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Der neue VfL Bochum fängt gerade erst an
#1
Der VfL Bochum hat sich im Sommer teils neu erfunden. Es wird Rückschläge geben, aber das Dresden-Spiel machte erstmals richtig Mut. Ein Kommentar. 

Irgendwie kann man es als langjähriger Beobachter des VfL Bochum noch nicht so richtig fassen. In den vergangenen Jahren bekam der VfL auswärts nur selten ein Bein auf den Boden, regelmäßig galt den Fans vor Ort das Mitleid der Daheimgebliebenen, mitunter gab es Spott und Häme für die Spieler. Ganz anders daheim. Wenn was ging in der Bundesliga, wenn mal Spektakel angesagt war in der 2. Liga, wenn dringend benötigte Siege geholt werden mussten – dann meistens im Ruhrstadion. 

Und jetzt? Saisonübergreifend holte der VfL vier Auswärtssiege – drei in der 2. Liga, einen im DFB-Pokal – in Folge. Eine derartige Sieges-Serie auf fremdem Platz gab es zuletzt 2010/11. Im Ruhrstadion dagegen: kein Tor, kein Punkt. 0:1 gegen Hertha, 0:1 gegen Osnabrück. 

Bochum überzeugt mit Team-Qualität und konsequenter Spielweise
Ein Trend, der sich in dieser Ergebnis-Radikalität mit Sicherheit nicht fortsetzen wird, aus mehreren Gründen. Zur Wahrheit gehört ja: Wären alle fünf VfL-Partien in dieser Saison – inklusive des Pokalfights nach 90 Minuten – remis ausgegangen, hätte man ruhigen Gewissens von gerechten Ergebnissen sprechen dürfen. Die 2. Liga war in den vergangenen Jahren sehr ausgeglichen. Sie ist es immer noch, das zeigen die Resultate Spieltag für Spieltag. Trotz eines finanziell in anderen Sphären schwebenden VfL Wolfsburg, der gegen Aufsteiger Cottbus vier Treffer schluckte beim 4:4. Oft entscheiden Nuancen die einzelnen Spiele.

Auf Strecke aber setzt sich Qualität durch – die Qualität Einzelner, vor allem aber die Qualität des Teams im Sinne eines stabilen Gebildes mit einer klaren, gemeinschaftlich gelebten Strategie. Der Sieg des VfL in Dresden ist daher höher zu bewerten als die beiden Auswärtssiege zuvor, als die Bochumer Führungen aus dem Nichts fielen. Denn erstmals setzte der VfL in der ersten Halbzeit seinen Plan konsequent und sichtbar um. Den Plan, der Bochum zu einem Spitzenklub der Liga machen soll, der zudem für attraktiven Fußball steht. Neben Grundtugenden wie Mentalität, Einsatz und Fitness zählen das hohe, mutige Attackieren der gesamten Mannschaft und möglichst viel Ballbesitz dazu. 

Bochumer Bilanz ist fast schon Gold wert
Nach fast 40 Transferbewegungen in diesem Megaumbruch-Sommer war klar, dass die neue Mannschaft nicht sofort in allen Einzelteilen harmoniert, wobei man zugleich – das ist so im Profigeschäft – das Punkteziel nicht aus den Augen verlieren darf. Insofern ist die jetzige Bilanz mit sechs Zählern und dem Pokalerfolg fast schon Gold wert: Seine Möglichkeiten hat der VfL längst nicht ausgeschöpft, der Entwicklungssprung vom schlechtesten Ballbesitz-Team der Liga in der Vorsaison zu einer spielerisch führenden Mannschaft ist längst nicht abgeschlossen. Dennoch ist der Klub – fast – im Soll.

Dies auch, weil erst vor einer Woche noch drei Qualitätsspieler hinzukamen, die der VfL dringend benötigte für sein anspruchsvolles Vorhaben, Spiele zu dominieren. Die Elf stellte sich zuletzt fast von allein auf. Jetzt herrscht erhöhter Konkurrenzkampf im Training, der wohl noch zunimmt. Denn Charlie Patino, Jarne Steuckers und Sean Klaiber, die allesamt fußballerisch zum höheren Regal der 2. Liga zählen, sind gerade erst gelandet und werden eher früher als später ihre Ansprüche stellen. 

Charakter zeigt sich nicht nur bei Grätschen auf dem Platz
Das beflügelt auch die Etablierten. Vor allem in der Offensive hat Uwe Rösler deutlich mehr hochwertige Alternativen, ein Jarne Steuckers etwa wurde als „Unterschiedsspieler“ angepriesen. Dass das Team dennoch beisammen bleibt, den von allen bisher stets gelobten Teamspirit beibehält, dass Enttäuschte wie jetzt Berkan Taz weiter mitgenommen werden, ist Aufgabe des Trainerteams – und der Spieler untereinander. Wenn es stimmt, dass der VfL auf Charakter so viel Wert legte bei seinen Verpflichtungen im Sommer, dann sollte dies gelingen. Charakter zeigt sich ja nicht nur mit ein paar Grätschen auf dem Platz.

Es wird Rückschläge geben, sie gehören zum Fußball dazu. Aber Leistung und Herangehensweise in Dresden machen viel Mut, dass Bochum in seiner Entwicklung zu einem sowohl attraktiv als auch erfolgreich spielenden Klub einen ordentlichen Schritt vorangekommen ist. Er darf auf weitere Auswärtserfolge setzen – und muss bestimmt keinen Heimfluch fürchten. 

Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der  VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."
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