Vor 6 Stunden
Der Stadionumbau beim VfL Bochum sorgt für Unruhe unter den Fans. Wie geht der Klub damit um und wie funktioniert die Sportliche Leitung? Das sagt Ilja Kaenzig.
In Teil 1 des großen Sommer-Interviews sprach Ilja Kaenzig über die bisherigen Eindrücke der Sommervorbereitung und die finanzielle Lage des VfL Bochum. Im zweiten Teil äußert sich der Geschäftsführer zur Kritik am Stadionumbau, zu seiner Rolle als Blitzableiter und zum Sport-Gremium.
Was die sportlichen Entscheidungen angeht, gibt es beim VfL Bochum nicht nur einen Sportdirektor, der sich mit dem Trainer abstimmt, sondern ein ganzes Gremium. Normalerweise sagt man, viele Köche verderben den Brei. Hier scheint es anders auszusehen.
Die Gourmet-Restaurants, bei denen ein Koch alles bestimmt, die gehen ja reihenweise pleite. Weil du den Geschmack nicht von allen triffst und für den eigenen Geschmack zu kochen ist keine Lösung. Das haben wir in der Vergangenheit gehabt. Das ist bei großen Klubs vielleicht möglich, weil du da sehr viel Kompetenz hast. Die Sportdirektoren oder Geschäfte haben einen großen Stab um sich herum und Fehler können korrigiert werden mit viel Geld. Das geht bei uns nicht. Und international setzt sich dieses Modell übrigens immer mehr durch. Nicht jeder weiß, wer der Sportdirektor von Liverpool ist, weil auch da im Team gearbeitet wird.
Jeder im Team bringt seine Fachexpertise mit hoher Motivation ein, dann wird gemeinschaftlich diskutiert und beschlossen. Das heißt, einer allein hat heutzutage weder die Zeit noch die Expertise in jedem Bereich und kann allwissend sein. Du kannst nicht gleichzeitig der beste Verhandler sein und der beste Scout und dann noch auch Zeit finden, die Nachwuchsleistungsabteilung zu betreuen, das geht nicht mehr.
Daher ist das für den VfL ein sehr spannendes Modell und bis jetzt funktioniert das überragend, weil eben jeder in diesem Team sich total einbringt und ich glaube wir werden das weiter ausarbeiten. Dass alleine jemand den Kurs bestimmt und wenn der falsch liegt, der Verein nachher dann in der Sackgasse steckt, das darf es zukünftig nicht mehr geben. Das Geld ist knapp, daher sind keine falschen Manöver drin.
Kommen wir zum Stadion. Einige werden vorübergehend ihren Sitzplatz verlieren, Dauerkarten gibt es erstmal für drei Spiele. Das sorgte nun für etwas Unruhe. Allerdings muss man diese Beschwerlichkeiten wohl in Kauf nehmen. Was sagen Sie zur Kritik einiger Fans?
Der VfL ist Volkssport und das Volk tobt auch manchmal und der Frust muss raus. Da sind wir natürlich auch Blitzableiter und ich glaube, niemand kommuniziert so ausführlich, auch wenn es natürlich den Betroffenen immer noch zu wenig vorkommt. Und wenn ich im Trainingslager feststellen muss, dass einige gar nicht mitbekommen haben, dass wir schon zwei große Veranstaltungen hatten und eine dritte, bei der wir über das Stadion informieren, da werden wir also noch lauter trommeln.
Jeder ist herzlich eingeladen, daran teilzuhaben und zu verstehen, wie sowas passiert. Auch zu verstehen, dass nicht der VfL das Stadion baut, dass wir nur Pächter sind eines städtischen Stadions, aber dass das auch die beste Lösung ist, die möglich und alternativlos war. Auch wenn es einem nicht passt oder man es besser weiß, aber wir müssen jetzt da durch. Da haben wir Respekt. Unruhe könnte tatsächlich aus dem Stadionumbau kommen. Deswegen werden wir noch intensiver informieren. Wir haben da nichts zu verschleiern und wir wollen auch niemanden wehtun. Und eins kann man ja sagen, wenn die drei Jahre vorbei sind, dann sollten eigentlich alle noch viel zufriedener sein als vorher. Sie werden ihren Platz wieder haben und vor allem ein neues Stadionerlebnis, Komfort, den man bisher nicht kannte. Und dann ist wieder alles gut und ich bin sicher, in sechs Jahren spricht gar keiner mehr drüber.
Aber da müssen wir jetzt durch und ich kann es irgendwo nachvollziehen, es ist menschlich und wird uns begleiten und ich glaube gerade auch im Ruhrpott, wo man sehr direkt ist und dann auch gleich sagt, was man denkt, das Herz auf der Zunge trägt, ist das normal, das muss man akzeptieren. Und ich hoffe, es ist nicht persönlich, aber wir sind auch als Blitzableiter im Fußball. Ja, die Rolle spielt man dann halt auch und das ist okay.
Quelle: Revierstort.de
In Teil 1 des großen Sommer-Interviews sprach Ilja Kaenzig über die bisherigen Eindrücke der Sommervorbereitung und die finanzielle Lage des VfL Bochum. Im zweiten Teil äußert sich der Geschäftsführer zur Kritik am Stadionumbau, zu seiner Rolle als Blitzableiter und zum Sport-Gremium.
Was die sportlichen Entscheidungen angeht, gibt es beim VfL Bochum nicht nur einen Sportdirektor, der sich mit dem Trainer abstimmt, sondern ein ganzes Gremium. Normalerweise sagt man, viele Köche verderben den Brei. Hier scheint es anders auszusehen.
Die Gourmet-Restaurants, bei denen ein Koch alles bestimmt, die gehen ja reihenweise pleite. Weil du den Geschmack nicht von allen triffst und für den eigenen Geschmack zu kochen ist keine Lösung. Das haben wir in der Vergangenheit gehabt. Das ist bei großen Klubs vielleicht möglich, weil du da sehr viel Kompetenz hast. Die Sportdirektoren oder Geschäfte haben einen großen Stab um sich herum und Fehler können korrigiert werden mit viel Geld. Das geht bei uns nicht. Und international setzt sich dieses Modell übrigens immer mehr durch. Nicht jeder weiß, wer der Sportdirektor von Liverpool ist, weil auch da im Team gearbeitet wird.
Jeder im Team bringt seine Fachexpertise mit hoher Motivation ein, dann wird gemeinschaftlich diskutiert und beschlossen. Das heißt, einer allein hat heutzutage weder die Zeit noch die Expertise in jedem Bereich und kann allwissend sein. Du kannst nicht gleichzeitig der beste Verhandler sein und der beste Scout und dann noch auch Zeit finden, die Nachwuchsleistungsabteilung zu betreuen, das geht nicht mehr.
Daher ist das für den VfL ein sehr spannendes Modell und bis jetzt funktioniert das überragend, weil eben jeder in diesem Team sich total einbringt und ich glaube wir werden das weiter ausarbeiten. Dass alleine jemand den Kurs bestimmt und wenn der falsch liegt, der Verein nachher dann in der Sackgasse steckt, das darf es zukünftig nicht mehr geben. Das Geld ist knapp, daher sind keine falschen Manöver drin.
Kommen wir zum Stadion. Einige werden vorübergehend ihren Sitzplatz verlieren, Dauerkarten gibt es erstmal für drei Spiele. Das sorgte nun für etwas Unruhe. Allerdings muss man diese Beschwerlichkeiten wohl in Kauf nehmen. Was sagen Sie zur Kritik einiger Fans?
Der VfL ist Volkssport und das Volk tobt auch manchmal und der Frust muss raus. Da sind wir natürlich auch Blitzableiter und ich glaube, niemand kommuniziert so ausführlich, auch wenn es natürlich den Betroffenen immer noch zu wenig vorkommt. Und wenn ich im Trainingslager feststellen muss, dass einige gar nicht mitbekommen haben, dass wir schon zwei große Veranstaltungen hatten und eine dritte, bei der wir über das Stadion informieren, da werden wir also noch lauter trommeln.
Jeder ist herzlich eingeladen, daran teilzuhaben und zu verstehen, wie sowas passiert. Auch zu verstehen, dass nicht der VfL das Stadion baut, dass wir nur Pächter sind eines städtischen Stadions, aber dass das auch die beste Lösung ist, die möglich und alternativlos war. Auch wenn es einem nicht passt oder man es besser weiß, aber wir müssen jetzt da durch. Da haben wir Respekt. Unruhe könnte tatsächlich aus dem Stadionumbau kommen. Deswegen werden wir noch intensiver informieren. Wir haben da nichts zu verschleiern und wir wollen auch niemanden wehtun. Und eins kann man ja sagen, wenn die drei Jahre vorbei sind, dann sollten eigentlich alle noch viel zufriedener sein als vorher. Sie werden ihren Platz wieder haben und vor allem ein neues Stadionerlebnis, Komfort, den man bisher nicht kannte. Und dann ist wieder alles gut und ich bin sicher, in sechs Jahren spricht gar keiner mehr drüber.
Aber da müssen wir jetzt durch und ich kann es irgendwo nachvollziehen, es ist menschlich und wird uns begleiten und ich glaube gerade auch im Ruhrpott, wo man sehr direkt ist und dann auch gleich sagt, was man denkt, das Herz auf der Zunge trägt, ist das normal, das muss man akzeptieren. Und ich hoffe, es ist nicht persönlich, aber wir sind auch als Blitzableiter im Fußball. Ja, die Rolle spielt man dann halt auch und das ist okay.
Quelle: Revierstort.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."