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Bilanz von Dufner besser als gedacht
#1
Dirk Dufner hat den vergangenen Transfersommer beim VfL Bochum zu verantwortlichen. Nicht alle Entscheidungen waren dabei schlecht. 

Dirk Dufner hatte die Latte für seine Arbeit selbst hochgelegt. „Idealerweise haben wir eine Achse: Einen zentralen Abwehrchef, der kommuniziert und den Laden zusammenhält. Wir brauchen einen zentralen Mittelfeldspieler und einen Stürmer, auf den du dich verlassen kannst“, sagte der ehemalige Sport-Vorstand des VfL Bochum bei seinem Antritt-Interview mit dieser Redaktion im April. Damals hatte er gerade erst an der Castroper Straße angefangen. Nach einem knappen halben Jahr war seine Zeit beim VfL aber bereits wieder vorbei. Weil er nach dem Bundesliga-Abstieg im Sommer eine Transferphase verantworten musste, die alles andere als optimal genutzt wurde. Auch, weil sein Leitsatz nur zum Teil – und dann anders als geplant – aufging. 

Alles kann man Dufner allerdings wahrlich nicht anlasten. Ihm war es weitgehend zu verdanken, dass etwa Cajetan Lenz einen Profi-Vertrag beim VfL Bochum unterschrieb, der ohne Ausstiegsklausel daherkommt. Wie sich nach einem guten halben Jahr herausstellt: Ein wichtiger Deal, der sich vor allem in der Zukunft für den VfL auszeichnen wird. Längst ist klar, dass das 19-jährige Talent vielleicht schon im kommenden Sommer zum Rekordtransfer der Bochumer werden könnte. 

Leihspieler funktionieren 
Auch die meisten Leihspieler, die Dufner mit seinem Team, zu dem unter anderem Johannes Waigand gehörte, der inzwischen ebenfalls freigestellt wurde, funktionieren. Allen voran Leandro Morgalla entpuppt sich als Top-Verstärkung. Er war absoluter Stammspieler unter Dieter Hecking und ist es auch unter Uwe Rösler. Zudem besitzt der VfL Bochum eine Kaufoption. Dass diese allerdings nur im Aufstiegsfall greifen würde, darf Dufner wenig vorgehalten werden. Ohne dieses Eingeständnis wäre er vielleicht nie nach Bochum gekommen. Und der VfL hatte zumindest hinter vorgehaltener Hand vom direkten Wiederaufstieg gesprochen. 

Über die Qualitäten von Francis Onyeka und Kjell Wätjen muss an dieser Stelle ebenfalls wenig gesprochen werden. Beide drückten vor allem in den vergangenen Wochen dem Spiel unter Rösler ihren Stempel auf. Bei Wätjen sinkt zudem mit jedem Einsatz die schlussendliche Leihsumme, die die Bochumer an Borussia Dortmund bezahlen müssen. Der Gevelsberger entwickelt sich an der Castroper Straße glänzend, sodass am Ende eine Win-Win-Win-Situation für alle Parteien herauskommen sollte. Onyeka ist inzwischen vielleicht der wichtigste Spieler im Kader. 

Kader ist unausgewogen zusammengestellt
Nach der Hinrunde lässt sich nach anfänglichen Schwierigkeiten somit festhalten, dass vor allem die jungen Spieler nach einer gewissen Eingewöhnungszeit das bringen, was sich Dufner und Co. erhofft hatten. Das gilt auch für Farid Alfa-Ruprecht, der als solider Back-up auf dem Flügel durchaus eingeschlagen wäre. Dafür bringt der Spieler von Bayer Leverkusen eine Menge mit. Doch in ihm spiegelt sich auch das Problem an der Bochumer Transferplanung im vergangenen Sommer wider: Es fehlen die Alternativen auf einigen Positionen. Der Kader ist ungleichmäßig und vollkommen unausgewogen zusammengestellt. Das bemängelte kürzlich auch Trainer Rösler.

„Wir können an der Balance des Kaders arbeiten“, sagte er im Interview mit dieser Redaktion. „Auf einigen Positionen haben wir ein großes Angebot, auf anderen eine dünne Decke.“ Dies ist allemal Dufner anzulasten, der es im Sommer nicht vermochte, die wichtigen Flügel-Positionen zu stärken und mit teuren Transfers – Stand jetzt – vollkommen daneben lag. Obwohl schon Ex-Trainer Hecking immer wieder darauf verwies, dass es Tempo auf den Außen benötigt, wurde diese Position sträflich vernachlässigt. Stattdessen gab man – zugegebenermaßen aus triftigen finanziellen Gründen – Moritz Broschinski an den FC Basel ab. Die Alternativen Mathis Clairicia und Last-minute-Leihe Michael Obafemi spielen aktuell nicht einmal eine Rolle im Profi-Kader. 

Früh wurde Ibrahim Sissoko, der Namensvetter des Mittelfeld-Sissoko, verpflichtet. Schnell stellte sich allerdings auch heraus, dass der malische Franzose in Bochum nicht so richtig ankommt und ohnehin viel zu ähnlich zur Spielweise von Philipp Hofmann agiert. Problem nur: Sissoko gehört beim VfL zu den Topverdienern im Kader. Seine Verpflichtung hat inklusive Gehalt und Handgeld eine Menge Budget geschluckt, das an anderer Stelle fehlte. Daran ändert auch der vergleichsweise günstige „Kaderspieler“ Romario Rösch nichts, den die Bochumer aufgrund seiner Flexibilität holten. 

Sissoko ist noch nicht angekommen
Ähnliche Vorwürfe wie bei Sissoko müssen sich die Verantwortlichen momentan auch in Bezug auf Kevin Vogt gefallen lassen. Die Geschichte vom verlorenen Sohn, der nach über einem Jahrzehnt auf großer Bundesliga-Fahrt zurück zu seinen Wurzeln kehrt, war zu schön, um wahr zu sein. Beim VfL setzten sie viel Energie, finanzielle Ressourcen und noch mehr Hoffnungen in den inzwischen 34-Jährigen. Vogt konnte die Defensive aber nicht stabilisieren und fällt bereits seit Ende September mit einer Knieverletzung aus. Fraglich ist, ob er sich im neuen Jahr einen Stammplatz zurückerobern kann, den er unter Hecking noch innehatte. Der Innenverteidiger war der absolute Wunschtransfer des ehemaligen Trainers.

Apropos Trainer: An der Vertragsverlängerung von Hecking auch für die zweite Bundesliga, die intern und extern auch kritisch beäugt wurde, war Dufner als Sport-Vorstand maßgeblich beteiligt. Eine Entscheidung, die sich – auch im Zusammenspiel dem schwachen Transfersommer – als falsch herausstellte. Die Querelen rund um den geplatzten Transfer von Yusuf Kabadayi taten ihr Übriges

Von den im Sommer fest verpflichteten Spielern überzeugt bislang einzig Philipp Strompf, für den sich der VfL allerdings finanziell wohl auch etwas weiter aus dem Fenster lehnte, als ursprünglich geplant. Am ehemaligen Ulmer war zum Beispiel auch der FC Schalke 04 interessiert. Dufner und Co. wollten allerdings kein Risiko eingehen und legten, so heißt es, beim Gehalt entsprechend etwas drauf. Nach anfänglichen Schwierigkeiten zahlt er dieses Vertrauen allerdings mit soliden Leistungen zurück. 

So hat sich in Bochum inzwischen tatsächlich eine Achse gebildet, die Dufner im April skizzierte. Allerdings weniger aus Spielern bestehend, in die im Sommer große Hoffnungen gesetzt wurden. Stattdessen sind es mit Noah Loosli, Lenz und Hofmann drei Spieler, die schon länger unter Vertrag stehen. Problematisch wird in Sachen Kaderwertmanagement zudem im kommenden Sommer, dass die bislang überzeugenden Neuzugänge durch die Leihen den Verein ziemlich sicher verlassen werden.

Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der  VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."
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