07-21-2026, 07:22 AM
In einem ausführlichen Interview sprechen Maximilian Wittek und Timo Horn darüber, wie sie die junge Mannschaft des VfL Bochum führen wollen.
Die Ansprache, sie ist laut und deutlich. Maximilian Wittek und Timo Horn nehmen im Trainingslager in Bramberg kein Blatt vor den Mund, kommunizieren im Training deutlich an ihre Mitspieler, was sie von ihnen verlangen. Ähnlich deutlich werden sie auch im Gespräch mit dieser Redaktion. Beide formulieren klar ihre Führungsansprüche für diese junge Mannschaft und erklären, wie genau sie das transportieren wollen. In einem XXXL-Interview geben die beiden gestandenen Profis einen Einblick in das neue Teamgefüge. Sie erzählen, wie sie mit schweren Verletzungen umgehen und welche Neuzugänge sie schätzen. Zudem sprechen sie über Unterschiede zur vergangenen Vorbereitung.
Timo Horn, Maximilian Wittek, Sie sind beide erfahrene Spieler beim VfL Bochum und sollen Führungsrollen in der neuen Mannschaft übernehmen. Wie definieren Sie Führung?
Maximilian Wittek: Wir wollen mit unserer Erfahrung vorangehen – das ist auch unsere Pflicht. Wir wollen den Neuen und den Jungen bestmöglich zur Seite stehen, unterstützen, helfen. Aber auch auf dem Platz müssen wir erfahrenen Spieler vorangehen. Zuerst mit Leistung und Einsatzbereitschaft, dann aber auch kommunikativ. Wir haben es schon in der vergangenen Saison, als Uwe Rösler übernommen hatte, versucht, bestmöglich umzusetzen. Ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen. Natürlich ist es dieses Jahr durch den großen Umbruch noch wichtiger. Aber es sind nicht nur Timo und ich, sondern auch Philipp Hofmann und Gerrit Holtmann, die beide länger im Verein sind.
Ist Führung für einen Torwart eigentlich leichter oder schwerer, wenn man etwas besser den Blick von hinten auf alles hat, Timo Horn?
Timo Horn: Am Spieltag, im Stadion selbst, ist es schwierig, jeden zu erreichen. Dann hört dich maximal die Abwehrkette. Ich glaube, dass es grundsätzlich – gerade in der Vorbereitung – darum geht, sich schnell zu finden. Da müssen die, die schon länger dabei sind, vorangehen. Ich bin selbst noch gar nicht so lange da, aber ich würde schon sagen, dass ich den Verein sehr gut kennengelernt habe in den letzten zwei, drei Jahren, und dass ich den Jungs einiges an die Hand geben kann. Ich war selbst vor drei Jahren in der Situation, mich einzufinden. Ich weiß noch gut, dass sich jeder Neuzugang erst einmal zurechtfinden, die Position im Team finden muss. Es ist wichtig, dass wir dabei unterstützen.
Wie führt denn Timo Horn, Maximilian Wittek?
Wittek: Bei ihm spricht die Karriere für sich. Er hat viel Erfahrung, hat in der Bundesliga und europäisch gespielt. Im Spiel schätze ich Timo sehr. Der Torwart ist für mich immer eine wichtige Position und Timo geht immer in die Gespräche. Er gibt in jedem Training Gas. Damit ist er ein Vorbild für die gesamte Mannschaft. Wenn wir Spielformen machen, ins Torschusstraining gehen – dann zeigt er seine Unzufriedenheit in manchen Situationen deutlich. Davon können wir lernen. Er coacht von hinten heraus, unterstützt uns alle und ist dabei neben dem Platz ein super Typ, der für jeden ein offenes Ohr hat.
Und andersherum, Timo Horn?
Horn: Man merkt vor allem gerade, wie wichtig Maxi ist, nachdem er nach seiner Verletzungspause wieder mitmischt. Es ist allein von der Ansprache direkt ein Unterschied. Wir haben einige junge Spieler dabei, und da muss man auch mal den Mund aufmachen. Für mich ist es wichtig, Typen wie Maxi auf dem Feld zu haben. Er ist kommunikativ und auf der linken Seite ein wertvoller Spieler für uns, der in der kommenden Saison eine wichtige Rolle haben wird.
Wie beurteilen Sie als erfahrene Spieler die Kaderzusammensetzung nach dem XXL-Umbruch?
Wittek: Wir haben viele Spieler geholt, die bereits Erfahrung gesammelt haben, aber an einem Karrierepunkt sind, sich immer noch weiterentwickeln zu wollen und zu können. In der vergangenen Saison hatten wir viele junge Spieler und dann – inklusive mir – ein paar Spieler, bei denen beim Alter die Drei bereits vorstand. Der Mittelbau fehlte uns etwas. Ich finde gut, dass wir derzeit im Kader einen fließenden Übergang in der Altersstruktur haben, wir Bindeglieder zwischen Jung und Alt haben.
Es ist nicht der erste Umbruch, den Sie beim VfL Bochum erleben.
Horn: Ich habe in meiner Karriere – auch schon in Köln – viele Umbrüche in Mannschaften miterlebt. Es ist immer ein Vorteil, wenn man als Truppe eingespielt ist. Das kann man nicht von der Hand weisen. Es wird die große Herausforderung sein, sich als Mannschaft schnellstmöglich zu finden. Im Vergleich zur vergangenen Saison haben wir weniger Leihspieler dazu bekommen, sondern eher Jungs, die sich hier entwickeln können und das Potenzial dazu haben, Stammkräfte zu werden und vielleicht auch über mehrere Jahre im Verein zu sein. Darauf lag der Fokus: dass wir Jungs dazuholen, die sich mit der Herausforderung und dem Verein identifizieren und dementsprechend dann auch versuchen, bestmögliche Leistung zu bringen. Dadurch ergibt sich ein ganz anderes Teamgefüge, wenn die Jungs wissen, dass sie langfristige Verträge haben.
Hat man das in der vergangenen Saison irgendwann gemerkt, dass viele Spieler den Verein wieder verlassen werden?
Wittek: Wir hatten einige Jungs, die teilweise ihr erstes Profijahr hatten. Da kann man ihnen nicht übelnehmen, dass zum Ende der Saison der Kopf arbeitet und jeder sich Gedanken darüber macht, was in der nächsten Saison passiert. Hinzu kam der negative Druck: Die Jungs haben viel gespielt und waren müde. Dennoch ist es für uns jetzt wichtig zu wissen, dass die Neuen vertraglich gesehen länger als ein Jahr gebunden sind, und eine andere Identifikation mit dem Verein stattfindet. Das merkt man in den ersten vier Wochen bereits.
Hat der VfL Bochum in der kommenden Saison mehr Mentalitätsspieler?
Horn: Wenn man Enis Cokaj sieht, wie der teilweise dazwischenfegt, auf jeden Fall. Genau solche Typen braucht es. Das ist auch einfach das, wofür der Verein steht oder stehen will: für Mentalitätsspieler, für Kampf, für Willen, Einsatzbereitschaft, Ehrgeiz. Ich glaube, einige der Jungs, die wir dazu bekommen haben, verkörpern das gut. Der eine oder andere fängt zudem an, aufzublühen. Ich denke dabei zum Beispiel an Yigit Karademir, der ein Topspiel gegen Amsterdam gemacht hat. Er war vorher ein bisschen zurückhaltender, kommt aber immer mehr aus sich heraus. Zudem habe ich den Eindruck, dass Berkan Taz uns sehr guttun wird. Gerade in Heimspielen, wo wir in der vergangenen Saison oft mit dem eröffnenden Pass im letzten Drittel gescheitert sind. Es kann schon sein, dass er der Spieler ist, der uns dort weiterhilft und unsere Jungs vorn in Szene setzt. Wir haben viele Spieler dazu bekommen, die charakterlich einwandfrei sind.
Man hat den Eindruck, dass man in diesem Sommer auch deutlich mehr an der Fitness arbeitet.
Wittek: Ich war die letzten Wochen leider noch häufiger auf dem Nebenplatz oder der Tartanbahn unterwegs, aber was ich gesehen habe und inzwischen auch wieder hautnah erlebe, ist unglaublich intensiv. Wenn wir kleine Spielchen gemacht haben, gab es für die Mannschaft, die Spielpause hatte, eben keine Pause. Die hat Läufe absolviert. Das gehört aber dazu, man holt sich die Körner in der Vorbereitung. Wir haben große Umfänge trainiert, jetzt geht es um die Intensität und das Spielerische.
Hatten Sie eigentlich in der Aufbauphase Angst, Ihren Platz zu verlieren, weil Leon Sawas so sehr überzeugt?
Wittek: Das ist genau das, wofür so Vorbereitungen da sind: Spieler sollen sich zeigen, überraschen. Mich freut's für den Jungen, der für die U21 geholt wurde und der jetzt seine Chance einfach genutzt hat. Er macht das super, er marschiert ohne Ende und gibt Gas. Er ist charakterlich ein feiner Kerl. Wir müssen uns alle gegenseitig weiterbringen und helfen, dann kann man sich nie ausruhen. Egal wer. Aber ich habe tatsächlich die letzten Wochen darauf geachtet, dass ich schnell wieder auf dem Platz stehen und mit den Jungs trainieren kann (lacht).
Timo Horn, Maximilian Wittek ist für Sie eine Konstante in der Viererkette. Die Innenverteidiger-Gruppe hat sich derweil verändert. Welchen Eindruck machen die Jungs auf Sie?
Horn: Jeder startet mit ähnlichen Chancen, und die Besten werden spielen. Ich glaube, dass wir auf der Position gut aufgestellt sind und die Abgänge gut kompensieren konnten. Wir reden sehr viel miteinander, das finde ich gut. Die Innenverteidiger sind immer meine ersten Ansprechpartner – auch im Spiel. Ich muss mich blind auf sie verlassen können, wir müssen uns in dem Verbund finden. Als Torwart stelle ich mich aber immer gut auf die Spielweise der Jungs vor mir ein.
Wie viel Führung ist von Ihnen für diese Position denn nötig?
Horn: Es geht um Automatismen. Wer bewegt sich wie – das muss sich einspielen, daran muss sich jeder gewöhnen. Auch, weil Uwe von den Spielern noch mal andere Dinge fordert als der Trainer beim Ex-Verein. Dafür benötigt man das eine oder andere Testspiel. Deshalb haben wir in dieser Vorbereitung auch so viele. Wir wollen und müssen zum Saisonstart bestmöglich eingespielt sein. Ich nehme die Jungs an die Hand und spreche es auch an, wenn mir etwas nicht passt. Andersherum können Sie es genauso machen.
Beim VfL Bochum gab es in den vergangenen zwei Jahren drei schwere Verletzungen, auch Sie waren betroffen, Maximilian Wittek. Verändert sich dadurch der Blick auf das Profitum?
Wittek: Ich bin in erster Linie dankbar, dass ich bisher einfach gut durchgekommen bin. Ich habe in meiner Karriere sehr, sehr viel spielen dürfen, war selten verletzt. Das Kompartmentsyndrom war jetzt schon eine Nummer – aber Gott sei Dank ist es gut ausgegangen. Die zwei Verletzungen von Philipp Hofmann und Erhan Masovic in der vergangenen Saison zeigen aber, so hart es klingt, dass es schnell vorbei sein kann. Verletzungen gehören dazu. Das sind aber jetzt drei Verletzungen gewesen, die relativ untypisch sind für eine Karriere. In meinem Fall: Ich habe nicht viel Zeit verpasst. Verletzungen oder Ausfälle gehören leider dazu, die muss man kompensieren als Team, als Verein. Ich denke, dass wir da aber gut aufgestellt sind.
Beim VfL Bochum gab es in den vergangenen zwei Jahren drei schwere Verletzungen, auch Sie waren betroffen, Maximilian Wittek. Verändert sich dadurch der Blick auf das Profitum?
Wittek: Ich bin in erster Linie dankbar, dass ich bisher einfach gut durchgekommen bin. Ich habe in meiner Karriere sehr, sehr viel spielen dürfen, war selten verletzt. Das Kompartmentsyndrom war jetzt schon eine Nummer – aber Gott sei Dank ist es gut ausgegangen. Die zwei Verletzungen von Philipp Hofmann und Erhan Masovic in der vergangenen Saison zeigen aber, so hart es klingt, dass es schnell vorbei sein kann. Verletzungen gehören dazu. Das sind aber jetzt drei Verletzungen gewesen, die relativ untypisch sind für eine Karriere. In meinem Fall: Ich habe nicht viel Zeit verpasst. Verletzungen oder Ausfälle gehören leider dazu, die muss man kompensieren als Team, als Verein. Ich denke, dass wir da aber gut aufgestellt sind.
Horn: Das waren alles Verletzungen, die man nicht so häufig sieht. Es hat aber Gott sei Dank keine bleibenden Schäden gegeben. Ich hoffe, dass wir dieses Jahr weitestgehend davon verschont bleiben.
Noch einmal zurück zum Teamgefüge: Haben Sie bereits den Eindruck, dass eine echte Einheit zusammenwächst?
Horn: Wir haben viel trainiert und daher bislang wenig Zeit gehabt, etwas privat zu unternehmen. Ich habe aber schon den Eindruck, dass wir gut zusammenpassen. Das wird auch dadurch bedingt, dass wir hier im Trainingslager vor dem Essen losen, wer mit wem am Tisch sitzt. Das war eine Idee des Trainerteams und ich befürworte das. Man kommt schneller und besser ins Gespräch, jeder sagt mal was, erzählt von sich. Dadurch erfährt man etwas über seine Mitspieler.
Wittek: Eine halbe Stunde beim Training ist aus meiner Sicht sogar mehr wert, als würden wir Rafting oder etwas Ähnliches machen. Da tauscht man sich aus, lernt sich wirklich kennen. Man weiß besser, wie man mit wem umgehen kann.
Bleibt nur die Schlussfrage: Wird alles besser als letztes Jahr?
Horn: Das hoffen wir! (lacht)
Wittek: Es wäre schon gut, wenn uns der Start besser gelingen würde als im vergangenen Jahr. Dann wird es vermutlich auch insgesamt besser laufen.
Quelle: WAZ.de
Die Ansprache, sie ist laut und deutlich. Maximilian Wittek und Timo Horn nehmen im Trainingslager in Bramberg kein Blatt vor den Mund, kommunizieren im Training deutlich an ihre Mitspieler, was sie von ihnen verlangen. Ähnlich deutlich werden sie auch im Gespräch mit dieser Redaktion. Beide formulieren klar ihre Führungsansprüche für diese junge Mannschaft und erklären, wie genau sie das transportieren wollen. In einem XXXL-Interview geben die beiden gestandenen Profis einen Einblick in das neue Teamgefüge. Sie erzählen, wie sie mit schweren Verletzungen umgehen und welche Neuzugänge sie schätzen. Zudem sprechen sie über Unterschiede zur vergangenen Vorbereitung.
Timo Horn, Maximilian Wittek, Sie sind beide erfahrene Spieler beim VfL Bochum und sollen Führungsrollen in der neuen Mannschaft übernehmen. Wie definieren Sie Führung?
Maximilian Wittek: Wir wollen mit unserer Erfahrung vorangehen – das ist auch unsere Pflicht. Wir wollen den Neuen und den Jungen bestmöglich zur Seite stehen, unterstützen, helfen. Aber auch auf dem Platz müssen wir erfahrenen Spieler vorangehen. Zuerst mit Leistung und Einsatzbereitschaft, dann aber auch kommunikativ. Wir haben es schon in der vergangenen Saison, als Uwe Rösler übernommen hatte, versucht, bestmöglich umzusetzen. Ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen. Natürlich ist es dieses Jahr durch den großen Umbruch noch wichtiger. Aber es sind nicht nur Timo und ich, sondern auch Philipp Hofmann und Gerrit Holtmann, die beide länger im Verein sind.
Ist Führung für einen Torwart eigentlich leichter oder schwerer, wenn man etwas besser den Blick von hinten auf alles hat, Timo Horn?
Timo Horn: Am Spieltag, im Stadion selbst, ist es schwierig, jeden zu erreichen. Dann hört dich maximal die Abwehrkette. Ich glaube, dass es grundsätzlich – gerade in der Vorbereitung – darum geht, sich schnell zu finden. Da müssen die, die schon länger dabei sind, vorangehen. Ich bin selbst noch gar nicht so lange da, aber ich würde schon sagen, dass ich den Verein sehr gut kennengelernt habe in den letzten zwei, drei Jahren, und dass ich den Jungs einiges an die Hand geben kann. Ich war selbst vor drei Jahren in der Situation, mich einzufinden. Ich weiß noch gut, dass sich jeder Neuzugang erst einmal zurechtfinden, die Position im Team finden muss. Es ist wichtig, dass wir dabei unterstützen.
Wie führt denn Timo Horn, Maximilian Wittek?
Wittek: Bei ihm spricht die Karriere für sich. Er hat viel Erfahrung, hat in der Bundesliga und europäisch gespielt. Im Spiel schätze ich Timo sehr. Der Torwart ist für mich immer eine wichtige Position und Timo geht immer in die Gespräche. Er gibt in jedem Training Gas. Damit ist er ein Vorbild für die gesamte Mannschaft. Wenn wir Spielformen machen, ins Torschusstraining gehen – dann zeigt er seine Unzufriedenheit in manchen Situationen deutlich. Davon können wir lernen. Er coacht von hinten heraus, unterstützt uns alle und ist dabei neben dem Platz ein super Typ, der für jeden ein offenes Ohr hat.
Und andersherum, Timo Horn?
Horn: Man merkt vor allem gerade, wie wichtig Maxi ist, nachdem er nach seiner Verletzungspause wieder mitmischt. Es ist allein von der Ansprache direkt ein Unterschied. Wir haben einige junge Spieler dabei, und da muss man auch mal den Mund aufmachen. Für mich ist es wichtig, Typen wie Maxi auf dem Feld zu haben. Er ist kommunikativ und auf der linken Seite ein wertvoller Spieler für uns, der in der kommenden Saison eine wichtige Rolle haben wird.
Wie beurteilen Sie als erfahrene Spieler die Kaderzusammensetzung nach dem XXL-Umbruch?
Wittek: Wir haben viele Spieler geholt, die bereits Erfahrung gesammelt haben, aber an einem Karrierepunkt sind, sich immer noch weiterentwickeln zu wollen und zu können. In der vergangenen Saison hatten wir viele junge Spieler und dann – inklusive mir – ein paar Spieler, bei denen beim Alter die Drei bereits vorstand. Der Mittelbau fehlte uns etwas. Ich finde gut, dass wir derzeit im Kader einen fließenden Übergang in der Altersstruktur haben, wir Bindeglieder zwischen Jung und Alt haben.
Es ist nicht der erste Umbruch, den Sie beim VfL Bochum erleben.
Horn: Ich habe in meiner Karriere – auch schon in Köln – viele Umbrüche in Mannschaften miterlebt. Es ist immer ein Vorteil, wenn man als Truppe eingespielt ist. Das kann man nicht von der Hand weisen. Es wird die große Herausforderung sein, sich als Mannschaft schnellstmöglich zu finden. Im Vergleich zur vergangenen Saison haben wir weniger Leihspieler dazu bekommen, sondern eher Jungs, die sich hier entwickeln können und das Potenzial dazu haben, Stammkräfte zu werden und vielleicht auch über mehrere Jahre im Verein zu sein. Darauf lag der Fokus: dass wir Jungs dazuholen, die sich mit der Herausforderung und dem Verein identifizieren und dementsprechend dann auch versuchen, bestmögliche Leistung zu bringen. Dadurch ergibt sich ein ganz anderes Teamgefüge, wenn die Jungs wissen, dass sie langfristige Verträge haben.
Hat man das in der vergangenen Saison irgendwann gemerkt, dass viele Spieler den Verein wieder verlassen werden?
Wittek: Wir hatten einige Jungs, die teilweise ihr erstes Profijahr hatten. Da kann man ihnen nicht übelnehmen, dass zum Ende der Saison der Kopf arbeitet und jeder sich Gedanken darüber macht, was in der nächsten Saison passiert. Hinzu kam der negative Druck: Die Jungs haben viel gespielt und waren müde. Dennoch ist es für uns jetzt wichtig zu wissen, dass die Neuen vertraglich gesehen länger als ein Jahr gebunden sind, und eine andere Identifikation mit dem Verein stattfindet. Das merkt man in den ersten vier Wochen bereits.
Hat der VfL Bochum in der kommenden Saison mehr Mentalitätsspieler?
Horn: Wenn man Enis Cokaj sieht, wie der teilweise dazwischenfegt, auf jeden Fall. Genau solche Typen braucht es. Das ist auch einfach das, wofür der Verein steht oder stehen will: für Mentalitätsspieler, für Kampf, für Willen, Einsatzbereitschaft, Ehrgeiz. Ich glaube, einige der Jungs, die wir dazu bekommen haben, verkörpern das gut. Der eine oder andere fängt zudem an, aufzublühen. Ich denke dabei zum Beispiel an Yigit Karademir, der ein Topspiel gegen Amsterdam gemacht hat. Er war vorher ein bisschen zurückhaltender, kommt aber immer mehr aus sich heraus. Zudem habe ich den Eindruck, dass Berkan Taz uns sehr guttun wird. Gerade in Heimspielen, wo wir in der vergangenen Saison oft mit dem eröffnenden Pass im letzten Drittel gescheitert sind. Es kann schon sein, dass er der Spieler ist, der uns dort weiterhilft und unsere Jungs vorn in Szene setzt. Wir haben viele Spieler dazu bekommen, die charakterlich einwandfrei sind.
Man hat den Eindruck, dass man in diesem Sommer auch deutlich mehr an der Fitness arbeitet.
Wittek: Ich war die letzten Wochen leider noch häufiger auf dem Nebenplatz oder der Tartanbahn unterwegs, aber was ich gesehen habe und inzwischen auch wieder hautnah erlebe, ist unglaublich intensiv. Wenn wir kleine Spielchen gemacht haben, gab es für die Mannschaft, die Spielpause hatte, eben keine Pause. Die hat Läufe absolviert. Das gehört aber dazu, man holt sich die Körner in der Vorbereitung. Wir haben große Umfänge trainiert, jetzt geht es um die Intensität und das Spielerische.
Hatten Sie eigentlich in der Aufbauphase Angst, Ihren Platz zu verlieren, weil Leon Sawas so sehr überzeugt?
Wittek: Das ist genau das, wofür so Vorbereitungen da sind: Spieler sollen sich zeigen, überraschen. Mich freut's für den Jungen, der für die U21 geholt wurde und der jetzt seine Chance einfach genutzt hat. Er macht das super, er marschiert ohne Ende und gibt Gas. Er ist charakterlich ein feiner Kerl. Wir müssen uns alle gegenseitig weiterbringen und helfen, dann kann man sich nie ausruhen. Egal wer. Aber ich habe tatsächlich die letzten Wochen darauf geachtet, dass ich schnell wieder auf dem Platz stehen und mit den Jungs trainieren kann (lacht).
Timo Horn, Maximilian Wittek ist für Sie eine Konstante in der Viererkette. Die Innenverteidiger-Gruppe hat sich derweil verändert. Welchen Eindruck machen die Jungs auf Sie?
Horn: Jeder startet mit ähnlichen Chancen, und die Besten werden spielen. Ich glaube, dass wir auf der Position gut aufgestellt sind und die Abgänge gut kompensieren konnten. Wir reden sehr viel miteinander, das finde ich gut. Die Innenverteidiger sind immer meine ersten Ansprechpartner – auch im Spiel. Ich muss mich blind auf sie verlassen können, wir müssen uns in dem Verbund finden. Als Torwart stelle ich mich aber immer gut auf die Spielweise der Jungs vor mir ein.
Wie viel Führung ist von Ihnen für diese Position denn nötig?
Horn: Es geht um Automatismen. Wer bewegt sich wie – das muss sich einspielen, daran muss sich jeder gewöhnen. Auch, weil Uwe von den Spielern noch mal andere Dinge fordert als der Trainer beim Ex-Verein. Dafür benötigt man das eine oder andere Testspiel. Deshalb haben wir in dieser Vorbereitung auch so viele. Wir wollen und müssen zum Saisonstart bestmöglich eingespielt sein. Ich nehme die Jungs an die Hand und spreche es auch an, wenn mir etwas nicht passt. Andersherum können Sie es genauso machen.
Beim VfL Bochum gab es in den vergangenen zwei Jahren drei schwere Verletzungen, auch Sie waren betroffen, Maximilian Wittek. Verändert sich dadurch der Blick auf das Profitum?
Wittek: Ich bin in erster Linie dankbar, dass ich bisher einfach gut durchgekommen bin. Ich habe in meiner Karriere sehr, sehr viel spielen dürfen, war selten verletzt. Das Kompartmentsyndrom war jetzt schon eine Nummer – aber Gott sei Dank ist es gut ausgegangen. Die zwei Verletzungen von Philipp Hofmann und Erhan Masovic in der vergangenen Saison zeigen aber, so hart es klingt, dass es schnell vorbei sein kann. Verletzungen gehören dazu. Das sind aber jetzt drei Verletzungen gewesen, die relativ untypisch sind für eine Karriere. In meinem Fall: Ich habe nicht viel Zeit verpasst. Verletzungen oder Ausfälle gehören leider dazu, die muss man kompensieren als Team, als Verein. Ich denke, dass wir da aber gut aufgestellt sind.
Beim VfL Bochum gab es in den vergangenen zwei Jahren drei schwere Verletzungen, auch Sie waren betroffen, Maximilian Wittek. Verändert sich dadurch der Blick auf das Profitum?
Wittek: Ich bin in erster Linie dankbar, dass ich bisher einfach gut durchgekommen bin. Ich habe in meiner Karriere sehr, sehr viel spielen dürfen, war selten verletzt. Das Kompartmentsyndrom war jetzt schon eine Nummer – aber Gott sei Dank ist es gut ausgegangen. Die zwei Verletzungen von Philipp Hofmann und Erhan Masovic in der vergangenen Saison zeigen aber, so hart es klingt, dass es schnell vorbei sein kann. Verletzungen gehören dazu. Das sind aber jetzt drei Verletzungen gewesen, die relativ untypisch sind für eine Karriere. In meinem Fall: Ich habe nicht viel Zeit verpasst. Verletzungen oder Ausfälle gehören leider dazu, die muss man kompensieren als Team, als Verein. Ich denke, dass wir da aber gut aufgestellt sind.
Horn: Das waren alles Verletzungen, die man nicht so häufig sieht. Es hat aber Gott sei Dank keine bleibenden Schäden gegeben. Ich hoffe, dass wir dieses Jahr weitestgehend davon verschont bleiben.
Noch einmal zurück zum Teamgefüge: Haben Sie bereits den Eindruck, dass eine echte Einheit zusammenwächst?
Horn: Wir haben viel trainiert und daher bislang wenig Zeit gehabt, etwas privat zu unternehmen. Ich habe aber schon den Eindruck, dass wir gut zusammenpassen. Das wird auch dadurch bedingt, dass wir hier im Trainingslager vor dem Essen losen, wer mit wem am Tisch sitzt. Das war eine Idee des Trainerteams und ich befürworte das. Man kommt schneller und besser ins Gespräch, jeder sagt mal was, erzählt von sich. Dadurch erfährt man etwas über seine Mitspieler.
Wittek: Eine halbe Stunde beim Training ist aus meiner Sicht sogar mehr wert, als würden wir Rafting oder etwas Ähnliches machen. Da tauscht man sich aus, lernt sich wirklich kennen. Man weiß besser, wie man mit wem umgehen kann.
Bleibt nur die Schlussfrage: Wird alles besser als letztes Jahr?
Horn: Das hoffen wir! (lacht)
Wittek: Es wäre schon gut, wenn uns der Start besser gelingen würde als im vergangenen Jahr. Dann wird es vermutlich auch insgesamt besser laufen.
Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."