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Kevin Vogt über Uwe Rösler: „Wir sind noch in der Kennenlern-Phase“
#1
Kevin Vogt war lange verletzt. Im Interview spricht er über sein Ego, Fitness, Viererkette und wie er mit einem Bankplatz beim VfL Bochum umgehen würde. 

Kevin Vogt galt als Königstransfer im Sommer, der Verteidiger ist mit rund 450 Pflichtspielen in der Bundesliga (353), 2. Liga und im DFB-Pokal der mit Abstand erfahrenste Mann beim VfL Bochum. Der 34-Jährige kehrte mit großen Erwartungen ablösefrei von Union Berlin zu seinem Jugendverein zurück, bei dem er auch seine ersten drei Profijahre absolvierte. 

Doch nach dem Fehlstart in der 2. Liga zwang ihn ab Ende September eine Verletzung am Knie samt kleiner Operation zur zweimonatigen Zwangspause. Seit Dezember trainiert Vogt wieder mit, kämpft sich im Trainingslager im türkischen Belek heran, bildete bei den Spielformen stets mit Philipp Strompf ein Verteidiger-Duo.

Vogt scherzt über Spitznamen und spricht offen über seine Rolle

Nach der Einheit am Donnerstag nimmt Vogt zum Interview mit dieser Redaktion in der Hotel-Lobby Platz, als Attila Szalai vorbeikommt. Er begrüßt Vogt freudig mit „Papi“, sie klopfen sich auf die Schulter. Der 27-Jährige, der mit Vogt 2023/24 ein paar Monate gemeinsam bei der TSG Hoffenheim spielte, ist derzeit mit dem türkischen Erstligisten Kasimpasa im gleichen Hotel einquartiert. Beim VfL ruft Vogt niemand „Papi“, aber einer legt einen drauf: „Leandro Morgalla nennt mich Opi“, sagt Vogt und lacht. Danach spricht er offen über seine Verletzung und Fitness, das Verhältnis zu Uwe Rösler, Viererkette, seine Ambitionen und wie er mit einer Rolle als Bankspieler umgehen würde.

Hallo Kevin Vogt, Ihr rechter Fuß musste am Mittwoch bandagiert werden, Sie brachen das Training ab. Ist alles wieder in Ordnung?
Kevin Vogt: Es war ein kurzer Schockmoment. Ich bin bei der Landung komplett weggeknickt und dachte erst, die Bänder seien durch. Aber es war zum Glück nur geschwollen und schmerzhaft, es hat sich ein Ödem gebildet. Da nichts kaputt ist, trainiere ich normal weiter. Ich hatte das schon öfter in meiner Karriere, das könnte mich jetzt ein bis anderthalb Monate begleiten. Ich weiß, dass ich die nächsten Wochen mit Schmerzen am Fuß spielen werde, aber das ist für mich nicht so schlimm.

Sie waren nur zweimal in Ihrer Karriere länger verletzt: zu Beginn in Bochum und 14 Jahre später wieder in Bochum.
Ich bin über weite Strecken fast ohne Verletzungen durchgekommen in meiner Karriere. Leider hatte ich mir in Bochum vor der Relegation 2011 gegen Gladbach das Innenband im Knie gerissen. In Hoffenheim hatte ich mal eine ähnliche Operation am linken Knie, wie zuletzt im Oktober am rechten Knie. Damals ging es schneller. Durch das viele Wundwasser im Knie hat sich diesmal der Heilungsprozess leider verzögert.

Hält das Knie der Belastung stand?
Ich teste mich jetzt ran mit dem Knie. Ich war einige Wochen raus, das war natürlich keine einfache Situation. Aufgrund der hohen Belastung jetzt im Trainingslager habe ich es ein-, zweimal gemerkt, aber nicht gravierend. In Bochum hatte ich es noch etwas mehr gespürt, Insofern bin ich mit der Entwicklung zufrieden. Aber ich bin noch nicht da, wo ich körperlich sein möchte. Manche Dinge brauchen etwas Zeit. Es gehört Geduld dazu, da lerne ich noch dazu. 

Mussten Sie acht Wochen komplett pausieren?
Zwei, drei Wochen am Anfang konnte ich nur moderat arbeiten wegen des Wundwassers im Knie. Dann fing die Reha richtig an und es gab Tage, die gut waren oder auch schlecht, das ist ein Auf und Ab. Mein Wunsch ist es, im besten Fall keine Reha mehr in meiner Karriere durchlaufen zu müssen.

Sie haben den Start von Trainer Uwe Rösler, der Anfang Oktober kam, verletzt verpasst. Wie haben Sie die Entwicklung von außen gesehen?
Die Mannschaft hat sich unter Uwe gut gefangen, hat eine Linie durchgezogen. Die Ergebnisse sprechen für sich. Das nehme ich total positiv wahr.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Uwe Rösler?
Wir sind immer noch in der Kennenlern-Phase. Ich war in der Reha, da bist du nicht im täglichen Geschäft dabei. Wir hatten verschiedene Zeiten, da ist es völlig normal, dass man sich nicht regelmäßig austauschen kann. Unser erstes längeres Gespräch haben wir im Trainingslager geführt. Mit Uwe kann ich über viele Themen sprechen, natürlich über Fußball, aber auch darüber hinaus.

Sie kamen als Chef der Dreierkette unter Dieter Hecking, unter Rösler spielt Bochum meist in einer Viererkette. Ein Problem?
Man reduziert mich gerne auf den zentralen Spieler einer Dreierkette. Das ist normal und menschlich, vor allem in Hoffenheim habe ich diese Rolle jahrelang erfolgreich eingenommen. Aber ich habe auch viel rechts und links in der Dreierkette und auch schon in der Viererkette gespielt, auch in Hoffenheim. Wir haben phasenweise sehr variabel gespielt, es gab mal einen Dreier-, mal einen Viereraufbau, ich war mal Sechser im Spiel mit Ball, und gegen den Ball war es mitunter eine Fünferkette. Heutzutage sich auf eine Variante zu versteifen, ist ja gar nicht mehr möglich. Auch in der 2. Liga sind viele Mannschaften variabel, passen sich an – das tun wir auch.

Aber wie gesagt: Rösler setzt auf Viererkette als Basis. Er erklärte, Sie seien in der Innenverteidigung der beste Fußballer im Kader. Sinngemäß sagte er aber auch, dass Sie sich etwas umstellen müssten.
Für mich ist das keine schwierige Umstellung. Der Spielaufbau zum Beispiel ist auch aus der Viererkette heraus sehr wichtig. Mein größter Wunsch ist es, dass mein Knie gesund bleibt. Dass es mein Anspruch und mein Wunsch ist zu spielen, ist klar. Ich werde versuchen, meine Qualitäten zu zeigen und mich anzubieten. Aber ich bin jetzt auch nicht mehr 20 und muss keine Karriereleiter mehr hochklettern. Wie wir zuletzt verteidigt und gespielt haben, die Punkteausbeute, das war absolut gut.

Also gibt es keinen internen Zoff, wenn ein gesunder Kevin Vogt nur auf der Bank sitzen sollte?
Ich sehe mich ganz normal als Spieler des Kaders wie alle anderen auch. Ich will nicht anders bewertet werden, nur aufgrund meiner Vita. Ich war verletzt, und die Jungs haben einen richtig guten Job gemacht. Wenn es auch nach den nächsten ein, zwei, drei oder mehr Spielen so gut läuft in der Defensive, dann ist es doch selbstverständlich, dass ich als Führungsspieler sage: Geil, Jungs, weiter so, ich unterstütze euch, wir holen weiter Punkte! Das sieht mein heutiges Ich so, das wäre mit 23 vielleicht anders gewesen. Es geht für mich nicht um Selbstverwirklichung. Wenn ich sehe, dass sich der Verein stabilisiert, es gut läuft, dann bin ich komplett dabei, auch wenn ich nicht spiele. Der VfL Bochum ist mein Heimatverein. Meine Familie ist da, meine Freunde, alle Bochum-Fans wollen glücklich nach Hause gehen. Mir liegt am Herzen, dass der Verein Erfolg hat, dass es ihm gut geht.

Was kann der VfL in dieser Saison noch erreichen?
Da bin ich vorsichtig. Wir müssen nach unten gucken, denn der Abstand auf den Relegationsrang beträgt nur vier Punkte. In den letzten beiden Spielen war zu spüren, dass es uns gut tun wird, mal etwas durchzuatmen. Wir müssen ans Limit kommen, damit wir weiterhin erfolgreich sind. Wir müssen uns in einigen Dingen Stück für Stück verbessern, zum Beispiel im Spiel mit Ball. Deshalb trainieren wir, geben alles, um uns in der Vorbereitung zu verbessern. Die Basics, die wir unter Uwe gezeigt haben, die sind ganz wichtig. Wenn wir die Basics weiterhin abrufen und darüber hinaus ein bisschen mehr Vertrauen und Zutrauen in die eigenen Qualitäten haben, dann kann es gut werden.

Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der  VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."
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