08-05-2026, 07:06 AM
Die drei Direktoren des VfL Bochum, Markus Brunnschneider, Simon Zoller und Jonas Schlevogt, geben im Interview Einblicke in ihre Arbeit.
Als sich der VfL Bochum im vergangenen November in der sportlichen Führung neu aufstellte, überraschten die Verantwortlichen. Es gab keinen Sport-Geschäftsführer mehr, keinen Sportdirektor. Stattdessen ging der Zweitligist einen in Deutschland frischen Weg, installierte in Markus Brunnschneider (Data, Scouting, Recruitment), Simon Zoller (Lizenz) und Jonas Schlevogt (Recht und Personal) drei gleichberechtigte Direktoren. Zusammen bilden sie die neue Spitze des VfL und verantworten inzwischen die zweite Transferphase und damit den XXL-Umbruch im Kader.
Es ist eine in Deutschland außergewöhnliche Konstellation mit Experten in den jeweiligen Gebieten. Brunnschneider kennt die Märkte und Spieler, beobachtet sie und ihre Entwicklung seit Jahren, konzipiert federführend die Mannschaft und ist derjenige im Trio, der den Prozess leitet, damit ein Spieler überhaupt zum VfL kommt. Derweil ist Zoller nah am Trainer und der aktuellen Mannschaft, kann genau einschätzen, wie die Kabine funktioniert und ob ein möglicher Neuzugang dazu passt, muss auch bewerten, welche Chancen die Spieler aus dem Talentwerk haben und ob ein Neuzugang deren Entwicklung blockieren könnte. Schlevogt hingegen ist der harte Hund am Verhandlungstisch, bringt seine Expertise in die Gespräche mit ein, achtet auf Leitplanken und schließt schlussendlich die Deals ab.
Vor dem Start der neuen Saison nahmen sich die drei Direktoren Zeit, um im Interview ihre Rollen genau zu erklären. Sie sprechen anhand des Beispiels Enis Cokai darüber, wie ein Transfer eigentlich abläuft und welche Rolle Trainer Uwe Rösler spielt.
Sie bilden beim VfL Bochum die sportliche Geschäftsleitung, mussten in diesem Sommer einen XXL-Umbruch durchführen. Erklären Sie doch bitte anhand der Verpflichtung von Enis Cokaj, wie Sie auf dem Transfermarkt arbeiten.
Markus Brunnschneider: Man muss sich den Transfermarkt wie einen großen, gut sortierten Supermarkt vorstellen. Wir gehen zu dritt rein, suchen die richtigen Produkte aus und kochen am Ende zusammen einen Transfer (lacht). Aber im Ernst: Enis haben wir durch unsere Scoutingabteilung als Ziel identifiziert. Durch Daten und Live-Scouting. Danach haben wir das in unserer Dreier-Runde besprochen, Zolli hat seine sportliche Einschätzung gegeben. Dann haben wir dem Trainerteam den Spieler vorgestellt, damit dieses seine Bewertung abgeben kann.
Was bedeutet in dem Fall „als Ziel identifiziert“?
Brunnschneider: Wir haben für uns ganz klar definiert, welche Kriterien und Parameter ein Spieler auf einer bestimmten Position erfüllen soll. Dabei geht es neben den sportlichen Faktoren auch um Charakter, persönliche Einstellungen, das Umfeld oder auch private Themen. Ich treffe anhand dieser Kriterien gemeinsam mit meinem Team eine Vorauswahl, nachdem wir uns die Daten und den Spieler im Spiel angesehen haben, und gebe diese Spieler dann in unsere Runde.
Dann kommen Sie als Ex-Profi ins Spiel, Simon Zoller?
Simon Zoller: Ich weiß durch meine Zeit als Profi hier, was es braucht, um das Trikot zu tragen, ich kann die Kabine einschätzen. Wir bewerten intern, ob der jeweilige Spieler Sinn ergibt, ob er zu unseren sportlichen Anforderungen und zum Kader passt. Wir geben Spieler erst in die sportliche Bewertung an das Trainerteam weiter, wenn wir vollends überzeugt sind und die Rahmenbedingungen abgeklopft sind. Wenn utopische Summen aufgerufen werden, dann brauchen wir den Spieler gar nicht erst weiterzuverfolgen. Bei Enis waren wir uns von Beginn an einig. Wir haben uns seit dem Winter intensiv mit ihm beschäftigt. Ich habe mich zusammen mit dem Trainer mit ihm getroffen, er ist extra nach Düsseldorf gekommen. Das passiert in der intensiven Form über solch eine lange Zeit nicht bei jedem Spieler. Aber wir versuchen immer, eine Bindung aufzubauen, alles abzuklopfen. Manchmal muss es schneller gehen. Bei Enis hatten wir die Zeit.
Also wird jeder Spieler von der Scouting-Abteilung vorgeschlagen?
Zoller: Nein. Wir haben alle drei ein großes Netzwerk, ebenso wie zum Beispiel auch Ilja Kaenzig oder Andreas Luthe. Wir bekommen auch mal Spieler angeboten, mit denen wir uns erst dann im Scouting beschäftigen und dann den normalen Prozess durchlaufen. Nur so können wir zu 100 Prozent sagen, ob ein Spieler überhaupt einer für uns ist.
Schlevogt: Nicht jeder Prozess bei jedem Spieler läuft gleich. Wir haben definiert, welche Kaderstruktur wir haben möchten. Wir verfolgen seit der Wintertransferperiode einen klaren Plan. Enis Cokaj ist dabei ein gutes Beispiel. Er ist ein Spieler, an dem wir frühzeitig dran sein mussten, weil er ablösefrei war und das die Verhandlungen beeinflusst. Das Fußballgeschäft ist sehr dynamisch, wir müssen auf alle Eventualitäten gefasst sein. Daher sind wir froh, dass es bei Enis so funktioniert hat. Zum jetzigen Zeitpunkt würden wir ihn wohl nicht mehr bekommen.
Brunnschneider: Wir achten insgesamt durch unseren Prozess und dauerhaften Austausch untereinander darauf, dass uns nichts verkauft wird. Wir kaufen proaktiv ein. Dafür sichern wir uns ab mit den festgelegten Parametern.
Aber nicht bei jedem Transfer haben Sie so viel Zeit wie bei Cokaj.
Zoller: Korrekt, manchmal geht eine Tür auf und dann müssen wir schnell durchgehen. Dennoch führen wir immer die Hintergrundchecks durch, treffen den Spieler, und gleichen ihn mit unseren Anforderungen ab.
Nachdem Simon Zoller und Markus Brunnschneider die Transfers vorbereitet haben, müssen Sie, Jonas Schlevogt, die Verhandlungen führen und den Transfer eintüten.
Zoller: Es ist nicht so, dass Jonas allein die Verantwortung trägt. Jedes Angebot, das Jonas rausschickt, ist vorher in der Runde besprochen worden, jeder weiß Bescheid und ist entsprechend sprechfähig.
Brunnschneider: Das ist ein wichtiger Punkt, den ich aus anderen Konstellationen anders kenne. Wir wissen von vornherein, was finanziell darstellbar ist, und beschäftigen uns entsprechend nur mit solchen Spielern. Wir arbeiten äußerst transparent an den relevanten Stellen im Verein.
Schlevogt: Wir diskutieren viel im Büro, in unserer Chatgruppe. Wir verfolgen eine gemeinsame Strategie und jeder weiß zu jedem Zeitpunkt, wie der Stand der Dinge ist, was finanziell möglich ist, welcher Spieler aufploppt oder nicht mehr interessant ist. Wir haben eine klare Struktur geschaffen – auch, was die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen angeht. Wir haben klare Leitplanken, in denen wir uns bewegen. Um das Bild des Supermarkts zu bedienen: Die Feinkostabteilung werden wir eher nicht besuchen. (lacht)
Brunnschneider: Bei uns im Verein gibt es keinen Alleinherrscher. Wir challengen uns im Prozess mit kritischen Rückfragen zu jeder einzelnen Personalie, und dadurch sind unsere Transferentscheidungen alle mit einem sehr guten Gefühl getroffen worden. Diese Rückmeldung bekommen wir zum aktuellen Zeitpunkt auch aus der Mannschaft und dem Trainerteam.
Wie häufig gab es unter Ihnen Entscheidern, zu denen schlussendlich auch Trainer Uwe Rösler und Geschäftsführer Ilja Kaenzig gehören, Reibereien?
Zoller: Natürlich gibt es immer mal einen Spieler, den der eine mehr möchte als der andere. Es steht aber hinter jedem getätigten Transfer eine gemeinschaftliche Entscheidung. Wir haben die Fehler des vergangenen Sommers und die von uns verantwortete Wintertransferphase ausgewertet und unsere Lehren daraus gezogen. Es wird immer Diskussionen geben, das ist gut so. Nur so schaffen wir es, das Beste für den Verein zu erreichen.
Schlevogt: Wir brauchen eine Streitkultur, in der man sich die Meinung sagen kann. Wir wollen schließlich den VfL voranbringen.
Brunnschneider: Nicht der, der am lautesten schreit, bekommt recht. Es werden Dinge abgewogen und am Ende haben wir eine klare Entscheidungsfindung.
Schlevogt: Zumal der Markt dynamisch ist und sich Dinge immer wieder anders darstellen, beispielsweise wenn sich ein Spieler verletzt oder plötzlich wieder auf den Markt kommt, obwohl es eine Woche zuvor noch ganz anders aussah.
Wie viel Trainer steckt in dem Kader?
Brunnschneider: Der Trainer wurde bei jeder Entscheidung mitgenommen, den Kader haben aber wir gemeinsam zusammengestellt.
Zoller: Wir haben uns nach der Wintertransferphase mit Uwe hingesetzt und diskutiert, für was wir stehen wollen. Das deckt Markus in unserem System von Beginn an ab. Es braucht Mentalität, es braucht Spieler, die die für uns wichtigen Attribute mitbringen. Nach den vielen Veränderungen sieht man schon jetzt, dass es wieder in die Richtung geht, die den VfL Bochum auszeichnet.
Jonas Schlevogt, schlussendlich sind Sie derjenige, der die Verhandlungen mit den Beratern und abgebenden Vereinen führen muss. Man hört, Sie seien ein harter Hund.
Schlevogt: (lacht) Das liegt immer im Auge des Betrachters. Ich bin schon ein paar Jahre im Geschäft und habe ein entsprechendes Netzwerk – durch meine Aktivitäten bei der EFC (vormals ECA) auch international –, das ich immer wieder nutze und aus dem ich viel mitnehmen konnte. Wenn ich mich einschüchtern ließe, wäre ich im falschen Job. Wir bereiten alles in Ruhe mit einem klaren Plan vor. Fußball ist ein People Business und ich glaube, dass ich mit verschiedenen Menschen gut umgehen kann. Das liegt mir und macht mir Spaß. Wichtig ist, dass wir in den vorher gesetzten Leitplanken bleiben. Und so viel kann ich verraten: Das ist bisher bei jedem Transfer gelungen. Das liegt aber auch daran, dass wir im Vorfeld alles gut vorbereitet haben und niemand ins Kaviarregal greift.
Haben Sie von Geschäftsführer Ilja Kaenzig komplett freie Hand?
Schlevogt: Es kommen auch von ihm mal kritische Nachfragen oder Anmerkungen, der Austausch ist täglich gegeben. Wir haben 100-prozentiges Vertrauen ineinander. Er hilft uns allen mit seiner Erfahrung jeden Tag.
Quelle: WAZ.de
Als sich der VfL Bochum im vergangenen November in der sportlichen Führung neu aufstellte, überraschten die Verantwortlichen. Es gab keinen Sport-Geschäftsführer mehr, keinen Sportdirektor. Stattdessen ging der Zweitligist einen in Deutschland frischen Weg, installierte in Markus Brunnschneider (Data, Scouting, Recruitment), Simon Zoller (Lizenz) und Jonas Schlevogt (Recht und Personal) drei gleichberechtigte Direktoren. Zusammen bilden sie die neue Spitze des VfL und verantworten inzwischen die zweite Transferphase und damit den XXL-Umbruch im Kader.
Es ist eine in Deutschland außergewöhnliche Konstellation mit Experten in den jeweiligen Gebieten. Brunnschneider kennt die Märkte und Spieler, beobachtet sie und ihre Entwicklung seit Jahren, konzipiert federführend die Mannschaft und ist derjenige im Trio, der den Prozess leitet, damit ein Spieler überhaupt zum VfL kommt. Derweil ist Zoller nah am Trainer und der aktuellen Mannschaft, kann genau einschätzen, wie die Kabine funktioniert und ob ein möglicher Neuzugang dazu passt, muss auch bewerten, welche Chancen die Spieler aus dem Talentwerk haben und ob ein Neuzugang deren Entwicklung blockieren könnte. Schlevogt hingegen ist der harte Hund am Verhandlungstisch, bringt seine Expertise in die Gespräche mit ein, achtet auf Leitplanken und schließt schlussendlich die Deals ab.
Vor dem Start der neuen Saison nahmen sich die drei Direktoren Zeit, um im Interview ihre Rollen genau zu erklären. Sie sprechen anhand des Beispiels Enis Cokai darüber, wie ein Transfer eigentlich abläuft und welche Rolle Trainer Uwe Rösler spielt.
Sie bilden beim VfL Bochum die sportliche Geschäftsleitung, mussten in diesem Sommer einen XXL-Umbruch durchführen. Erklären Sie doch bitte anhand der Verpflichtung von Enis Cokaj, wie Sie auf dem Transfermarkt arbeiten.
Markus Brunnschneider: Man muss sich den Transfermarkt wie einen großen, gut sortierten Supermarkt vorstellen. Wir gehen zu dritt rein, suchen die richtigen Produkte aus und kochen am Ende zusammen einen Transfer (lacht). Aber im Ernst: Enis haben wir durch unsere Scoutingabteilung als Ziel identifiziert. Durch Daten und Live-Scouting. Danach haben wir das in unserer Dreier-Runde besprochen, Zolli hat seine sportliche Einschätzung gegeben. Dann haben wir dem Trainerteam den Spieler vorgestellt, damit dieses seine Bewertung abgeben kann.
Was bedeutet in dem Fall „als Ziel identifiziert“?
Brunnschneider: Wir haben für uns ganz klar definiert, welche Kriterien und Parameter ein Spieler auf einer bestimmten Position erfüllen soll. Dabei geht es neben den sportlichen Faktoren auch um Charakter, persönliche Einstellungen, das Umfeld oder auch private Themen. Ich treffe anhand dieser Kriterien gemeinsam mit meinem Team eine Vorauswahl, nachdem wir uns die Daten und den Spieler im Spiel angesehen haben, und gebe diese Spieler dann in unsere Runde.
Dann kommen Sie als Ex-Profi ins Spiel, Simon Zoller?
Simon Zoller: Ich weiß durch meine Zeit als Profi hier, was es braucht, um das Trikot zu tragen, ich kann die Kabine einschätzen. Wir bewerten intern, ob der jeweilige Spieler Sinn ergibt, ob er zu unseren sportlichen Anforderungen und zum Kader passt. Wir geben Spieler erst in die sportliche Bewertung an das Trainerteam weiter, wenn wir vollends überzeugt sind und die Rahmenbedingungen abgeklopft sind. Wenn utopische Summen aufgerufen werden, dann brauchen wir den Spieler gar nicht erst weiterzuverfolgen. Bei Enis waren wir uns von Beginn an einig. Wir haben uns seit dem Winter intensiv mit ihm beschäftigt. Ich habe mich zusammen mit dem Trainer mit ihm getroffen, er ist extra nach Düsseldorf gekommen. Das passiert in der intensiven Form über solch eine lange Zeit nicht bei jedem Spieler. Aber wir versuchen immer, eine Bindung aufzubauen, alles abzuklopfen. Manchmal muss es schneller gehen. Bei Enis hatten wir die Zeit.
Also wird jeder Spieler von der Scouting-Abteilung vorgeschlagen?
Zoller: Nein. Wir haben alle drei ein großes Netzwerk, ebenso wie zum Beispiel auch Ilja Kaenzig oder Andreas Luthe. Wir bekommen auch mal Spieler angeboten, mit denen wir uns erst dann im Scouting beschäftigen und dann den normalen Prozess durchlaufen. Nur so können wir zu 100 Prozent sagen, ob ein Spieler überhaupt einer für uns ist.
Schlevogt: Nicht jeder Prozess bei jedem Spieler läuft gleich. Wir haben definiert, welche Kaderstruktur wir haben möchten. Wir verfolgen seit der Wintertransferperiode einen klaren Plan. Enis Cokaj ist dabei ein gutes Beispiel. Er ist ein Spieler, an dem wir frühzeitig dran sein mussten, weil er ablösefrei war und das die Verhandlungen beeinflusst. Das Fußballgeschäft ist sehr dynamisch, wir müssen auf alle Eventualitäten gefasst sein. Daher sind wir froh, dass es bei Enis so funktioniert hat. Zum jetzigen Zeitpunkt würden wir ihn wohl nicht mehr bekommen.
Brunnschneider: Wir achten insgesamt durch unseren Prozess und dauerhaften Austausch untereinander darauf, dass uns nichts verkauft wird. Wir kaufen proaktiv ein. Dafür sichern wir uns ab mit den festgelegten Parametern.
Aber nicht bei jedem Transfer haben Sie so viel Zeit wie bei Cokaj.
Zoller: Korrekt, manchmal geht eine Tür auf und dann müssen wir schnell durchgehen. Dennoch führen wir immer die Hintergrundchecks durch, treffen den Spieler, und gleichen ihn mit unseren Anforderungen ab.
Nachdem Simon Zoller und Markus Brunnschneider die Transfers vorbereitet haben, müssen Sie, Jonas Schlevogt, die Verhandlungen führen und den Transfer eintüten.
Zoller: Es ist nicht so, dass Jonas allein die Verantwortung trägt. Jedes Angebot, das Jonas rausschickt, ist vorher in der Runde besprochen worden, jeder weiß Bescheid und ist entsprechend sprechfähig.
Brunnschneider: Das ist ein wichtiger Punkt, den ich aus anderen Konstellationen anders kenne. Wir wissen von vornherein, was finanziell darstellbar ist, und beschäftigen uns entsprechend nur mit solchen Spielern. Wir arbeiten äußerst transparent an den relevanten Stellen im Verein.
Schlevogt: Wir diskutieren viel im Büro, in unserer Chatgruppe. Wir verfolgen eine gemeinsame Strategie und jeder weiß zu jedem Zeitpunkt, wie der Stand der Dinge ist, was finanziell möglich ist, welcher Spieler aufploppt oder nicht mehr interessant ist. Wir haben eine klare Struktur geschaffen – auch, was die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen angeht. Wir haben klare Leitplanken, in denen wir uns bewegen. Um das Bild des Supermarkts zu bedienen: Die Feinkostabteilung werden wir eher nicht besuchen. (lacht)
Brunnschneider: Bei uns im Verein gibt es keinen Alleinherrscher. Wir challengen uns im Prozess mit kritischen Rückfragen zu jeder einzelnen Personalie, und dadurch sind unsere Transferentscheidungen alle mit einem sehr guten Gefühl getroffen worden. Diese Rückmeldung bekommen wir zum aktuellen Zeitpunkt auch aus der Mannschaft und dem Trainerteam.
Wie häufig gab es unter Ihnen Entscheidern, zu denen schlussendlich auch Trainer Uwe Rösler und Geschäftsführer Ilja Kaenzig gehören, Reibereien?
Zoller: Natürlich gibt es immer mal einen Spieler, den der eine mehr möchte als der andere. Es steht aber hinter jedem getätigten Transfer eine gemeinschaftliche Entscheidung. Wir haben die Fehler des vergangenen Sommers und die von uns verantwortete Wintertransferphase ausgewertet und unsere Lehren daraus gezogen. Es wird immer Diskussionen geben, das ist gut so. Nur so schaffen wir es, das Beste für den Verein zu erreichen.
Schlevogt: Wir brauchen eine Streitkultur, in der man sich die Meinung sagen kann. Wir wollen schließlich den VfL voranbringen.
Brunnschneider: Nicht der, der am lautesten schreit, bekommt recht. Es werden Dinge abgewogen und am Ende haben wir eine klare Entscheidungsfindung.
Schlevogt: Zumal der Markt dynamisch ist und sich Dinge immer wieder anders darstellen, beispielsweise wenn sich ein Spieler verletzt oder plötzlich wieder auf den Markt kommt, obwohl es eine Woche zuvor noch ganz anders aussah.
Wie viel Trainer steckt in dem Kader?
Brunnschneider: Der Trainer wurde bei jeder Entscheidung mitgenommen, den Kader haben aber wir gemeinsam zusammengestellt.
Zoller: Wir haben uns nach der Wintertransferphase mit Uwe hingesetzt und diskutiert, für was wir stehen wollen. Das deckt Markus in unserem System von Beginn an ab. Es braucht Mentalität, es braucht Spieler, die die für uns wichtigen Attribute mitbringen. Nach den vielen Veränderungen sieht man schon jetzt, dass es wieder in die Richtung geht, die den VfL Bochum auszeichnet.
Jonas Schlevogt, schlussendlich sind Sie derjenige, der die Verhandlungen mit den Beratern und abgebenden Vereinen führen muss. Man hört, Sie seien ein harter Hund.
Schlevogt: (lacht) Das liegt immer im Auge des Betrachters. Ich bin schon ein paar Jahre im Geschäft und habe ein entsprechendes Netzwerk – durch meine Aktivitäten bei der EFC (vormals ECA) auch international –, das ich immer wieder nutze und aus dem ich viel mitnehmen konnte. Wenn ich mich einschüchtern ließe, wäre ich im falschen Job. Wir bereiten alles in Ruhe mit einem klaren Plan vor. Fußball ist ein People Business und ich glaube, dass ich mit verschiedenen Menschen gut umgehen kann. Das liegt mir und macht mir Spaß. Wichtig ist, dass wir in den vorher gesetzten Leitplanken bleiben. Und so viel kann ich verraten: Das ist bisher bei jedem Transfer gelungen. Das liegt aber auch daran, dass wir im Vorfeld alles gut vorbereitet haben und niemand ins Kaviarregal greift.
Haben Sie von Geschäftsführer Ilja Kaenzig komplett freie Hand?
Schlevogt: Es kommen auch von ihm mal kritische Nachfragen oder Anmerkungen, der Austausch ist täglich gegeben. Wir haben 100-prozentiges Vertrauen ineinander. Er hilft uns allen mit seiner Erfahrung jeden Tag.
Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."