deren Ballverlusten. Das haben wir umgesetzt. Wir haben die Räume aber nicht gefunden“, klagte Rösler. „Wir konnten nicht viel kreieren.“ Schon gegen Hertha BSC und Eintracht Braunschweig spielte der VfL wahrlich nicht die Sterne vom Himmel, lebt aktuell vor allem von einer äußerst stabilen Defensive und einer hohen Effizienz vor dem gegnerischen Tor.
VfL muss sich „spielerisch verbessern“
Das ist ein Fortschritt gegenüber der vergangenen Saison, zweifelsfrei. In den ersten drei Saisonspielen inklusive des Weiterkommens im DFB-Pokal waren die Matchpläne immer zu erkennen. Dennoch mangelt es aktuell noch an der Umsetzung über die gesamte Spielzeit. Vor allem auf dem Weg vor das gegnerische Tor. „Wir schaffen es nicht, den Matchplan über längere Distanzen umzusetzen“, sagte Rösler und sieht Gründe: „Die Mannschaft ist neu zusammengesetzt, man muss die Umstände in Betracht ziehen.“ Dennoch sei er froh darüber, dass seine Spieler das neue Image, schwer zu schlagen zu sein, verinnerlicht hätten. Er weiß aber auch, dass sich der VfL „auf Dauer spielerisch verbessern muss, um den Druck herauszunehmen.“
In Umschaltsituationen sind die Spieler mitunter nicht konsequent genug, teilweise schlampig. Mats Pannewig etwa verspringt im Spiel noch zu häufig der Ball, Berkan Taz bekommen die Mitspieler zu selten eingesetzt und auch die schnellen Außenspieler wie Christian Rasmussen in Fürth werden zu selten gefunden. Philipp Hofmann agiert weiter zu häufig als Zielspieler im Zentrum und kommt erst gar nicht dazu, den Strafraum zu besetzen.
„Wir wissen, dass wir uns in gewissen Phasen im Spiel besser verhalten müssen“, sagte Maximilian Wittek. Dem VfL fehle es noch an Dominanz im Ballbesitz. Die Druckresistenz bei gegnerischem Pressing lässt zu wünschen übrig. Auch deshalb beschäftigt sich der VfL Bochum unter anderem mit Charlie Patiño, der sich mit seinen Fähigkeiten am Ball aus solchen Situationen lösen kann.
Mehr Ballbesitz würde für Entlastung sorgen
Ein Weg des VfL Bochum muss sein, häufiger selbst den Ball in den eigenen Reihen zu behaupten. Es funktioniert bereits, dass die Innenverteidiger Mets und Steinwender das Spiel in Ruhe von hinten aufbauen. Doch im Mittelfeld ist der Ball häufig zu schnell weg. „Wir brauchen Phasen im Spiel, in denen wir das Spiel besser gestalten müssen. In denen wir nach vorn noch mehr den spielerischen Ansatz suchen müssen, uns mehr bewegen müssen, mehr den Ball haben wollen. Aber das wissen wir, das sind auch Punkte, die wir im Training immer wieder einstudieren, in Pass- oder in Spielformen“, erklärte Wittek. „Wir versuchen schon, von hinten auch herauszuspielen. Wenn wir versuchen, alle in unsere Positionen zu bekommen, dann fällt es leichter, wenn wir den Ball verlieren, schnell im Gegenpressing zu sein, keine großen Abstände zu haben.“
Noch scheint vor allem auf der defensiven Stabilität der Fokus zu liegen, das Zutrauen für mehr zu fehlen. Doch wie so häufig im Sport steigt das Selbstvertrauen von Sieg zu Sieg. Gut möglich, dass das Offensivspiel schon am Freitagabend gegen den VfL Osnabrück (18.30 Uhr, Sky) besser funktioniert.
Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."
