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Blaupause für die kommende Saison? - Herr Bert - 05-10-2026

Nach einem 1:1 gegen Hannover 96 ziehen sie beim VfL Bochum eine erste Bilanz. Veränderungen stehen bevor, die Hoffnung auf die neue Saison machen sollen. 

Es war ein versöhnlicher Heimspiel-Abschluss, den die 26.000 Zuschauer am Samstagnachmittag im Ruhrstadion erlebten. Die Fans besangen entsprechend ihren VfL Bochum nach dem 1:1 gegen Hannover 96 und feierten den einen oder anderen Spieler, der den Verein verlassen wird. Ohne Druck machte die Mannschaft von Uwe Rösler im Hinblick auf Einsatz, Struktur und unter Berücksichtigung des Gegners eines der besten Spiele einer vor allem zu Beginn verkorksten Saison. „Für eine Mannschaft, die gerettet war, hat sie alles auf dem Platz gelassen“, sagte Rösler, nachdem er den Gästen gehörig in die Aufstiegssuppe gespuckt hatte. 

„Wir haben gut gegen den Ball gestanden, nichts zugelassen in der ersten Halbzeit“, analysierte er. „Wir hatten mehr Ballbesitz – es war der Ansatz, an dem wir uns nächstes Jahr orientieren“, so der Cheftrainer. Er wollte vor Heimpublikum andeuten, wohin die Reise in der kommenden Saison nach einem XXL-Umbruch gehen soll. Elf Spieler wurden bereits am Samstag verabschiedet, weitere dürften folgen. Der Wechsel von Cajetan Lenz zur TSG Hoffenheim ist eine beschlossene Sache, weitere Akteure wie Ibrahim Sissoko sollen den Verein verlassen. Gut möglich, dass es rund 30 Kaderbewegungen in den kommenden Wochen und Monaten geben wird. 

VfL Bochum zeigt gegen Hannover „Grundbasis“ für nächste Saison
Umso wichtiger war, dass Rösler am Samstag eine Mannschaft auf dem Feld sah, die noch einmal alles gab, sich für keinen Meter zu schade war und gegen den Aufstiegsaspiranten aus der niedersächsischen Landeshauptstadt am Ende sogar noch den Lucky Punch hätte setzen können. Gerrit Holtmann und Kevin Vogt, der seinen „perfekten Abschied“ zum Karriereende im Ruhrstadion feierte, verpassten den Siegtreffer. „Wir haben heute richtig gegen die Wand gestanden und die Mannschaft hatte die Gewinnermentalität. Das brauchen wir als Grundbasis fürs nächste Jahr“, freute sich Rösler.

Jene „Grundbasis“ war in dieser Saison zu häufig nicht zu sehen – vor allem zu Beginn der Saison, der bis zum Schluss nachwirkte. Nur drei Punkte aus acht Spielen waren eine hohe Hypothek für Rösler, als er im Oktober übernahm. Mit Ruhe und dem stetigen Glauben an seine Mannschaft schaffte er die Wende, wenngleich es sich für die Fans des Klubs nach 33 Spieltagen nicht so anfühlen mag. Der VfL Bochum war mit anderen Zielen in die Saison gestartet, die Verantwortlichen hatten einen unausgewogenen Kader zusammengestellt für ein System, das schlussendlich ad acta gelegt wurde von Rösler. 

Vogt lobt Reaktion des VfL Bochum nach Horror-Start
„Nach dem Start in die Saison kann man auch in eine Spirale kommen, aus der man nicht herauskommt“, sagte Kevin Vogt am Samstagnachmittag in den Katakomben des Ruhrstadions, an dem ab Sommer die Bagger für die Sanierungsarbeiten rollen werden. „Dass man jetzt sagen konnte, dass das Ding durch ist, zeugt davon, dass wir einen guten Spurt hingelegt haben, und die Jungs es gut gemacht haben. Der Einsatz hat gestimmt. Einige junge Spieler werden das in ihrer Karriere mitnehmen – das wissen sie nur noch nicht“, so der 34-Jährige.

Unter Rösler holte die Mannschaft trotz einer zwischenzeitlichen Schwächephase und einer schon fast verfluchten Unentschieden-Serie 38 Punkte. Mit diesem Punkteschnitt auch in den ersten acht Saisonwochen würde der VfL aktuell bei 50 Punkten stehen, hätte vielleicht sogar im Saisonverlauf ins Aufstiegsrennen eingreifen können. Stolz überwog am Samstagabend trotzdem bei Vogt. „Es war richtig Druck auf dem Kessel und viele junge Spieler haben richtig performt“, sagte er. „Uwe hat die Mannschaft sehr stabilisiert und auch heute haben wir gut Fußball gespielt. Man hat gesehen, dass der Rucksack von den Schultern gefallen ist. Das wird die Marschroute sein für die nächste Saison.“ 

VfL Bochum gegen den KSC: Voll auf Sieg
Dann wird es auch darum gehen, Woche für Woche solch eine Leistung auf das Feld zu bringen und sich nicht von Rückständen wie durch Maik Nawrocki beeindrucken zu lassen. Andere Spieler müssen dann die Rolle von Farid Alfa-Ruprecht übernehmen, der in seinem vorerst letzten Heimspiel für den VfL per Traumtor ausglich. „Wir haben in den letzten Wochen und Monaten die Konstanz vermissen lassen“, sagte Rösler.

Zufrieden stellte ihn, dass die Mannschaft immer dann die passende Reaktion zeigte, wenn es Spitz auf Knopf stand. „Immer, wenn wir gewinnen mussten, haben wir gezeigt, was mental in der Mannschaft steckt. Wir dürfen in der nächsten Saison nicht wieder in die Situation kommen. Wir müssen in jedem Spiel die Mentalität haben, uns voll zu pushen“, sagte Rösler – auch mit Blick auf das letzte Saisonspiel beim Karlsruher SC am kommenden Sonntag (15.30 Uhr, Sky). Dann soll noch Platz neun erobert werden. „Ein Spiel haben wir noch – voll auf Sieg“, gab Vogt die Marschrichtung vor. 

Quelle: WAZ.de


RE: Blaupause für die kommende Saison? - Herr Bert - 05-11-2026

Der VfL Bochum hat die Heimsaison mit einer starken Leistung beendet, Trainer Rösler verdient Respekt. Worauf es jetzt ankommt: ein Kommentar. 

Es war ein versöhnlicher, ein emotionaler Abschied, den der VfL Bochum am Samstag vor den eigenen Fans im Ruhrstadion hinlegte. Beim letzten Heimspiel der Saison trotzten die Spieler von Einpeitscher-Trainer Uwe Rösler dem Aufstiegskandidaten Hannover 96 mit leidenschaftlichem Einsatz ein verdientes 1:1 ab.

Dabei war der Klassenerhalt schon vorher perfekt, dabei werden zahlreiche Spieler den Klub verlassen. Elf Profis wurden offiziell verabschiedet, es wird weitere Abgänge geben. Sicher: Für gut bezahlte Fußballer sollte es selbstverständlich sein, immer alles zu geben. Ist es in der Realität nach einer langen Saison aber nicht, wenn es nur noch um Rang neun oder zwölf geht. 

VfL Bochum muss Mentalität auch auswärts zeigen
Sich vernünftig von den eigenen Fans, die in dieser schwierigen und insgesamt enttäuschenden Saison vorbildlich immer hinter ihrer Mannschaft standen, zu verabschieden, war wichtig, auch mit Blick auf die Zukunft. Der letzte Eindruck trägt zumindest ein Stück weit durch die lange Sommerpause, weshalb der VfL auch in Karlsruhe am letzten Spieltag noch einmal alles raushauen sollte. Nicht nur, um die miserable Auswärtsbilanz zu verbessern. Sondern auch, um die richtigen Signale zu senden für eine bessere kommende Saison.

Die Mentalität, die Bochum noch einmal vor heimischem Publikum auf den Platz legte, muss der Maßstab sein, auch auswärts. Diesen Anspruch hat Trainer Uwe Rösler bereits mehrmals betont. Der 57-Jährige hat Energie, den unbedingten Siegeswillen vom ersten Tag an vorgelebt. Er hat einer verunsicherten Mannschaft, die mit drei Punkten aus acht Partien verheerend in die Saison gestartet war, Selbstvertrauen zurückgebracht, Teamspirit, eine klare Struktur. 

Die Schlüsselsiege: Wende gegen Hertha, Rettung gegen Fürth
Das 3:2 gegen Hertha BSC bei seinem Debüt war der wichtige Sieg, um die Stimmung zu drehen. Es folgte eine starke Phase mit teils auch glücklichen Erfolgen, in der Rückrunde eine spielerische Entwicklung mit zu vielen Remis, ehe es noch einmal brenzlig wurde aufgrund eklatanter Auswärtsauftritte.

Doch die Mannschaft behielt nach Nackenschlägen wie in Düsseldorf und vor allem Magdeburg in der entscheidenden Phase die Nerven. Im eigenen Stadion machte sie den Klassenerhalt klar. Der Erfolg gegen Braunschweig unter größtem Druck war existenziell wichtig, der Sieg gegen Fürth der entscheidende Schritt zum Ligaerhalt. Röslers Punkteschnitt von aktuell 1,52 hätte den VfL hochgerechnet vor dem letzten Saisonspiel auf Rang 6 geführt, mit 50 Punkten. Damit wäre Bochum, angetreten als Bundesliga-Absteiger mit dem Ziel, im oberen Drittel mitzuspielen, zumindest halbwegs im Soll gewesen. 

XXL-Kaderumbruch bei Bochum ist nötig
Rösler musste mit einem Kader arbeiten, auf den er keinen Einfluss hatte. Er hat seinen Auftrag, den Klub vor dem Absturz zu bewahren, vorzeitig erfüllt. Das hätte Anfang Oktober wohl jeder sofort unterschrieben. Eine starke Leistung, die Respekt verdient. Jetzt muss der nächste Schritt folgen. Einfach wird der nicht.

Die neuen Kaderplaner um Markus Brunnschneider, Simon Zoller und Jonas Schlevogt sind gefordert, mit Rösler eine neue Mannschaft aufzustellen, die stimmig ist. Die als Einheit den höheren Ansprüchen des VfL gerecht werden kann, die zum „Heavy-Metal-Fußball“ Röslers passt. 

Quelle: WAZ.de