Vor 30 Jahren: Der VfL im DFB-Pokalfinale

Dieses Thema im Forum "Der Verein" wurde erstellt von Herr Bert, 28. Mai 2018.

  1. Herr Bert

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    Vor 30 Jahren: Der VfL im DFB-Pokalfinale

    Uwe Leifeld ist froh, dass es endlich vorbei ist. „Ständig ist man daran erinnert worden“, sagt der ehemalige Top-Stürmer des VfL, „am vorletzten Wochenende war es besonders schlimm.“ An besagtem vorletzten Wochenende stand Eintracht Frankfurt erneut im DFB-Pokalfinale, wie schon rund 30 Jahre zuvor. Am 28. Mai 1988 war der Gegner der „launischen Diva vom Main“, so der gängige Spitzname für die Frankfurter zu jener Zeit, niemand geringeres als der VfL. Zum zweiten Mal hatten die Jungs von der Castroper Straße das DFB-Pokalendspiel erreicht, kurioserweise 20 Jahre nach der ersten Teilnahme. Nun durften sie zum ersten Mal das „deutsche Wembley“, das Berliner Olympiastadion, am Finaltag erleben. Es sollte ein denkwürdiger werden, allerdings anders als angenommen. Und Uwe Leifeld spielte eine entscheidende Rolle.

    Dabei hatte es auf dem Weg nach Berlin heftig geknirscht, das Weiterkommen Runde für Runde gestaltete sich für den VfL deutlich schwieriger, als es die Papierform erahnen ließ. Über die Amateurligisten VfB Oldenburg (0:0 n.V. und 4:1), TSG Giengen (2:1 n.V.) und SW Essen (1:0) hatte man im Viertelfinale zunächst den Zweitligisten Fortuna Köln im Ruhrstadion zu Gast (4:1), ehe im Halbfinale vor nicht ausverkauftem Haus (nur 31.000 Zuschauer, damaliges Fassungsvermögen: rund 50.000 Plätze) der Titelverteidiger Hamburger SV souverän mit 2:0 in die Schranken verwiesen wurde.

    „Berlin, Berlin – wir fahren nach Berlin!“: Erst jetzt schienen die Fans aufzuwachen und machten sich am letzten Maiwochenende zu Zehntausenden auf den Weg durch die DDR in den Westen der damals geteilten Stadt. Die sportpolitische Entscheidung des DFB, das Pokalfinale nach englischem Vorbild nur noch an einem Ort, nämlich dem Olympiastadion auszutragen, war erst drei Jahre alt, doch die Maßnahme hatte sich als Volltreffer erwiesen. Ausverkauftes Haus, 76.000 Zuschauer, mindestens 25.000 davon in Blau und Weiß – Bochum begeisterte Berlin.

    Uwe Leifeld, heute als Scout beim VfL angestellt, erinnert sich: „Wir hatten unsere Saisonziel, den Nicht-Abstieg, erreicht. Nun galt es, die Stimmung bis zum Finale hochzuhalten. In Bochum wurde ein riesiger Aufwand betrieben, es wurde kräftig die Werbetrommel gerührt und Medienanfragen prasselten auf uns ein, als wir Berlin erreicht hatten. Wir waren nämlich schon drei Tage vor dem Endspiel in der Stadt, sodass wir uns auch dafür Zeit nehmen konnten. Von der Stimmung in Bochum haben wir gar nicht so viel mitbekommen. Aber als wir mit der Polizeieskorte durch Berlin zum Stadion gefahren wurden, hatten wir das Gefühl, dass die ganze Stadt da war und Berlin komplett in Blau und Weiß tauchte. Das war schon beeindruckend.“

    Von derlei Unterstützung beflügelt, spielte sich der VfL in der ersten Halbzeit in einen kleinen Rausch und drückte die favorisierten Frankfurter in deren Hälfte. Und nach 19 Minuten dann schier unbändiger Jubel, als „Eppi“ einen Traumpass von „Holzschuh-Rob“ Reekers erlief und am ehemaligen Nationaltorwart Uli Stein vorbei das 1:0 schoss. Dachten alle. Doch mitten hinein in den Jubel der entsetzte Blick zur Seitenlinie, weil der Linienrichter (so wurden die Schiedsrichterassistenten damals bezeichnet) die Fahne hob und Abseits signalisierte. Schiedsrichter Wilfried Heitmann aus dem niedersächsischen Drentwede schloss sich dessen Meinung an und gab das Tor nicht. „Ich habe das Spiel mittlerweile über hundertmal als Video gesehen. Das war nie im Leben Abseits! Viele waren der Meinung, der Pokal sei uns gestohlen worden“, kann sich Uwe Leifeld noch heute über die Szene echauffieren.

    Der Rest ist schnell und schmerzlich erzählt: Der VfL blieb am Drücker, ein Tor wollte nicht fallen, weder regulär noch irregulär. „Wir waren die bessere, die stärkere Mannschaft, haben aber unsere Chancen nicht genutzt“, betet Leifeld retrospektiv ein (nicht nur) in Bochum allzu bekanntes Mantra herunter. Die bittere Pointe neun Minuten vor Schluss: Thoma Epp legte Lajos Detari rund 20 Meter vor dem eigenen Tor und der begnadete ungarische Mittelfeldspieler der Frankfurter schlenzte den fälligen Freistoß in den Knick. Aus der Traum vom ersten Titel für den VfL Bochum, die Vitrine bleibt leer.

    Das Detari´sche Tor war doppelt bitter, blieb dem VfL zudem auch der erstmalige Einzug ins internationale Geschäft versagt. Frankfurt hatte nämlich im Halbfinale Werder Bremen aus dem Wettbewerb geworfen, ausgerechnet durch ein Tor des Ex-Bochumers Frank Schulz. Wäre Werder ins Pokalendspiel eingezogen, hätte der VfL seine Europapokalteilnahme bereist sicher gehabt, denn Bremen hatte eine Woche zuvor als Deutscher Meister die Saison beendet.

    Dass dennoch gefeiert wurde, wenn auch mit Verzögerung, verstand sich von selbst. „Natürlich waren wir niedergeschlagen“, gibt Uwe Leifeld zu, „doch schon kurz danach haben wir mit den Fans die Nacht durchgefeiert.“ Anderntags stand der Empfang am Bochumer Rathaus an. Von Trauer keine Spur: „Der komplette Rathausplatz war überfüllt mit begeisterten Menschen, die uns feierten, als hätten wir den Pott geholt. So etwas hatten wir noch nicht erlebt. Aber wir waren stolz, das Finale für diesen Verein erreicht zu haben“, blickt Leifeld zurück.

    Diese Form der Erinnerungskultur war, wie eingangs beschrieben, für unseren ehemaligen Top-Torjäger (149 Spiele, 46 Tore) am vorvergangenen Wochenende besonders lebendig. „Zum Glück hat jetzt Eintracht Frankfurt gegen die Bayern gewonnen, sodass sich zumindest das Thema somit erledigt hat“, schmunzelt Leifeld. Und wie man heute sieht: Auch ein Videobeweis, wie bereits 1988 gefordert, hätte womöglich nicht zum Wunschresultat geführt.

    DFB-Pokalfinale 1987/88
    Ort: Berlin, Olympiastadion
    Datum: 28.05.1988, Anstoß: 18 Uhr
    Zuschauer: 76.000 (ausverkauft)

    VfL: Zumdick – Woelk- Oswald, Heinemann, Kree, – Rzehaczek, Iwan, Nehl (66. Epp), Reekers, Legat, – Leifeld; Trainer: Hermann Gerland
    Frankfurt: Stein – Binz – Schlindwein, Körbel – Kostner (71. Klepper), Sievers, Schulz, Detari, Roth – Friz (71. Turowski), Smolarek; Trainer: Karl-Heinz Feldkamp

    Tor: 0:1 Detari (81.)

    Schiedsrichter:
    Heitmann (Drentwede)

    Gelbe Karten:
    Kree, Legat – Kostner, Sievers

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