03-28-2026, 09:17 AM
Beim 0:4-Testspiel gegen Rot-Weiss Essen brachen beim VfL Bochum alle Dämme. Trainer Uwe Rösler war bedient. Welche Konsequenzen hat das Debakel?
Uwe Rösler wurde im Verlauf der zweiten Halbzeit immer leiser. Er dirigierte sein Team von der Seitenlinie am Trainingsplatz des VfL Bochum weniger lautstark als sonst in der 2. Liga, als noch in der ersten Halbzeit beim Testspiel gegen Rot-Weiss Essen am Freitagmittag. Hier und da schallte ein lauter Fluch wie „Eye, Junge“ über die Anlage. Ansonsten fraß der Trainer des Zweitligisten seinen Frust eher in sich rein.
Kaum hatte der Schiedsrichter die Partie abgepfiffen, dieses 0:4-Debakel des Tabellenzehnten der 2. Liga gegen den Tabellenzweiten der 3. Liga, stapfte Rösler sichtlich angefressen Richtung Kabine. So, als wollte er erstmal lieber keinen sehen. Ein paar Meter weiter stellte sich der 57-Jährige aber den Fragen der Medienvertreter, die das 0:4 verfolgen durften im Gegensatz zu Fans, die ja aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen waren. Seine Laune: im Keller.
RWE nimmt Testspiel ernst, Bochum spielt lustlos
Ganz anders als bei Uwe Koschinat, dem RWE-Trainer, der minutenlang darüber referierte, wieviel Positives er aus dem Sieg mitnimmt für das Derby im Aufstiegskampf gegen den MSV Duisburg am Karsamstag. Und der in einem eher beiläufigen Satz auf den Punkt brachte, was die Teams voneinander unterschied: „Wir haben gezeigt, dass wir auch ein Testspiel ernst nehmen“, sagte Koschinat.
Ganz anders als der VfL, vor allem nach der Pause. „Milde gesagt, war die zweite Halbzeit bodenlos“, sagte Rösler und rang immer wieder um Fassung. Zu viel, vor allem individuell, wollte er aus dem tiefen Frust heraus lieber nicht sagen. Allgemein aber wurde er deutlich: Acht Spieler, die zum Stamm oder erweiterten Stamm in der 2. Liga zählen, sollten es nach dem 0:1 zur Halbzeit richten.
Stammkräfte des VfL Bochum enttäuschen auf ganzer Linie
Das Gegenteil trat ein. „Die Tore waren peinlich. Aber noch schlimmer ist, wie wir uns dann auch ergeben haben. Das ist das erste Mal, dass sich meine Mannschaft hier ergeben hat. Das ist kritisch in der jetzigen Lage, dass einige Spieler das nicht verstehen“, erklärte der VfL-Trainer. Auch das 2:3 gegen Kiel hallt ja noch nach. Am Karsamstag spielt der VfL beim Vorletzten Magdeburg. Bei einer Niederlage rückt der Abstieg wieder ganz nah, hätte der FCM etwa nur noch drei Punkte Rückstand, Kiel vielleicht nur noch zwei.
Sicher: Essen war ein Testspiel, neun Nationalspieler fehlten, dazu Mats Pannewig (Belastungssteuerung nach Knieproblemen) und Kevin Vogt (krank). Torwart Timo Horn wurde geschont. Rösler setzte im ersten Durchgang auf nur zwei Profis, die zuletzt beim 2:3 gegen Kiel in der Startelf standen, Oliver Olsen und Erhan Masovic. Hinzu kamen unter anderem vier Spieler der U21, die ihre Sache auch ordentlich machten.
Start noch ordentlich, Aurel Wagbe zeigt gute Ansätze
Zudem gab Stürmer Ibrahim Sissoko sein Comeback nach monatelanger Verletzungspause. Er war bemüht, seine Abschlüsse aber schwach, sein Durchsetzungsvermögen ausbaufähig. Die Jungen wie Aurel Wagbe, der Außenangreifer des Regionalliga-Teams, das am Mittwoch noch in Bonn (2:2) gespielt hatte, zeigten gute Ansätze, wie Rösler lobte. „Aurel war am Anfang sehr aktiv, hat auch etwas bewirkt, das hat mir gefallen. Er hat dann auch körperlich abgebaut, aber alles probiert. Solch einen Spieler nehme ich in Schutz.“
Andere nicht. Nach ordentlichen 15 Minuten übernahm der auch weitgehend mit einem B-Team, allerdings ohne Nachwuchskräfte ins Spiel gegangene Nachbar aus Essen die Kontrolle. RWE war robuster, wacher, schneller, williger, strukturierter. Nach einer Ecke erzielte Kapitän Michael Schultz das verdiente 1:0.
Rakneberg angeschlagen, Abwehr torkelt
Rösler fand die erste Halbzeit „nicht gut, aber okay“ angesichts der bunt zusammengestellten Mannschaft, die nach rund 30 Minuten auf Mikkel Rakneberg verzichten musste, der mit offenbar nicht allzu gravierenden Oberschenkelproblemen ausgewechselt werden musste.
Rösler wollte gewinnen. Zeichen sehen. Und brachte daher, anders als geplant, bis auf Torwart Horn den verfügbaren Zweitliga-Stamm bereits direkt nach der Pause. Die Viererkette: eine Zweitliga-Formation mit Philipp Strompf und Noah Loosli innen. Der Angriff: eine Zweitliga-Variante mit Koji Miyoshi, Philipp Hofmann, Moritz Kwarteng. Einzig im Zentrum, in das dann Masovic rückte neben Niklas Jahn, fehlten alle Arrivierten wie die Nationalspieler Lenz, Bero, Onyeka sowie Pannewig.
Strompf bekommt kein Bein auf den Boden
Unterm Strich standen acht Profis auf dem Feld, die auch in Magdeburg spielen könnten. Sie zeigten keine Aggressivität, kein Feuer. Und die größte Baustelle bleibt die Innenverteidigung. Viel zu einfach durfte RWE treffen. An Torwart Niclas Thiede, der noch drei, vier Schüsse parierte, lag es nicht. Philipp Strompf bekam gar kein Bein auf den Boden, auch Noah Loosli und Erhan Masovic waren den Drittliga-Profis wie Marvin Obuz, wie Ramien Safi in punkto Tempo, Durchsetzungskraft, Zielstrebigkeit, Bereitschaft komplett unterlegen.
Bezeichnend das 0:2, als Safi durch Strompf und Loosli hindurch marschieren durfte. „Wir bekommen die Tore wie gegen Kiel, ein langer Ball reicht. Wir konnten läuferisch nicht mithalten gegen einen Drittligisten“, haderte Rösler. Beim 0:3 und 0:4 fühlte sich niemand angesprochen, mal zu attackieren vor den Abschlüssen von Reisig und Brumme an der Strafraumkante. Und auf der anderen Seite verpufften die wenigen Möglichkeiten kläglich.
Rösler mahnt Mentalität an: Abstiegskampf „einigen nicht bewusst“
„Ich habe Mentalität gefordert, die Basics angesprochen. Wir haben das Gegenteil bekommen“, sagte Rösler. „Wir sind jedes Mal in Konter gelaufen. Wie wir verteidigt haben, das ist kritisch im Hinbilck auf die nächsten Aufgaben. Ich weiß nicht, ob der Mannschaft das bewusst ist, was das für eine Wirkung nach außen hat und für sich selbst.“ Viele Spieler seien letzte Saison abgestiegen. Man habe sich herausgearbeitet, aber manche hätten das positive Momentum „zu einfach hergegeben“. Rösler mahnend vor dem wichtigen Abstiegskracher in Magdeburg: „Jetzt kommen wir wieder in den Strudel rein. Ich glaube, dass sich einige Spieler dieser Sache nicht komplett bewusst sind.“
Dennoch bleibt es bei drei trainingsfreien Tagen, am Dienstag geht es weiter. Nach acht Gegentoren aus den letzten vier Ligaspielen und nun vier im Test gegen RWE ist guter Rat teuer. „Wir haben jetzt genug diskutiert. Wir haben letzte Woche Einzelgespräche geführt, über das Kettenverhalten, Konterabsicherung“, meinte Rösler. Das Resultat war verheerend. Rösler: „Es muss auf dem Platz gearbeitet werden. Die, die es machen, die spielen. Die es nicht machen, spielen nicht.“
Quelle: WAZ.de
Uwe Rösler wurde im Verlauf der zweiten Halbzeit immer leiser. Er dirigierte sein Team von der Seitenlinie am Trainingsplatz des VfL Bochum weniger lautstark als sonst in der 2. Liga, als noch in der ersten Halbzeit beim Testspiel gegen Rot-Weiss Essen am Freitagmittag. Hier und da schallte ein lauter Fluch wie „Eye, Junge“ über die Anlage. Ansonsten fraß der Trainer des Zweitligisten seinen Frust eher in sich rein.
Kaum hatte der Schiedsrichter die Partie abgepfiffen, dieses 0:4-Debakel des Tabellenzehnten der 2. Liga gegen den Tabellenzweiten der 3. Liga, stapfte Rösler sichtlich angefressen Richtung Kabine. So, als wollte er erstmal lieber keinen sehen. Ein paar Meter weiter stellte sich der 57-Jährige aber den Fragen der Medienvertreter, die das 0:4 verfolgen durften im Gegensatz zu Fans, die ja aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen waren. Seine Laune: im Keller.
RWE nimmt Testspiel ernst, Bochum spielt lustlos
Ganz anders als bei Uwe Koschinat, dem RWE-Trainer, der minutenlang darüber referierte, wieviel Positives er aus dem Sieg mitnimmt für das Derby im Aufstiegskampf gegen den MSV Duisburg am Karsamstag. Und der in einem eher beiläufigen Satz auf den Punkt brachte, was die Teams voneinander unterschied: „Wir haben gezeigt, dass wir auch ein Testspiel ernst nehmen“, sagte Koschinat.
Ganz anders als der VfL, vor allem nach der Pause. „Milde gesagt, war die zweite Halbzeit bodenlos“, sagte Rösler und rang immer wieder um Fassung. Zu viel, vor allem individuell, wollte er aus dem tiefen Frust heraus lieber nicht sagen. Allgemein aber wurde er deutlich: Acht Spieler, die zum Stamm oder erweiterten Stamm in der 2. Liga zählen, sollten es nach dem 0:1 zur Halbzeit richten.
Stammkräfte des VfL Bochum enttäuschen auf ganzer Linie
Das Gegenteil trat ein. „Die Tore waren peinlich. Aber noch schlimmer ist, wie wir uns dann auch ergeben haben. Das ist das erste Mal, dass sich meine Mannschaft hier ergeben hat. Das ist kritisch in der jetzigen Lage, dass einige Spieler das nicht verstehen“, erklärte der VfL-Trainer. Auch das 2:3 gegen Kiel hallt ja noch nach. Am Karsamstag spielt der VfL beim Vorletzten Magdeburg. Bei einer Niederlage rückt der Abstieg wieder ganz nah, hätte der FCM etwa nur noch drei Punkte Rückstand, Kiel vielleicht nur noch zwei.
Sicher: Essen war ein Testspiel, neun Nationalspieler fehlten, dazu Mats Pannewig (Belastungssteuerung nach Knieproblemen) und Kevin Vogt (krank). Torwart Timo Horn wurde geschont. Rösler setzte im ersten Durchgang auf nur zwei Profis, die zuletzt beim 2:3 gegen Kiel in der Startelf standen, Oliver Olsen und Erhan Masovic. Hinzu kamen unter anderem vier Spieler der U21, die ihre Sache auch ordentlich machten.
Start noch ordentlich, Aurel Wagbe zeigt gute Ansätze
Zudem gab Stürmer Ibrahim Sissoko sein Comeback nach monatelanger Verletzungspause. Er war bemüht, seine Abschlüsse aber schwach, sein Durchsetzungsvermögen ausbaufähig. Die Jungen wie Aurel Wagbe, der Außenangreifer des Regionalliga-Teams, das am Mittwoch noch in Bonn (2:2) gespielt hatte, zeigten gute Ansätze, wie Rösler lobte. „Aurel war am Anfang sehr aktiv, hat auch etwas bewirkt, das hat mir gefallen. Er hat dann auch körperlich abgebaut, aber alles probiert. Solch einen Spieler nehme ich in Schutz.“
Andere nicht. Nach ordentlichen 15 Minuten übernahm der auch weitgehend mit einem B-Team, allerdings ohne Nachwuchskräfte ins Spiel gegangene Nachbar aus Essen die Kontrolle. RWE war robuster, wacher, schneller, williger, strukturierter. Nach einer Ecke erzielte Kapitän Michael Schultz das verdiente 1:0.
Rakneberg angeschlagen, Abwehr torkelt
Rösler fand die erste Halbzeit „nicht gut, aber okay“ angesichts der bunt zusammengestellten Mannschaft, die nach rund 30 Minuten auf Mikkel Rakneberg verzichten musste, der mit offenbar nicht allzu gravierenden Oberschenkelproblemen ausgewechselt werden musste.
Rösler wollte gewinnen. Zeichen sehen. Und brachte daher, anders als geplant, bis auf Torwart Horn den verfügbaren Zweitliga-Stamm bereits direkt nach der Pause. Die Viererkette: eine Zweitliga-Formation mit Philipp Strompf und Noah Loosli innen. Der Angriff: eine Zweitliga-Variante mit Koji Miyoshi, Philipp Hofmann, Moritz Kwarteng. Einzig im Zentrum, in das dann Masovic rückte neben Niklas Jahn, fehlten alle Arrivierten wie die Nationalspieler Lenz, Bero, Onyeka sowie Pannewig.
Strompf bekommt kein Bein auf den Boden
Unterm Strich standen acht Profis auf dem Feld, die auch in Magdeburg spielen könnten. Sie zeigten keine Aggressivität, kein Feuer. Und die größte Baustelle bleibt die Innenverteidigung. Viel zu einfach durfte RWE treffen. An Torwart Niclas Thiede, der noch drei, vier Schüsse parierte, lag es nicht. Philipp Strompf bekam gar kein Bein auf den Boden, auch Noah Loosli und Erhan Masovic waren den Drittliga-Profis wie Marvin Obuz, wie Ramien Safi in punkto Tempo, Durchsetzungskraft, Zielstrebigkeit, Bereitschaft komplett unterlegen.
Bezeichnend das 0:2, als Safi durch Strompf und Loosli hindurch marschieren durfte. „Wir bekommen die Tore wie gegen Kiel, ein langer Ball reicht. Wir konnten läuferisch nicht mithalten gegen einen Drittligisten“, haderte Rösler. Beim 0:3 und 0:4 fühlte sich niemand angesprochen, mal zu attackieren vor den Abschlüssen von Reisig und Brumme an der Strafraumkante. Und auf der anderen Seite verpufften die wenigen Möglichkeiten kläglich.
Rösler mahnt Mentalität an: Abstiegskampf „einigen nicht bewusst“
„Ich habe Mentalität gefordert, die Basics angesprochen. Wir haben das Gegenteil bekommen“, sagte Rösler. „Wir sind jedes Mal in Konter gelaufen. Wie wir verteidigt haben, das ist kritisch im Hinbilck auf die nächsten Aufgaben. Ich weiß nicht, ob der Mannschaft das bewusst ist, was das für eine Wirkung nach außen hat und für sich selbst.“ Viele Spieler seien letzte Saison abgestiegen. Man habe sich herausgearbeitet, aber manche hätten das positive Momentum „zu einfach hergegeben“. Rösler mahnend vor dem wichtigen Abstiegskracher in Magdeburg: „Jetzt kommen wir wieder in den Strudel rein. Ich glaube, dass sich einige Spieler dieser Sache nicht komplett bewusst sind.“
Dennoch bleibt es bei drei trainingsfreien Tagen, am Dienstag geht es weiter. Nach acht Gegentoren aus den letzten vier Ligaspielen und nun vier im Test gegen RWE ist guter Rat teuer. „Wir haben jetzt genug diskutiert. Wir haben letzte Woche Einzelgespräche geführt, über das Kettenverhalten, Konterabsicherung“, meinte Rösler. Das Resultat war verheerend. Rösler: „Es muss auf dem Platz gearbeitet werden. Die, die es machen, die spielen. Die es nicht machen, spielen nicht.“
Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."