Viel mehr als "nur" ein Co-Trainer!

Dieses Thema im Forum "Profis" wurde erstellt von Herr Bert, 26. April 2018.

  1. Herr Bert

    Herr Bert Administrator

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    Wenn Heiko Butscher auf dem Platz steht, dann sind Emotionen pur mit dabei. War schon zur aktiven Zeit so, hat sich seit seinem Wechsel auf die Trainerbank aber kein bisschen geändert. Das beste Beispiel sahen die VfL-Fans beim Heimsieg gegen Darmstadt, als „Butsche“ die Hauptverantwortung inne hatte und an der Seitenlinie ordentlich Meter machte. Der Start in erfolgreiche Wochen in Blau und Weiß. Mit Cheftrainer Robin Dutt bildet der Ex-Profi ein kongeniales Duo. Völlig zurecht machte Dutt schon bei seinem Amtsantritt klar, dass sein ehemaliger Spieler viel mehr sei, als „nur“ ein normaler Co-Trainer. Butscher lebt den Fußball, und genau deswegen bekommt der Sympathieträger aktuell auch regelmäßig eine Gänsehaut, wenn er an Spieltagen das Vonovia Ruhrstadion betritt.


    Hallo „Butsche“. Lockere Einstiegsfrage: Acht ungeschlagene Spiele am Stück fühlen sich wie an?
    Gut (lacht). Die Mannschaft hat sich endlich für den Aufwand, den sie schon so lange betreibt, belohnt. Erfolgserlebnisse sind immer wichtig, denn so schreitet die Entwicklung der Mannschaft noch schneller voran. Wir waren in einer schwierigen Lage, das ist uns allen nahe gegangen. Nun ist die Ruhe wieder da. Die Erfolge der letzten Wochen tun da natürlich richtig gut.

    Den Auftakt in ganz starke blau-weiße Wochen hast du hautnah miterlebt. Es war das 2:1 gegen Darmstadt, bei dem du die Hauptverantwortung hattest. Wenn du dich mal zurückerinnerst, wie war die Gefühlswelt rund um das enorm wichtige Spiel?
    Es ging ja vorher drunter und drüber, das kann man denke ich schon so sagen. Ich habe dann irgendwann das Zeichen bekommen, dass ich die Mannschaft auf das Spiel vorbereiten soll. Ich war total fokussiert, hab mir Gedanken gemacht, wie wir die Situation in eine positive Grundstimmung drehen können. Das war das Hauptaugenmerk, nicht nur die Mannschaft betreffend, sondern eigentlich den ganzen Verein. So haben wir uns auf das Spiel vorbereitet. Wie wichtig diese Partie war, wurde aber in den Tagen danach noch viel deutlicher. Eine Niederlage wäre heftig gewesen. Darmstadt hätte gleichziehen können, das wäre auch für den Start des neuen Trainers sicherlich nicht einfacher geworden.

    Die Bilder, wie du an der Seitenlinie abgegangen bist, sind definitiv hängen geblieben. Als die Info kam, dass du auch weiterhin im Trainerstab sein wirst, war die Freude in Fankreisen riesig. Wie wichtig war es dir auch persönlich, den VfL wieder in die Spur zu bringen?

    Wenn ich ehrlich bin, habe ich diese Bilder gar nicht gesehen (lacht). Es freut einen natürlich sehr, wenn die Fans das honorieren. Ich kann aber auch gar nicht mehr genau sagen, wie ich mich da unten an der Linie verhalten habe. Man ist wahnsinnig fokussiert. In den Tagen zuvor war ich eigentlich noch ganz locker, aber ab zwei Stunden vorher gehen dir dann so viele Sachen durch den Kopf. Ich wollte mich so geben, wie ich bin, Emotionen zeigen, das Spiel leben. Deshalb habe ich mich bei den Toren auch so extrem gefreut. Der Sieg war ein tolles Erlebnis. Aber um mich ging es in dieser Situation ja auch gar nicht. Der Verein war in einer misslichen Lage. Da hätte ich alles gemacht, um zu helfen, von mir aus auch den Rasen im Stadion gemäht, wenn das denn geholfen hätte. Es war wichtig, dass wir an diesem Tag den Schritt in die richtige Richtung gehen, und das ist uns gelungen.

    In den letzten zehn Spielen habt ihr satte 21 Punkte gesammelt. Mal ehrlich: damit gerechnet, dass es so gut läuft?

    Man wünscht es sich natürlich. Aber ich wusste ja aus eigener Erfahrung, wie Robin Dutt arbeitet. Für mich war es von vornherein klar, dass er mit seinen Ansichten sehr gut zum VfL passen würde. Es waren zum Glück auch noch zwölf Spiele Zeit. Man konnte noch Dinge ändern. Aber gleichzeitig kann man auch nicht damit rechnen, dass es in dieser Liga so eng zugehen würde. Von daher war die Punkteausbeute enorm wichtig. Zum Glück konnten wir schnell die Strukturen schaffen, um eine Erfolgsserie zu starten.

    Du hast Robin Dutt schon angesprochen. Das Zusammenspiel mit ihm scheint perfekt zu passen. Kein Wunder, ihr kennt euch ewig. Beschreib doch mal die Arbeit mit ihm!
    Der Austausch ist sehr intensiv. Es ist natürlich enorm wichtig, dass man dann auf einer Wellenlänge liegt. Ich wusste, dass es bei uns so ist. Das hat sich seit Robins Antritt hier bestätigt. Zum Glück, denn es war ja auch schon ein paar Jahre her, dass wir zusammengearbeitet haben. Ich habe aber vom ersten Tag an gemerkt, dass sich nichts geändert hat. Das Vertrauen ist da. Und im Fußball dreht sich sehr viel um Vertrauen. Das ist ein wichtiger Baustein, den man auch in die Mannschaft übertragen muss. Denn so etwas gibt dem Team Sicherheit.

    Stichwort Mentalität: Wie wichtig war die in den letzten Wochen in dieser verrückten 2. Bundesliga, um aus dem Tabellenkeller zu klettern?

    Mentalität ist ja gerade schon ein bisschen zum Modewort im Fußball geworden. Aber es passt nun mal auch. Es geht um Emotionen, um Einstellung, und eben auch um Mentalität. Das ist Voraussetzung, um erfolgreich zu sein. Die Spiele sind so eng. Egal ob du gegen den Tabellenletzten oder gegen einen Aufstiegskandidaten spielst. Wenn du nur ein bisschen nachlässt und ein paar Prozentpunkte fehlen, dann hast du keine Chance auf den Sieg. In den letzten Wochen hat man gesehen, dass die Mannschaft unbedingt will und mit dem Erreichten längst nicht zufrieden ist. Das ist die richtige Mentalität.

    Drei Spiele stehen noch auf dem Programm. Wie lautet die Marschroute für die Restsaison?
    Klar, es ist im Moment eine beliebte Frage: Ist man schon durch, kann noch etwas passieren? Uns geht es aber auch noch um etwas anderes. Wir im Trainerteam wollen diese Mannschaft weiter entwickeln, jeden einzelnen unserer Spieler. Und da kann man tolle Zeichen erkennen. In dieser Woche kam die Mannschaft nach dem Trainingsende zusammen und hat gefragt: Trainer, können wir nicht noch ein Abschlussspiel machen? Das habe ich lange nicht erlebt. Ich denke, dass das viel aussagt. Es ist nicht nur der Hauch von einem Spannungsabfall zu erkennen. Wir wollen diese drei Spiele gewinnen, keine Frage. Was dann am Ende dabei herauskommt, können wir eh nicht alleine beeinflussen.

    Den Auftakt gibt es am Freitag gegen Aue. Ein richtig anspruchsvoller Gegner.
    Wir haben immer gesagt, dass wir wieder vermehrt auf unser Spiel schauen wollen, ohne den Gegner irgendwie klein machen zu wollen. Aber natürlich gehen wir auch jetzt wieder mit dem größten Respekt in dieses Spiel. Aue ist eine Mannschaft, die Fußball spielen will. Das finde ich toll. Sie sind nach den letzten beiden Spielen zwar wieder etwas unten reingerutscht, aber es wird erneut ein Spiel auf Augenhöhe. Kleinigkeiten werden entscheiden, so wie schon gegen Lautern und in Fürth.

    Und welche Atmosphäre erwartest du beim letzten Flutlichtspiel anne Castroper in dieser Saison?
    Das muss ich jetzt einfach mal sagen. Was unsere Fans in den letzten Wochen geleistet haben, war schon bemerkenswert und auch außergewöhnlich. Es war viel Unruhe im Verein, die Stimmung lange verhalten. Keiner wusste so richtig, was da jetzt passiert. Aber die Bochumer haben einfach ein tolles Gespür. Wir haben gegen Lautern sicherlich nicht unser bestes Spiel gezeigt. Und dennoch hatten die Fans ein brutales Gespür für die Situation. Das hat die Mannschaft so gepusht. Ich stand mit „Sesi“ nach dem Spiel auf dem Rasen, wir haben uns im Stadion umgeschaut und waren einfach nur überwältigt. Genau diesen Zusammenhalt brauchen wir. Das war ein echtes Stadionerlebnis, genau deswegen arbeiten wir im Profifußball. Und das wollen wir natürlich auch am Freitag wieder erleben.
    Hoffi65 gefällt das.

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