05-12-2026, 07:40 PM
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 05-12-2026, 08:03 PM von Herr Bert.)
Nach einem umstrittenen Polizeieinsatz beim Heimspiel des VfL Bochum erheben Fans schwere Vorwürfe – wie reagiert die Polizei auf die Kritik?
Die Kritik fällt entschieden aus. „Das Vorgehen der BFE wirkte insgesamt unkoordiniert, wenig durchschaubar und nicht deeskalierend“, schreibt die Fanhilfe Bochum in einem am späten Sonntagabend veröffentlichten Statement. „Nach unserer Auffassung stellt insbesondere der Einsatz der BFE im Bereich des Umlaufs ein bislang beispielloses Vorgehen dar. Dass schwer ausgerüstete und vermummte Polizeikräfte in einen sensiblen und emotional aufgeladenen Bereich der Ostkurve eindringen und dort ohne erkennbare Deeskalationsstrategie agieren, ist aus unserer Sicht nicht hinnehmbar“, so die solidarische Gemeinschaft aus VfL-Fans.
Der Anlass? Ein schwelender und schlussendlich eskalierender Konflikt am Samstag zwischen der Polizei und den Bochumer Ultra-Gruppen „UB99“ und „Ruhrstadtkollektiv“ rund um den Spieltag gegen Hannover 96, über den diese Redaktion bereits während des Spiels berichtete. Im Umlauf des Ruhrstadions kam es zu unschönen Szenen, als eine behelmte Einheit der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) des Landes Nordrhein-Westfalen einen laut Polizei identifizierten Straftäter festnehmen wollte. Dabei sei es zu einer Solidarisierungsaktion der Bochumer Ultras gekommen. Nachdem sich Fans und Polizei gegenübergestanden hatten, seien nach Angaben von Polizei und Fanhilfe auch vereinzelt Plastik-Fahnenstangen geflogen.
Eskalation im Stadion hatte Vorgeschichte am Morgen
„Daraufhin öffnete der Ordnungsdienst die Tore zum Umlauf, und weitere BFE-Kräfte drangen in diesen Bereich vor. Die Einsatzkräfte stürmten die Treppe zu Block P hoch und schlugen teils wahllos in Richtung des Blocks. Dabei kam es unmittelbar zu körperlichen Eingriffen ohne vorherige Androhung. Auch unbeteiligte Personen im Umlauf waren betroffen“, schreibt die Fanhilfe. Das schilderten einige Fans auch gegenüber dieser Redaktion. Gut 20 Minuten standen sich teils vermummte VfL-Anhänger und die Polizei gegenüber. Durch die Vermittlung der Fanbeauftragten und des Fanprojekts konnte die Situation entschärft werden.
Die Fanhilfe Bochum schreibt in ihrem Statement davon, dass schon beim Einlass ein ungewohntes Bild zu sehen gewesen sei, als eine behelmte BFE-Einheit im Stadionumlauf stand. „Einem Bereich, der normalerweise nicht durch Polizeikräfte, sondern allein von (vereinseigenen) Ordnungskräften betreut wird“, heißt es. „Dieser Raum wird als zentraler sozialer Raum, identitätsstiftender Ort und geschützter Bereich der eigenen Gruppe wahrgenommen.“ Polizeipräsenz in und vor den Fankurven wird gemeinhin von Fanszenen als „inakzeptabel“ angesehen.
Der Einsatz soll stattgefunden haben, weil es bereits am Morgen in der Bochumer Innenstadt zu Ausschreitungen gekommen ist. Gegen 10.30 Uhr sind laut Polizei Anhänger von Hannover 96 und des VfL Bochum im Bereich Trankgasse/Huestraße aufeinandergetroffen. Nach der Schlägerei seien Strafanzeigen geschrieben und bereits zwei Bochumer Fans festgenommen worden, ein weiterer sollte im Stadion festgenommen werden, nachdem er dort identifiziert worden war. Daraufhin eskalierte die Situation kurzzeitig.
Scharfe Kritik der Fanhilfe an der Polizei
Die Fanhilfe kritisiert das Vorgehen der BFE-Einheit. „Das Eindringen der BFE in den sensiblen Bereich des Umlaufs ist aus unserer Sicht unverhältnismäßig“, heißt es. Zum einen lagen laut Fanhilfe offenbar bereits qualitativ hochwertige Videoaufnahmen vor, anhand derer tatverdächtige Personen hätten identifiziert und zu erforderlichen polizeilichen Maßnahmen – wie einer Vorladung oder erkennungsdienstlichen Behandlung – vorgeladen werden können. Zum anderen hätten mögliche Festnahmen in weniger sensiblen Bereichen erfolgen können, etwa in der Innenstadt oder auf dem Weg zum Stadion.
Vielmehr habe die Polizei durch ihr Vorgehen im Stadionbereich dafür gesorgt, dass auch unbeteiligte Personen zu Schaden gekommen seien. „Der Einsatz wirft grundlegende Fragen nach Verhältnismäßigkeit, Kommunikation und Einsatzstrategie der Polizei auf“, schreibt die Fanhilfe Bochum. „Wenn friedliche und unbeteiligte Stadionbesucher durch ein offenkundig überzogenes Vorgehen gefährdet oder verletzt werden, darf dies nicht relativiert oder als ‚Begleiterscheinung‘ eines Fußballspiels hingenommen werden. Gerade von der Polizei erwarten wir in solchen Situationen ein besonnenes, kontrolliertes und deeskalierendes Handeln.“
Darum hat der VfL Bochum keine Handhabe
Die Polizei hingegen verwies bereits am Wochenende gegenüber dieser Redaktion auf eine Vereinbarung zwischen dem Land NRW und den Bundesliga-Vereinen, wonach strafrechtlich relevante Maßnahmen auch im Stadionbereich durchgeführt werden dürfen. Der VfL Bochum habe trotz Hausrecht keine Handhabe, um gegen das Vorgehen der Polizei ein Veto einzulegen, heißt es daher. Auf erneute Nachfrage wollte sich die Polizei nicht zu Einsatztaktiken sowie ‑abläufen äußern. „Grundsätzlich ist aber zu sagen, dass wir als Polizei – sofern dies erforderlich ist – auch im Stadionumlauf präsent sind. Wir werden dort keine rechtsfreien Räume zulassen“, teilte ein Sprecher mit.
Auch nach dem Spiel, bei dem es schlussendlich ruhig blieb, eskalierte die Situation erneut. Die Ultras seien von der Polizei eng begleitet worden, bevor es nach „bereits 50 Metern Fußweg zu einem erneuten Anlauf der BFE in die insgesamt friedliche Menge“ gekommen sei, schreibt die Fanhilfe Bochum. Zwei Personen seien dabei verletzt worden, einer soll sogar ein Knochenbruch zugefügt worden sein. Zwei weitere Personen wurden festgenommen. Einer davon sei durch einen Polizisten „anlasslos mit der Faust ins Gesicht geschlagen“ worden, bevor er mit dem „Vorwurf des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte“ festgenommen worden sei. Die Polizei verwies darauf, zu laufenden Strafverfahren und Inhalten von Strafanzeigen keine Stellung beziehen zu können.
Griff die Polizei Fans an?
Die Polizei verweist zudem auf Angriffe auf Polizisten, nachdem ein Tatverdächtiger aus der Angelegenheit am Vormittag festgenommen werden sollte. Daraufhin sei es nach dem Spiel zu dem besagten Einsatz gekommen. Auch sollen Fans versucht haben, gewaltsam eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen. Im Nachgang der erneuten Maßnahme seien zudem 80 Platzverweise für die Bochumer Innenstadt ausgesprochen worden. „In Richtung der Fans wurde ein etwaiges Aufenthaltsverbot seitens der Polizei jedoch zu keinem Zeitpunkt ordnungsgemäß eröffnet“, heißt es indes von der Fanhilfe. Vielmehr sei dies nur gegenüber dem Fanprojekt kommuniziert worden.
Die Fanhilfe, die sich als Anlaufstelle für alle, die im Kontext des Fußballs in rechtliche Schwierigkeiten geraten, versteht, fordert eine „sachliche, objektive und lösungsorientierte Aufarbeitung der Ereignisse unter Einbeziehung aller Perspektiven – und nicht allein auf Grundlage polizeilicher Darstellungen“. Eine Wiederholung dieser Eskalation dürfe nicht stattfinden. „Sollten wir im Rahmen einer Nachbetrachtung etwaiges Verbesserungspotenzial erkennen, wird dies aber grundsätzlich in zukünftige Einsatzplanungen einfließen“, teilte ein Polizeisprecher mit.
Quelle: WAZ.de
Die Kritik fällt entschieden aus. „Das Vorgehen der BFE wirkte insgesamt unkoordiniert, wenig durchschaubar und nicht deeskalierend“, schreibt die Fanhilfe Bochum in einem am späten Sonntagabend veröffentlichten Statement. „Nach unserer Auffassung stellt insbesondere der Einsatz der BFE im Bereich des Umlaufs ein bislang beispielloses Vorgehen dar. Dass schwer ausgerüstete und vermummte Polizeikräfte in einen sensiblen und emotional aufgeladenen Bereich der Ostkurve eindringen und dort ohne erkennbare Deeskalationsstrategie agieren, ist aus unserer Sicht nicht hinnehmbar“, so die solidarische Gemeinschaft aus VfL-Fans.
Der Anlass? Ein schwelender und schlussendlich eskalierender Konflikt am Samstag zwischen der Polizei und den Bochumer Ultra-Gruppen „UB99“ und „Ruhrstadtkollektiv“ rund um den Spieltag gegen Hannover 96, über den diese Redaktion bereits während des Spiels berichtete. Im Umlauf des Ruhrstadions kam es zu unschönen Szenen, als eine behelmte Einheit der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) des Landes Nordrhein-Westfalen einen laut Polizei identifizierten Straftäter festnehmen wollte. Dabei sei es zu einer Solidarisierungsaktion der Bochumer Ultras gekommen. Nachdem sich Fans und Polizei gegenübergestanden hatten, seien nach Angaben von Polizei und Fanhilfe auch vereinzelt Plastik-Fahnenstangen geflogen.
Eskalation im Stadion hatte Vorgeschichte am Morgen
„Daraufhin öffnete der Ordnungsdienst die Tore zum Umlauf, und weitere BFE-Kräfte drangen in diesen Bereich vor. Die Einsatzkräfte stürmten die Treppe zu Block P hoch und schlugen teils wahllos in Richtung des Blocks. Dabei kam es unmittelbar zu körperlichen Eingriffen ohne vorherige Androhung. Auch unbeteiligte Personen im Umlauf waren betroffen“, schreibt die Fanhilfe. Das schilderten einige Fans auch gegenüber dieser Redaktion. Gut 20 Minuten standen sich teils vermummte VfL-Anhänger und die Polizei gegenüber. Durch die Vermittlung der Fanbeauftragten und des Fanprojekts konnte die Situation entschärft werden.
Die Fanhilfe Bochum schreibt in ihrem Statement davon, dass schon beim Einlass ein ungewohntes Bild zu sehen gewesen sei, als eine behelmte BFE-Einheit im Stadionumlauf stand. „Einem Bereich, der normalerweise nicht durch Polizeikräfte, sondern allein von (vereinseigenen) Ordnungskräften betreut wird“, heißt es. „Dieser Raum wird als zentraler sozialer Raum, identitätsstiftender Ort und geschützter Bereich der eigenen Gruppe wahrgenommen.“ Polizeipräsenz in und vor den Fankurven wird gemeinhin von Fanszenen als „inakzeptabel“ angesehen.
Der Einsatz soll stattgefunden haben, weil es bereits am Morgen in der Bochumer Innenstadt zu Ausschreitungen gekommen ist. Gegen 10.30 Uhr sind laut Polizei Anhänger von Hannover 96 und des VfL Bochum im Bereich Trankgasse/Huestraße aufeinandergetroffen. Nach der Schlägerei seien Strafanzeigen geschrieben und bereits zwei Bochumer Fans festgenommen worden, ein weiterer sollte im Stadion festgenommen werden, nachdem er dort identifiziert worden war. Daraufhin eskalierte die Situation kurzzeitig.
Scharfe Kritik der Fanhilfe an der Polizei
Die Fanhilfe kritisiert das Vorgehen der BFE-Einheit. „Das Eindringen der BFE in den sensiblen Bereich des Umlaufs ist aus unserer Sicht unverhältnismäßig“, heißt es. Zum einen lagen laut Fanhilfe offenbar bereits qualitativ hochwertige Videoaufnahmen vor, anhand derer tatverdächtige Personen hätten identifiziert und zu erforderlichen polizeilichen Maßnahmen – wie einer Vorladung oder erkennungsdienstlichen Behandlung – vorgeladen werden können. Zum anderen hätten mögliche Festnahmen in weniger sensiblen Bereichen erfolgen können, etwa in der Innenstadt oder auf dem Weg zum Stadion.
Vielmehr habe die Polizei durch ihr Vorgehen im Stadionbereich dafür gesorgt, dass auch unbeteiligte Personen zu Schaden gekommen seien. „Der Einsatz wirft grundlegende Fragen nach Verhältnismäßigkeit, Kommunikation und Einsatzstrategie der Polizei auf“, schreibt die Fanhilfe Bochum. „Wenn friedliche und unbeteiligte Stadionbesucher durch ein offenkundig überzogenes Vorgehen gefährdet oder verletzt werden, darf dies nicht relativiert oder als ‚Begleiterscheinung‘ eines Fußballspiels hingenommen werden. Gerade von der Polizei erwarten wir in solchen Situationen ein besonnenes, kontrolliertes und deeskalierendes Handeln.“
Darum hat der VfL Bochum keine Handhabe
Die Polizei hingegen verwies bereits am Wochenende gegenüber dieser Redaktion auf eine Vereinbarung zwischen dem Land NRW und den Bundesliga-Vereinen, wonach strafrechtlich relevante Maßnahmen auch im Stadionbereich durchgeführt werden dürfen. Der VfL Bochum habe trotz Hausrecht keine Handhabe, um gegen das Vorgehen der Polizei ein Veto einzulegen, heißt es daher. Auf erneute Nachfrage wollte sich die Polizei nicht zu Einsatztaktiken sowie ‑abläufen äußern. „Grundsätzlich ist aber zu sagen, dass wir als Polizei – sofern dies erforderlich ist – auch im Stadionumlauf präsent sind. Wir werden dort keine rechtsfreien Räume zulassen“, teilte ein Sprecher mit.
Auch nach dem Spiel, bei dem es schlussendlich ruhig blieb, eskalierte die Situation erneut. Die Ultras seien von der Polizei eng begleitet worden, bevor es nach „bereits 50 Metern Fußweg zu einem erneuten Anlauf der BFE in die insgesamt friedliche Menge“ gekommen sei, schreibt die Fanhilfe Bochum. Zwei Personen seien dabei verletzt worden, einer soll sogar ein Knochenbruch zugefügt worden sein. Zwei weitere Personen wurden festgenommen. Einer davon sei durch einen Polizisten „anlasslos mit der Faust ins Gesicht geschlagen“ worden, bevor er mit dem „Vorwurf des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte“ festgenommen worden sei. Die Polizei verwies darauf, zu laufenden Strafverfahren und Inhalten von Strafanzeigen keine Stellung beziehen zu können.
Griff die Polizei Fans an?
Die Polizei verweist zudem auf Angriffe auf Polizisten, nachdem ein Tatverdächtiger aus der Angelegenheit am Vormittag festgenommen werden sollte. Daraufhin sei es nach dem Spiel zu dem besagten Einsatz gekommen. Auch sollen Fans versucht haben, gewaltsam eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen. Im Nachgang der erneuten Maßnahme seien zudem 80 Platzverweise für die Bochumer Innenstadt ausgesprochen worden. „In Richtung der Fans wurde ein etwaiges Aufenthaltsverbot seitens der Polizei jedoch zu keinem Zeitpunkt ordnungsgemäß eröffnet“, heißt es indes von der Fanhilfe. Vielmehr sei dies nur gegenüber dem Fanprojekt kommuniziert worden.
Die Fanhilfe, die sich als Anlaufstelle für alle, die im Kontext des Fußballs in rechtliche Schwierigkeiten geraten, versteht, fordert eine „sachliche, objektive und lösungsorientierte Aufarbeitung der Ereignisse unter Einbeziehung aller Perspektiven – und nicht allein auf Grundlage polizeilicher Darstellungen“. Eine Wiederholung dieser Eskalation dürfe nicht stattfinden. „Sollten wir im Rahmen einer Nachbetrachtung etwaiges Verbesserungspotenzial erkennen, wird dies aber grundsätzlich in zukünftige Einsatzplanungen einfließen“, teilte ein Polizeisprecher mit.
Quelle: WAZ.de
Tradition ist nicht die Aufbewahrung von Asche, sondern die Weitergabe des Feuers
" Der VfL kommt von der Castroper Strasse, und hier soll er auch bleiben."