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Saisonfazit des Trainer
#2
Die Mission Klassenerhalt hat Uwe Rösler beim VfL Bochum frühzeitig erfolgreich abgeschlossen, in der kommenden Saison will er nun den nächsten Schritt gehen. Mit einer Weiterentwicklung seiner fußballerischen Idee soll der VfL demnächst attraktiver und wieder mehr Bochum-like spielen. Wie das genau aussehen soll, erklärte er bereits im ersten Teil unseres XXL-Interviews und sprach dabei auch über die Gestaltung des neuen Kaders

Doch nicht nur auf dem Feld soll es nach Meinung des Trainers Veränderungen geben, auch im Hintergrund bedarf es Anpassungen, erklärt Rösler im zweiten Teil unseres Interviews. Er spricht über Lehren der Saison, mögliche Transfers von Absteigern, Leihspieler Farid Alfa-Ruprecht und seinen eigenen Vertrag. 

Der VfL Bochum hat schlussendlich klar die Klasse gehalten. Ist dir die Kritik zwischenzeitlich vor dem Hintergrund zu heftig ausgefallen?
Uwe Rösler: Ja. Mein Auftrag war es, die Klasse zu halten. Nachdem ich gekommen bin, standen wir nur an meinen ersten beiden Spieltagen noch auf einem Abstiegsplatz, trotz vier Punkten aus diesen beiden Spielen. Vielleicht war es etwas trügerisch, dass wir schnell viele Punkte geholt haben, weil wir nicht immer 100 Prozent auf den Platz gebracht haben. Das hat man dann in einigen Spielen gesehen. Grundsätzlich sehe ich es so, dass meine Zeit hier durchaus positiv verlaufen ist. Ich habe aber auch mitbekommen, dass im Verein in den letzten Jahren oft viel Unruhe herrschte und sich daher schnell Unzufriedenheiten einstellen, wenn es mal nicht rundläuft. Das habe ich etwas unterschätzt. An dem Gemeinschaftsgefühl arbeiten wir weiterhin. 

Welche Lehren ziehst du für die kommende Vorbereitung?
Wir müssen uns von Anfang an pushen, damit wir einen guten Start hinlegen. Wir müssen zusammenwachsen, eine echte Einheit bilden. Ich werde ein großes Augenmerk auf ein Gemeinschaftsgefühl legen und nehme nur die Spieler hinzu, die wirklich eine Chance haben, zu spielen. Die Mannschaft muss harmonieren, kommunizieren, sich helfen. Mir wird wichtig sein, wie sie miteinander umgeht, ob die Jungs auch in ihrer Freizeit etwas miteinander machen. Dafür ist das Trainingslager wichtig. Dabei sind natürlich auch die erfahrenen Spieler gefragt, die schon viele Jahre in Bochum sind. 

Zu wie viel Prozent muss der Kader dafür schon zum Vorbereitungsstart zusammen sein?
Ich wünsche mir, dass viele Spieler schon da sein werden. Aber wir werden definitiv Kaderplätze offen haben, weil einige Spieler mit hoher Qualität erst spät auf den Markt kommen werden. Wir müssen darauf vorbereitet sein. Das wird aber maximal zwei, drei Kaderplätze betreffen. Um eine Gruppe zu bilden, müssen wir frühzeitig den Großteil der Mannschaft beisammenhaben. Wenn wir dann hintenraus noch die gewisse Extra-Qualität bekommen, wäre das fantastisch. 

Was wünschst du dir, was in der Sommerpause im Hintergrund passieren muss?
Wir werden die Saison auswerten und in der Analyse sehr tief eintauchen. Alles im Sinne des Vereins. Wir brauchen eine Einigkeit vom Talentwerk bis ganz nach oben. Es geht um Werte und Prämissen. Diese müssen wir klar definieren. Wir wollen junge Spieler entwickeln und ausbilden, da braucht es auch eine entsprechende Zusammenarbeit auf allen Ebenen. Das habe ich in Brentford und Aarhus schon umsetzen können und es hat funktioniert. Hier möchte ich, dass wir das auch schaffen. Wir haben eine tolle Nachwuchsabteilung – aber es herrscht noch Optimierungsbedarf. Vor allem in der Zusammenarbeit mit der Profiabteilung. Die erste Mannschaft ist die Lokomotive des Vereins. Dafür müssen alle im Verein arbeiten, und dafür braucht es in erster Linie Konstanz und Kommunikation.

Du sprachst davon, dass Neuzugänge möglichst eine positive Saison hinter sich haben sollen. Beim Absteiger Fortuna Düsseldorf gäbe es aber zum Beispiel interessante Spieler für den VfL. Schließt das Transfers aus?
Ohne jetzt konkret auf das Beispiel von der Fortuna eingehen zu wollen: Wir können nicht so vermessen sein und sagen, dass wir nie wieder Spieler von Absteigern holen. Man muss jeden Fall separat betrachten. Aus meiner Sicht darf aber nicht die Mehrheit der Neuzugänge mit negativen Erlebnissen zu uns stoßen.

Du hast dich kürzlich stark für einen Verbleib von Noah Loosli ausgesprochen. Farid Alfa-Ruprecht hast du in deiner Zeit stark gefördert – willst du ihn gern behalten?
Er hat unter mir sehr viel gespielt – auch gegen Widerstände. Er hat sich systematisch weiterentwickelt, das hat man am Ende der Saison gut gesehen. Er ist der schnellste Spieler der Liga, hat gelernt, was es bedeutet, Profifußball zu spielen. Er ist dynamisch und aggressiv. So stelle ich mir eine Entwicklung vor. Er ist aber ein Spieler von Bayer Leverkusen und wird da die Vorbereitung bestreiten. Möglicherweise gibt es aber noch einmal die Chance, ihn für eine Saison auszuleihen. Das wir die Zeit zeigen. Vielleicht können wir aber auch einen Spieler für diese Position verpflichten, der dann uns gehört.

Weniger Leihspieler und ein kleinerer Kader – kann man so die Bestrebungen des Vereins zusammenfassen?
Ja. Wir wollen einen kleineren Kader mit Spielern, die mehrere Positionen bespielen können. Das ist das Anforderungsprofil. 23 Spieler, drei Torhüter und dazu unsere jungen Talente – das wäre ideal. Ich will nur Jungs im Kader, die auch wirklich Chancen auf Spielzeit haben. Es bringt uns nichts, wenn wir einen größeren Kader haben und ich mehreren Spielern jede Woche sagen muss, dass sie nicht spielen werden. Darin besteht natürlich ein gewisses Risiko, aber ich schätze die Arbeit unseres Talentwerks. Da kommen viele gute Jungs hoch. Die Durchlässigkeit in die Profi-Mannschaft muss gegeben sein.

Acht Talente sollen sich in der Vorbereitung zeigen. Wem traust du den Sprung in deinen festen Kader zu?
Allen. Kacper Koscierski ist ja schon längst fest bei uns, und je nach der Entwicklung könnten auch Darnell Keumo und Alessandro Crimaldi im Stammkader eingeplant werden. Oder Lasse Isbruch zum Beispiel. Ihn habe ich aufgrund seiner Verletzung fast gar nicht gesehen. Er war aber in einem der letzten Trainings dabei und es hat mir sehr gut gefallen, was er gemacht hat. Ich habe auch viel Gutes über ihn gehört. Wir dürfen aber nicht davon ausgehen, dass eines der Talente direkt den Weg einschlägt, wie es Cajetan Lenz getan hat. So eine Entwicklung innerhalb eines Jahres habe ich in 24 Jahren als Trainer noch nicht erlebt. Unser Anspruch ist es aber, den Jungs Spielzeit zu ermöglichen, sie weiterzuentwickeln. Daran werden wir auch gemessen. Dennoch müssen wir es schaffen, den Druck von den Jungs zu nehmen. 

Wichtig für eine gute Saison ist auch das Trainerteam. Du hast Alessandro Riedle mitgebracht, Anthony Losilla und Marc André Kruska waren schon dabei, Sebastian Baumgartner hat seinen Vertrag als Torwarttrainer verlängert. Bleibt es bei diesem Team?
Ich bin sehr zufrieden mit dem Trainerteam. Nach der Freistellung von Dieter Hecking war es für alle nicht leicht, weil er ein populärer Cheftrainer war. Er hatte eine enge Bindung zu seinem Trainerteam und daher war es nicht normal, dass sie mich so gut aufgenommen haben. Hut ab, es gab keine Anlaufschwierigkeiten und wir konnten uns sofort in die Arbeit stürzen. Sie waren immer wissbegierig, offen und loyal. Das ist ein Gütezeichen des gesamten Staffs. Ich muss auch Alessandro Riedle loben, der sozial intelligent ist und sich direkt eingebracht hat. So konnte ich viel delegieren, Aufgaben abgeben. So starkes Vertrauen in mein Trainerteam hatte ich noch nie zuvor.

Heißt auch, dass der Chef – also du – seinen Vertrag bald verlängern wird?
Ich bin nicht in der Position, das zu fordern. Der Verein wird auf mich zukommen, wenn sie es für richtig erachten und mit mir weiterarbeiten wollen. Wenn mich Entscheidungsträger fragen, werde ich ihnen sagen, was ich denke und fühle. Ich fühle mich hier sehr wohl, alle leisten wirklich gute Arbeit – vom Teammanager über die Physios und Ärzte bis hin zum Athletiktrainer. Wir hatten zum Beispiel kaum Muskelverletzungen – das ist ein Gütezeichen.

Entscheidend für einen neuen Vertrag wird möglicherweise auch der Saisonstart sein, der schon fast traditionell beim VfL Bochum in die Hose geht. Warum unter dir nicht?
Eine Garantie gibt es im Fußball nicht. Wir müssen auch gucken, wie uns die Baustelle im und rund um das Ruhrstadion beeinflussen wird. Ein Trainingsplatz fällt weg, den Kraftraum wird es so nicht mehr geben. Aber wenn die Jungs nun im Urlaub Energie sammeln und wir gut in die Vorbereitung gehen, die neuen Jungs die Qualität erhöhen und alle mit der nötigen Ernsthaftigkeit dabei sind, kann das etwas werden. Ich glaube, dass wir die Jungs fitmachen können. Das Wichtigste ist der Hunger, den jeder Spieler an den Tag legen muss. Das gilt übrigens auch für jeden im Staff und bei den Verantwortlichen. Dann werden wir eine Einheit, die Erfolge haben wird. Wir müssen an uns glauben.

Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der  VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."
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Saisonfazit des Trainer - von Herr Bert - 05-24-2026, 02:27 PM
RE: Saisonfazit des Trainer - von Herr Bert - 05-25-2026, 09:35 AM

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