10-18-2026, 03:54 PM
Der VfL Bochum steckt im Abstiegskampf. Nach drei Pleiten in Serie steht Trainer Rösler in der Kritik. Was man ihm vorwirft – und was für ihn spricht.
Kapitän Timo Horn zuckte mit seinen breiten Schultern in der Interviewzone des Fritz-Walter-Stadions. „Man hat das Gefühl, dass wir noch mal 90 Minuten spielen können und das Tor nicht treffen. Das ist sehr ernüchternd und enttäuschend“, sagte der Torwart. Ratlosigkeit macht sich breit, der Frust sitzt tief beim VfL Bochum nach dem 0:2 in Kaiserslautern.
Dritte Niederlage in Folge. Fünf Tore in acht Partien, erst sieben Punkte. Teils wütende, teils resignierende Fans. Der Sturz auf Relegationsrang 16, nur zwei Punkte vor Schlusslicht Kiel. Die Krise spitzt sich zu vor dem Heimspiel am Freitag (18.30 Uhr/Sky) gegen Ligakrösus VfL Wolfsburg, der in den letzten drei Partien zwölf Tore erzielte. Bochum holte im Ruhrstadion erst einen Punkt aus vier Partien – und traf exakt einmal.
Rückendeckung für Trainer Rösler von Zoller und Horn
„Weiterarbeiten“, lautete die kurze Antwort von Trainer Uwe Rösler auf die Frage, was man nun tun könne. Der 57-Jährige hat bei vielen Fans seinen Kredit verspielt, den er sich nach seiner von Emotionalität geprägten Retter-Mission in der Vorsaison hart erarbeitet hatte. In der Vereinsspitze hält man sich öffentlich bedeckt. Simon Zoller, Direktor Lizenzfußball, erklärte zwar vor dem Anpfiff auf dem Betzenberg gegenüber Sky, dass „Uwe einen super Job macht“, die Entwicklung in die richtige Richtung gehe und Zeit benötige nach einem XXL-Kaderumbruch. Rückendeckung für den Coach gab es auch von Kapitän Horn: „Wir stehen absolut hinter ihm. Er erreicht die Mannschaft sehr gut, spricht sehr viel mit den Jungs.“
Bei der Trainerfrage mischen viele mit beim VfL Bochum
Aber bei der Trainerfrage mischen viele beim VfL mit. Zollers Kollegen der sportlichen Führung, Markus Brunnschneider und Jonas Schlevogt, Geschäftsführer Ilja Kaenzig, das Präsidium. Zeit und Geduld sind abhängig von Ergebnissen, der VfL macht da keine Ausnahme. Nach Informationen dieser Redaktion gehen die Meinungen in der Klubführung auseinander. Der Typ Rösler genießt höchste Akzeptanz, da herrscht Konsens. Doch der Trainer Rösler wandelt zunehmend auf dünnem Eis. Dass sein Vertrag nicht längst verlängert wurde trotz positiver Signale seit dem Sommer, spricht nicht für grenzenloses Vertrauen. Es nagt auch an Rösler selbst, der sich gegenüber dieser Redaktion „irritiert“ zeigte.
Klar ist: Gegen Wolfsburg wird er das Team coachen. Die Klubspitze erwartet aber eine deutliche Reaktion Richtung Wende, mehr Feuer, Durchschlagskraft, neue Impulse. Spätestens bis zur nächsten Länderspielpause muss Rösler gegen Wolfsburg, in Cottbus und gegen Karlsruhe den Turnaround meistern – das Pokalspiel gegen Mainz nächste Woche Dienstag hat eher Bonus-Charakter.
Kritik am Coach: Keine Änderungen in der Startelf, späte Wechsel
Ein Kritikpunkt am Coach: Er halte stur an Prinzipien, Personal und Taktik fest. Beim 0:1 gegen Bielefeld zeigte der VfL eine Leistung, die die Fans vergraulte. Rösler änderte seine Startelf und Grundausrichtung nicht. In Kaiserslautern blieb der VfL komplett harmlos. Der Expected-Goal-Wert, der die Qualität der Chancen aufzeigt, lag gegen Bielefeld bei 0,67, in Kaiserslautern bei 0,59 – unterirdische Werte. Rösler sah zwar eine gute Kontrolle seines Teams und malte längst nicht so schwarz wie seine Kritiker. Er legte den Finger aber auch in die Wunde: „Uns fehlt im Moment diese Zielstrebigkeit, Power, Energie und Qualität der Flanke und des Schusses.“
Fraglich, warum Rösler nicht bereits zur Pause reagierte beim Stand von 0:1. Flügelstürmer Gerrit Holtmann etwa kam nicht auf Touren, Mats Pannewig im Zentrum lieferte keine Impulse, Koji Miyoshi ging als Zehner unter, Stürmer Philipp Hofmann bekam keine Bälle. Die spielstarken offensiven Neuzugänge Jarne Steuckers, der in Minute 55 kam, Berkan Taz und Charlie Patino (ab 72.) wechselte Rösler erst im Verlauf ein, Daniel Hanslik blieben noch zehn Minuten. „Wir haben alle offensiven Spieler gebracht“, meinte Rösler, wobei Perspektiv-Stürmer Mansour Ouro-Tagba offenbar die Qualität fehlt. Besser wurde es nicht. „Das war Wild-West-Fußball.“
Taz, Patino und Steuckers nur Joker – ein Fehler der Kaderplanung?
Eine Bestätigung für seine erste Wahl – oder Selbstschutz? Patino und Steuckers sind die einzigen Leihspieler des VfL, wurden mit großen Vorschusslorbeeren empfangen, spielten bisher kaum eine Rolle. Gestalter Taz, zuvor Topscorer der 3. Liga, ist seit Wochen nur zweite Wahl. Liegt es an Rösler oder lagen die Kaderplaner daneben? Es klingt immer häufiger durch beim Coach, dass er für seinen intensiven Fußball die passenden Alternativen vermisst. Es knistert.
Fakt ist: Derzeit ist der VfL ausrechenbar. Die Gegner nehmen Sturmkante Hofmann aus dem Spiel, über die Flügel kommt keine Power, Flanken versanden, „Energie im letzten Drittel“ fehlt, wie Hofmann kritisierte. Der spielerische Ansatz mit deutlich mehr Ballbesitz verpufft im ungefährlichen Raum. Hinzu kommen regelmäßig Böcke, die aus einem 0:0 eine Pleite machen. Vor dem 0:1 patzte Sean Klaiber, wobei Rösler ein „klares Foul“ monierte. Ibrahim Kanate eilte davon, bediente Milos Lukovic (31.). Patinos Schlag ins Gesicht von Jan Elvedi führte zu einem umstrittenen Elfmeter, den Semih Sahin verwandelte (75.) – und den VfL in eine ungewisse Zukunft schickte. „Wir sind“, stellte Rösler klar, „im Abstiegskampf. Den müssen wir annehmen.“
Quelle: WAZ.de
Kapitän Timo Horn zuckte mit seinen breiten Schultern in der Interviewzone des Fritz-Walter-Stadions. „Man hat das Gefühl, dass wir noch mal 90 Minuten spielen können und das Tor nicht treffen. Das ist sehr ernüchternd und enttäuschend“, sagte der Torwart. Ratlosigkeit macht sich breit, der Frust sitzt tief beim VfL Bochum nach dem 0:2 in Kaiserslautern.
Dritte Niederlage in Folge. Fünf Tore in acht Partien, erst sieben Punkte. Teils wütende, teils resignierende Fans. Der Sturz auf Relegationsrang 16, nur zwei Punkte vor Schlusslicht Kiel. Die Krise spitzt sich zu vor dem Heimspiel am Freitag (18.30 Uhr/Sky) gegen Ligakrösus VfL Wolfsburg, der in den letzten drei Partien zwölf Tore erzielte. Bochum holte im Ruhrstadion erst einen Punkt aus vier Partien – und traf exakt einmal.
Rückendeckung für Trainer Rösler von Zoller und Horn
„Weiterarbeiten“, lautete die kurze Antwort von Trainer Uwe Rösler auf die Frage, was man nun tun könne. Der 57-Jährige hat bei vielen Fans seinen Kredit verspielt, den er sich nach seiner von Emotionalität geprägten Retter-Mission in der Vorsaison hart erarbeitet hatte. In der Vereinsspitze hält man sich öffentlich bedeckt. Simon Zoller, Direktor Lizenzfußball, erklärte zwar vor dem Anpfiff auf dem Betzenberg gegenüber Sky, dass „Uwe einen super Job macht“, die Entwicklung in die richtige Richtung gehe und Zeit benötige nach einem XXL-Kaderumbruch. Rückendeckung für den Coach gab es auch von Kapitän Horn: „Wir stehen absolut hinter ihm. Er erreicht die Mannschaft sehr gut, spricht sehr viel mit den Jungs.“
Bei der Trainerfrage mischen viele mit beim VfL Bochum
Aber bei der Trainerfrage mischen viele beim VfL mit. Zollers Kollegen der sportlichen Führung, Markus Brunnschneider und Jonas Schlevogt, Geschäftsführer Ilja Kaenzig, das Präsidium. Zeit und Geduld sind abhängig von Ergebnissen, der VfL macht da keine Ausnahme. Nach Informationen dieser Redaktion gehen die Meinungen in der Klubführung auseinander. Der Typ Rösler genießt höchste Akzeptanz, da herrscht Konsens. Doch der Trainer Rösler wandelt zunehmend auf dünnem Eis. Dass sein Vertrag nicht längst verlängert wurde trotz positiver Signale seit dem Sommer, spricht nicht für grenzenloses Vertrauen. Es nagt auch an Rösler selbst, der sich gegenüber dieser Redaktion „irritiert“ zeigte.
Klar ist: Gegen Wolfsburg wird er das Team coachen. Die Klubspitze erwartet aber eine deutliche Reaktion Richtung Wende, mehr Feuer, Durchschlagskraft, neue Impulse. Spätestens bis zur nächsten Länderspielpause muss Rösler gegen Wolfsburg, in Cottbus und gegen Karlsruhe den Turnaround meistern – das Pokalspiel gegen Mainz nächste Woche Dienstag hat eher Bonus-Charakter.
Kritik am Coach: Keine Änderungen in der Startelf, späte Wechsel
Ein Kritikpunkt am Coach: Er halte stur an Prinzipien, Personal und Taktik fest. Beim 0:1 gegen Bielefeld zeigte der VfL eine Leistung, die die Fans vergraulte. Rösler änderte seine Startelf und Grundausrichtung nicht. In Kaiserslautern blieb der VfL komplett harmlos. Der Expected-Goal-Wert, der die Qualität der Chancen aufzeigt, lag gegen Bielefeld bei 0,67, in Kaiserslautern bei 0,59 – unterirdische Werte. Rösler sah zwar eine gute Kontrolle seines Teams und malte längst nicht so schwarz wie seine Kritiker. Er legte den Finger aber auch in die Wunde: „Uns fehlt im Moment diese Zielstrebigkeit, Power, Energie und Qualität der Flanke und des Schusses.“
Fraglich, warum Rösler nicht bereits zur Pause reagierte beim Stand von 0:1. Flügelstürmer Gerrit Holtmann etwa kam nicht auf Touren, Mats Pannewig im Zentrum lieferte keine Impulse, Koji Miyoshi ging als Zehner unter, Stürmer Philipp Hofmann bekam keine Bälle. Die spielstarken offensiven Neuzugänge Jarne Steuckers, der in Minute 55 kam, Berkan Taz und Charlie Patino (ab 72.) wechselte Rösler erst im Verlauf ein, Daniel Hanslik blieben noch zehn Minuten. „Wir haben alle offensiven Spieler gebracht“, meinte Rösler, wobei Perspektiv-Stürmer Mansour Ouro-Tagba offenbar die Qualität fehlt. Besser wurde es nicht. „Das war Wild-West-Fußball.“
Taz, Patino und Steuckers nur Joker – ein Fehler der Kaderplanung?
Eine Bestätigung für seine erste Wahl – oder Selbstschutz? Patino und Steuckers sind die einzigen Leihspieler des VfL, wurden mit großen Vorschusslorbeeren empfangen, spielten bisher kaum eine Rolle. Gestalter Taz, zuvor Topscorer der 3. Liga, ist seit Wochen nur zweite Wahl. Liegt es an Rösler oder lagen die Kaderplaner daneben? Es klingt immer häufiger durch beim Coach, dass er für seinen intensiven Fußball die passenden Alternativen vermisst. Es knistert.
Fakt ist: Derzeit ist der VfL ausrechenbar. Die Gegner nehmen Sturmkante Hofmann aus dem Spiel, über die Flügel kommt keine Power, Flanken versanden, „Energie im letzten Drittel“ fehlt, wie Hofmann kritisierte. Der spielerische Ansatz mit deutlich mehr Ballbesitz verpufft im ungefährlichen Raum. Hinzu kommen regelmäßig Böcke, die aus einem 0:0 eine Pleite machen. Vor dem 0:1 patzte Sean Klaiber, wobei Rösler ein „klares Foul“ monierte. Ibrahim Kanate eilte davon, bediente Milos Lukovic (31.). Patinos Schlag ins Gesicht von Jan Elvedi führte zu einem umstrittenen Elfmeter, den Semih Sahin verwandelte (75.) – und den VfL in eine ungewisse Zukunft schickte. „Wir sind“, stellte Rösler klar, „im Abstiegskampf. Den müssen wir annehmen.“
Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."