Vor 50 Jahren: Der VfL erstmals im DFB-Pokalfinale

Dieses Thema im Forum "Der Verein" wurde erstellt von Herr Bert, 9. Juni 2018.

  1. Herr Bert

    Herr Bert Administrator

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    Geschichte(n), wie sie nur der Fußball schreibt. Oder „David gegen Goliath“ – und das nicht nur einmal, sondern gleich in Serie. Der VfL hat vor 50 Jahren Geschichte geschrieben, als er erstmals in seiner Vereinshistorie das Endspiel im DFB-Pokal erreichte. Als krasser Außenseiter, wohlgemerkt, denn der VfL war damals in der Regionalliga beheimatet, zu dem Zeitpunkt die zweithöchste deutsche Spielklasse. Auf dem Weg ins Finale, das in Ludwigshafen stattfand, warfen die Blau-Weißen nacheinander vier Bundesligisten aus dem Wettbewerb, darunter auch die Starensembles von Borussia Mönchengladbach und Bayern München. Erst der 1. FC Köln beendete die beeindruckende Bochumer Siegesserie.


    Festtagsstimmung im Ludwigshafener Südweststadion. 60.000 Zuschauer, ausverkauftes Haus, natürlich. Die eine Kurve Rot-Weiß, den Farben des 1. FC Köln, zu jener Zeit ein, wenn nicht sogar der Maßstab im deutschen Fußball. Auf der anderen Seite mindestens 15.000 enthusiastische Bochumer, Unterstützung in Blau und Weiß. Gleich fünf Sonderzüge fuhren von Bochum aus in den Südwesten. An Bord: 28.800 Bierdosen und 2.000 Schnitzel, von (Vereins-)Gastwirt Walter Czech organisiert. Eine ganze Stadt in Aufruhr.

    Das Spiel selbst ließ sich gut an für den VfL, ehe es in der 22. Minute galt, den ersten Rückschlag zu verdauen. Und zwar in doppelter Hinsicht, schließlich unterlief Werner Jablonski ein Eigentor, nach Flanke von Kölns Heinz Hornig. Der VfL schüttelte sich kurz und erzielte eine Viertelstunde später den Ausgleich. Jablonski, nach seinem Missgeschick besonders motiviert, tankte sich durch die Reihen des FC und zog einfach mal ab. Kölns Keeper Soskic klatschte den Ball vor die Füße des einschussbereiten Charly Böttcher, der sich nicht lange bitten ließ und zum 1:1 vollendete.

    Die Jubelchoreografie war noch nicht ganz beendet, da hatte der Erstligist schon auf 2:1 gestellt, Carl-Heinz Rühl der Torschütze. Mit dem Rückstand ging es in die Pause. Der personell angeschlagene Regionalligist (die Stammkräfte Versen und Wiesemes waren verletzt bzw. erkrankt ins Spiel gegangen) konnte im zweiten Abschnitt nichts entscheidendes mehr entgegensetzen, die Kölner erhöhten durch Treffer von Rühl und Hannes Löhr auf 4:1. Der Pott ging also nicht in den Pott, sondern an den Rhein. Nichtsdestotrotz wurde der VfL anderntags begeistert in der Stadt empfangen, die Fahrt vom Hauptbahnhof zum Rathaus zog sich über eine Stunde hin. Ausdruck großer Dankbarkeit und Respekts, auch hinsichtlich der Qualifikation fürs Finale. Denn die hatte es richtig in sich.

    Der Weg ins Finale war für den VfL lang und beschwerlich, aber auch märchenhaft. In der Qualifikation auf Verbandsebene, die 1967 stattfand, besiegten die Blau-Weißen nacheinander Wattenscheid 09 (1:0), den TSV Marl-Hüls (2:1), Marathon Remscheid (5:3 n.V.) sowie SW Essen (2:1). Der Spaß ging dann 1968, mit den Heimspielen gegen die Bundesligisten Karlsruher SC (3:2), VfB Stuttgart (2:1) sowie Borussia Mönchengladbach (2:0) und im Halbfinale gegen den Titelverteidiger Bayern München (2:1), erst so richtig los. Wir halten fest: Von den acht Partien hatte der VfL sechsmal Heimrecht – neben der David-besiegt-Goliath-Geschichte ist ein Kapitel also auch der Glücksfee gewidmet gewesen…

    Von der 68er-Mannschaft sind viele dem VfL verbunden geblieben. Kapitän Horst Christopeit war lange in Jahre in verschiedenen Führungspositionen beim VfL tätig, zuletzt (bis 2010) im Aufsichtsrat. Aber auch Gerd Wiesemes, Dieter „Köttel“ Versen, Gustav Eversberg, Dieter Moritz und Werner Jablonski blieben der Stadt (und dem Verein) treu. Zwei der Finalhelden schlugen die Trainerlaufbahn ein: Heinz Höher coachte den VfL nach dessen Aufstieg in die Bundesliga von 1972 bis 1979, Erich Schiller war Trainer der B-Junioren des VfL, die 1985 die Deutsche Meisterschaft gewannen. Das 50-jährige Jubiläum nicht mehr erleben Trainer Hermann Eppenhoff, der den VfL drei Jahre nach dem Triumphzug im DFB-Pokal auch in die Bundesliga führte. Eppenhoff starb 1992. Und auch aus der Mannschaft sind bereits drei Mitglieder verstorben: Finaltorschütze Charly Böttcher (2008), Werner Balte (2007) sowie Heinz-Jürgen Blome (2012). Legendär sind sie aber allemal.

    DFB-Pokalfinale 1967/68

    Ort: Ludwigshafen, Südweststadion
    Datum: 09.06.1988, Anstoß: 16 Uhr
    Zuschauer: 60.000 (ausverkauft)

    VfL: Christopeit – Wiesemes, Versen, Schiller, Blome, Jablonski, Böttcher, Eversberg, Höher, Jansen (68. Moritz), Balte; Trainer: Eppenhoff
    Köln: Soskic – Pott, Hemmersbach, Flohe, Weber, Thielen, Rühl, Simmet, Löhr, Overath, Hornig; Trainer: Multhaup

    Tore: 0:1 Jablonski (22., Eigentor), 1:1 Böttcher (37.), 1:2 Rühl (38.), 1:3 Rühl (58.), 1:4 Löhr (70.)
    Schiedsrichter: Karl Riegg (Augsburg)
  2. Charly Böttcher

    Charly Böttcher Fanclub-Mitglied

    Man beachte die Nr. 7:)
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  3. Charly Böttcher

    Charly Böttcher Fanclub-Mitglied

    Ich hätte überigends nichts gegen eine Wiederholung 51 Jahre später mit neuem Personal:f040:
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  4. Herr Bert

    Herr Bert Administrator

    Ich hab`damals die Spiele gegen Karlsruhe, Stuttgart, Möchengladbach und die Bayern live im Stadion erlebt. Zum Finale durfte ich nicht. Begründung: zu jung.
  5. Scheffkoch

    Scheffkoch unserVfL.de User

    ;)Sach ma lieber, zu weit.

    Die Heimspiele habe ich auch live erlebt und ich muss schon sagen: Das war es tatsächlich
    Ein Erlebnis!
  6. Charly Böttcher

    Charly Böttcher Fanclub-Mitglied

    Nein. Zu jung war ich nicht. Aber 68 beschäftigte mich anderes.
    Ich habe die Spiele nicht erlebt. Ich kenne es nur vom Hörensagen (Nr. 7)
    Zu der Zeit war ich in Ulm und schlug mich mit Gluberrern und Löwen herum.#
    Aber bei einem erneuten Finale würde ich natürlich live dabei sein.
  7. Herr Bert

    Herr Bert Administrator

    Ich war damals 14 und noch in der Schule. Somit auf das Wohl meiner Eltern angewiesen. ;zwincker;
  8. Scheffkoch

    Scheffkoch unserVfL.de User

    Junges Blut...:)

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