Philipp Bönig Oktober 2011

Dieses Thema im Forum "unserVfL.de im Gespräch mit..." wurde erstellt von Herr Bert, 26. September 2013.

  1. Herr Bert

    Herr Bert Administrator

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    Bereits Anfang Oktober 2011 haben wir BomS und Herr Bert) ein Interview mit Philipp Bönig geführt, das wir nun hier veröffentlichen können. Zeitliche Engpässe auf unserer Seite aber auch auf Seiten des VfLs (v.a bedingt durch den Trainerwechsel) haben leider dazu geführt, dass wir diese Verzögerung bis zur heutigen Veröffentlichung in Kauf nehmen mussten. Dadurch sind auch einige Themen schon etwas überholt, was aber, wie wir finden, dem interessanten Lesestoff keinen Abbruch tut.

    Wir wünschen Euch jetzt viel Spaß beim Lesen....




    Philipp, wie geht es dir? Wann können wir wieder mit Ihnen im Kader rechnen?

    Das ist eine relativ komplizierte Verletzung, das ist das Problem dabei. Bei den meisten Verletzungen kriegt man einen Schlag und weiß, wie lange man pausieren muss. Das ist eine Entzündung, die mehrere Faktoren hat, direkt am Schambein, und da kann keiner genau sagen, wie lange es dauert, wo das genau herkommt. Jetzt trainiere ich immer wieder mit und schaue, ob es besser wird oder nicht. Ich habe es heute wieder probiert und es immer noch nicht optimal und ich muss mal schauen, das dass jetzt in der Länderspielpause besser wird und ich würde doch schon sagen, dass es danach wieder geht. Aber es kann mir keiner garantieren, dass das schnell geht oder langsam. Da gibt es wenig Aussagen dazu und ich tue alles dafür, dass das besser wird und probiere alles in der Macht stehende. Und es wurde auch ein wenig besser.

    Dein Plan ist es also, im Spiel in Dortmund dabei zu sein und dein erstes Bundesligator zu schießen?

    Ja natürlich, die Derbies sind meine Lieblingsspiele und da wäre ich schon gerne dabei. Aber ich habe dann auch lange nicht richtig mittrainiert und es ist dann immer schwierig, aufzulaufen. Aber ich würde schon gerne versuchen, bis dahin wieder im Kader zu stehen.

    Du bist ja jetzt seit 2003/04 beim VfL und hast vorher bei Duisburg gespielt. Kannst du dich noch erinnern, wie der Kontakt damals zustande kam und wieso du dem VfL zugesagt hast? Wolltest du unbedingt von Duisburg weg und haben sich unter Norbert Meier damals die Rahmenbedingungen möglicherweise so sehr verschlechtert, dass du unbedingt weg wolltest?

    Ich war zu der Zeit beim MSV Duisburg und mein Ziel war immer die erste Bundesliga. Damals kam der Kontakt über Peter Neururer zustande, der damals bei sehr vielen Heimspielen des MSV zu Besuch war und mich oft und über eine lange Zeit beobachtet hat. Da kam der erste Kontakt zustande. Von Duisburg wollte ich nicht dringend weg. Ich habe mich sehr wohlgefühlt da, hatte dort zwei fantastische Jahre, kam damals von Bayerns Amateuren und habe – glaube ich – 66 von 68 Spielen gemacht und habe mich durchgesetzt, habe da also einen ganz guten Weg gemacht. Aber mein Ziel war damals schon 1. Bundesliga und da der VfL Bochum damals 1. Bundesliga gespielt hat, und von daher gab es für mich kein langes Überlegen, da nicht hinzugehen.

    Und außer dem Bochumer Angebot gab es kein anderes Angebot?

    Es gab zwar zwei/drei Angebote, aber das waren dann auch eher lockere Gespräche, die da geführt wurden und da ich merkte, dass das Interesse von Bochum ernst gemeint war und das war auch für mich ein guter Schritt und da ich meine Karriere bislang immer Schritt für Schritt geplant habe und da war für mich auch der nächste logische Karriereschritt, von Duisburg nach Bochum zu wechseln.

    Nun kann man dich ja doch mit fast einem Jahrzehnt Erstligaerfahrung durchaus als ein „Kind der Bundesliga“ bezeichnen und als solches hat man ja schon eine gewisse Meinung von Vereinen vorher. Wie hast du den VfL vor deinem Wechsel wahrgenommen – sowohl sportlich als auch vom Umfeld als auch von den Fans?

    Das ist schon ein komisches Gefühl, wie die Zeit dahin rinnt, aber auch schon ein schönes Gefühl, wenn man so lange schon dabei ist. Das Bild z.B. von einer „grauen Maus“ hatte ich dabei eher nicht, wie es häufig verbreitet ist. Wenn man in das Ruhrgebiet kommt zum Fußballspielen, dann sieht man schon den extrem hohen Stellenwert des Fußballs mit all den Vereinen auf kleinstem Raum, also z.B. auch neben Bochum auch Oberhausen und Duisburg. Das ist das faszinierende am Ruhrgebiet und auch ziemlich einzigartig auf der ganzen Fußballwelt, und das habe ich immer positiv wahrgenommen auch mit all den Derbies.

    Lass uns bei den Fans direkt mal anknüpfen, schließlich wurden die Fans ja in der Außendarstellung vieler Außenstehender und vieler Medien als ein wichtiger und sogar als böser Faktor in der Entlassung Kollers gesehen. Wie bewertest du denn selbst die Rolle der Anhänger in der Entlassung Kollers?

    Das ist zurückblickend ein schwieriges Thema und war es auch vorher auch schon. Ich habe mich ein wenig auch informiert und auch die Außendarstellung aufgenommen und das war wirklich extrem. Die Bochumer Fans selber kamen in der Außendarstellung sehr schlecht weg und ich finde das auch nicht ganz korrekt, denn man kann nicht alle über einen Kamm scheren. Natürlich hat jeder seiner eigene Meinung und man soll die natürlich auch äußern können, aber jetzt zu sagen: Alle Bochumer Fans seien schlecht, das kann man so nicht sagen. Denn jeder Fan hat seine eigene Meinung zu dem, was da passiert im Verein, die muss man auch akzeptieren und sie auch äußern dürfen – natürlich nur in gewissem Maß – und jeder hat das Recht, das äußern zu dürfen.

    Bei Berlin hat es z.B. keinen aufgeregt, dass im Kicker ein großer Aufreißer gemacht wurde und man mit Favre abgerechnet hatte. Das war aber im Kicker und nicht in der Bildzeitung. Da regte sich auch keiner darüber auf.

    In Berlin ging es auch sehr schnell. In der letzten Saison – vor 3 oder 4 Monaten - war man noch Meisterschaftskandidat und ist jetzt Tabellenletzter. Da befindet man sich noch in einer Art Schockstarre, auch die Fans. Hier hat sich alles in den letzten zwei Jahren sehr aufgestaut und das kam in den letzten Wochen jetzt alles heraus. Aber auch hier hat die Mannschaft letztlich ihren Teil beigetragen und das lag sicher nicht nur an Marcel Koller. Wir haben da schon die größte Verantwortung zu tragen.

    Frage von Klaus: Was geht da eigentlich in einem Spieler vor, wir müssen da jetzt auch nicht explizit den VfL nehmen, sondern auch Hertha BSC Berlin als Beispiel. In der letzten Saison spielt man bis zum Schluss um die Meisterschaft mit und kassiert dann in der neuen Saison Niederlage um Niederlage.

    Das ist ziemlich schwierig. Du musst da schnell umschalten im Kopf, denn wenn du im Abstiegskampf oder im unteren Tabellendrittel stehst, ist es schon ein anderes Spiel, als wenn du mit positivem Druck um die Meisterschaft oder um die europäischen Ränge mitspielst. Wir würden ja auch viel lieber ohne Druck spielen, als wenn wir immer wieder in diese schlechte Ausgangslage bringen würden. Wir bringen uns aber immer wieder selbst in diese schlechte Ausgangslage und müssen uns dann selbst aus der Lage befreien und das ist natürlich ein ganz anderer Druck, als wenn du immer oben mitspielst. In Berlin ist es wahrscheinlich ganz anders. Die kennen eine solche Situation gar nicht und müssen damit auch erstmal umgehen. Außerdem haben sie ja in Voronin, Simunic und Pantelic drei schwer zu ersetzende Abgänge zu verkraften gehabt, die auch gar nicht so leicht zu ersetzen waren.

    Nun haben ja Unmutsäußerungen gegenüber gewissen Entscheidungsträgern und auch gegenüber Spielern beim VfL eine gewisse Tradition. Findest du, dass das Bochumer Publikum mitunter einiges viel zu kritisch beäugt? Finden die Spieler wirklich, dass es gerade bei Bochum dieses Spielerbashing in besonders starker Form gibt? Beim DSF-Fantalk wurde dies erst vor kurzem als typisches Schalker Problem betitelt, wenn man da z.B. an diese wirklich asoziale Aktion gegen Albert Streit beim Spiel der 2. denkt oder auch an die Unmutsäußerungen gegenüber Kevin Kuranyi, der bei Schalke sportlich wirklich zu überzeugen weiß.

    Ob das nun ein Schalker oder ein Bochumer Problem ist, glaube ich eher nicht. Ich habe früher mal gedacht, dass sei wirklich so, und ich habe es ja selbst auch am eigenen Leib erleben dürfen, aber wenn man sich so umhört, dann könnte man meinen, dass es eher ein bundesligaallgemeines Problem ist, was in den letzten Jahren Überhand gewonnen hat. Kein Spieler findet das schön. Für mich war das damals auch nicht angenehm und keine leichte Zeit und der Mannschaft bekommt das auch nicht gut. Wenn man selber spielt und es kommen Unmutsäußerungen gegen einen Spieler auf und Pfiffe gegen einen selbst vorkommen, ist das schon schwierig. Natürlich hat man einen gewissen Fokus, aber wenn das eine gewisse Lautstärke erreicht, dann berührt einen das auch schon. Ich habe damals auf der linken Seite gespielt und da bekommt man das schon sehr mit, weil man beim VfL näher an der Tribüne spielt. Damit muss man umgehen können, aber ich würde mittlerweile damit anders umgehen. Damals war ich noch jung und habe das sehr an mich herangelassen und habe auch lange gebraucht, um aus diesem Tal herauszukommen. Mittlerweile hat sich die Lage gedreht für mich. Aber ich würde es nicht als Bochumer Problem betrachten, wenn man zum Beispiel auch nach Frankfurt schaut oder auch bei den Bayern. Es kommt immer wieder mal vor, aber man muss die Fans bis zu einem gewissen Grad verstehen, auch wenn es nicht angenehm ist für uns Spieler.

    Hast du mit Oliver Schröder, Christoph Dabrowski oder auch mit Marcel Maltritz darüber denn geredet?

    Natürlich redet man auch mit den Mitspielern darüber und man unterstützt sich da schon im Team.

    Wie erklärst du dir den Wandel zum perfekten Vorbild des Malochers, ein Bild, was sich bei den Anhängern durchgesetzt hat und weswegen sie nun Wertschätzung erfahren?

    Man überlegt schon, wieso das so gekommen ist. Natürlich freut man sich sehr darüber, zumal man ja schon andere Zeiten mitgemacht hat. Ich möchte da kurz mal ausholen: Als ich hier herkam aus Duisburg, lief es sehr fantastisch im ersten Jahr für mich und habe direkt in der ersten Saison fast alle Spiele absolviert und war auch in der Mannschaft dabei, die den UEFA-Cup erreichte, es lief sensationell. In der zweiten Saison, speziell in der Rückserie, war ich speziell mit mir total unzufrieden, habe auch unter dem gespielt, was ich selbst spielen kann und was auch alle von mir erwartet haben und dann kamen auch die Pfiffe zu Recht gegen mich auf. Dann ging es aber auch extrem gegen meine Person und wurde mit zwei/drei anderen Mitspielern von den eigenen Fans harsch angegangen, was mir auch sehr wehtat. Ich habe es auch damals zu nahe an mich herangelassen und mich sehr stark damit beschäftigt. Vielleicht war es hilfreich – alles im Leben bringt einen weiter - und im Nachhinein hat es mich im Leben vielleicht vorangebracht, mich in meiner Persönlichkeit stärker gemacht und weiter gebracht. Von daher bin ich nicht böse und vielleicht sollte es auch so kommen und sollte auch so sein. Ich habe dann vor der Vorbereitung zur 2. Bundesliga im Urlaub auch komplett vom Fußball abgeschaltet und habe für mich einen Cut gemacht. Es wäre ein leichtes gewesen, um zu sagen: Hier läuft es nicht für mich, ich gehe woanders hin. Aber da bin ich nicht der Typ für und wollte es mir auch selbst wieder beweisen. Ich merkte dann bereits in der 2. Bundesliga, dass es wieder ein wenig besser lief, auch wenn ich nicht immer gespielt habe. Dann kam die Phase, wo es dann hieß, dass ich gehen könne und der auslaufende Vertrag nicht verlängert werden würde, wenn man keinen besseren finde, das war auch keine leichte Phase für mich. Der Vertrag wurde dann doch um ein Jahr verlängert. In der ersten Bundesliga lief es dann auch wieder positiv für mich, wir haben dann die Klasse sensationell gehalten und ich habe selbst wieder einen Vertrag erhalten, der jetzt wieder ausläuft. Letztendlich waren die letzten drei Jahre sehr positiv für mich. Was ich aber noch betonen möchte, ist, dass diese schlechte Zeit schon lange her ist und ich darauf auch nicht länger herumreiten möchte, nur erzähle ich halt auch schon davon, weil viele Fans da nachgehakt haben und es viele interessiert. Es freut mich, dass es so ist, wie es ist, so ist und es noch so lange bleiben wird.

    Wie viel bekommt man als Spieler generell von Emotionen jedweder Art oder der ganzen Atmosphäre vor Spielbeginn mit? Oder hast du da bereits oder möglicherweise schon beim Warmlaufen den Fokus auf das Spiel gerichtet mit dem sogenannten Tunnelblick und kannst dich auf dieses alleine konzentrieren?

    Das hat sich vermutlich jeder Spieler zugelegt, aber natürlich bekommt man mit, wenn die Fans jubeln, schimpfen – und das macht den Fußball auch aus und davon lebt er auch. Auch ich lebe meine Emotionen auf dem Feld aus und das will ich auch und brauche ich auch. Ich bin jetzt der dienstälteste Profi hier, habe auch sehr viel Erfahrung hier gesammelt – sowohl positiver als auch negativer Art - und will auch einiges weitergeben. Ich bin jetzt auch seit kurzem im Mannschaftsrat und versuche da auch einiges anzusprechen und mehr Verantwortung zu übernehmen.

    Nun hattest du ja im Rahmen der Diskussionen um Außendarstellung der Fans darauf hingewiesen, dass du dich da informiert hast. Wie sieht es mit Zeitungen und dem Internet aus? Nutzt man die Möglichkeiten, die sich einem bieten und liest viel vom geschriebenen nach oder versucht man diesen Punkten aus dem Weg zu gehen, um sich davon nicht beeinflussen zu lassen? Liest du beispielsweise in den gängigen Foren wie auf vfl-fanforum.de, transfermarkt.de, vfl4u.de und Westline ab und an mit oder schaust du da kurz hinein?

    Ich lese gerne in der Zeitung. Mein liebstes Mittel, um sich auszutauschen, ist das persönliche Gespräch mit den Fans und das habe ich auch mit diversen Fangruppen bereits getan. Das ist mir lieber als im Internet, wo man dann anonym ist und beschimpfen, beleidigen oder loben kann. Das ist immer sehr schwierig.

    Du hattest ja auch am Fanabend bei Klartext 1848 teilgenommen.

    Genau. Das ist mir viel lieber und da kann man sich eher Sachen an den Kopf werfen und sich austauschen als wenn ich im Internet im Forum mitdiskutiere, zumal mir eh keiner glauben würde, wenn ich unter Philipp Bönig irgendwo registriert wäre. Ich habe früher relativ viel in Internetforen mitgelesen, habe dann aber aufgehört, als es schlecht lief bei mir. Mein Vorbild war früher Paolo Maldini und der hat schon früh aufgehört, Zeitungen zu lesen. Mir ist es daher wie gesagt viel lieber, auf dem direkten Weg sich auszutauschen als über die Anonymität im Internet.

    Auch über die sportliche Situation hat natürlich gesprochen zu werden. Gab es im Vorfeld bereits Anzeichen, dass man möglicherweise nach dem Mainz-Spiel unter einem neuen Trainer bald arbeiten würde? Oder kam für dich die Trennung von Herrn Koller sehr überraschend?

    Was heißt überraschend? Wir wussten alle, dass der Saisonstart nicht berauschend war und wie die Stimmung im Umfeld ist. Das war mit Sicherheit nicht alles ganz leicht und wir wussten alle, dass das ein wichtiges Heimspiel werden würde, wie generell auch Heimspiele gegen Aufsteiger und allgemein die Heimspiele immer wichtig sind. Als wir das Spiel natürlich verloren haben – nach zweimaliger Führung – war es auch nicht mehr überraschend.

    Und wie war die Stimmung in der Mannschaft und die Reaktion im Team auf die Trennung von Herrn Koller?

    Wir wussten zum Zeitpunkt des Trainings noch nichts davon. Nach dem Spiel unmittelbar wusste man natürlich um die Stimmung unter den Fans und ich unterhielt mich auch noch 2 ½ Stunden mit den Fans nach dem Spiel.

    Wie verabschiedete sich Herr Koller von der Mannschaft?

    Aufgrund des direkt am Dienstag folgenden Pokalspiels verabschiedete sich Koller gar nicht von der Mannschaft. Ich selbst hatte mit ihm gar keinen Kontakt mehr seit seiner Entlassung.

    Nun wirkte das Team wirkte bereits im Pokal schon ein wenig befreit aufspielend und konnte in Nürnberg erstmals seit dem 3:0-Erfolg in Sinsheim in der vergangenen Saison in der Bundesliga auswärts wieder drei Punkte einfahren, auch aufgrund einer kämpferisch überzeugenden Leistung. Was genau hat sich jetzt geändert im Vergleich zur Koller-Ära? Was machen „Funny“ Heinemann und Dariusz Wosz anders, als dass jetzt offenbar die angezogene Handbremse gelöst werden konnte?

    Es ist ja oft so, wenn ein neuer Trainer kommt oder ein neues Gesicht – auch wenn „Funny“ jetzt kein neues Gesicht ist – dass jetzt eine Reaktion eintritt. Auch wenn ich mit dem Pokalspiel grundsätzlich zufrieden war mit der Leistung, hatte ich mir das Pokalspiel anders vorgestellt. Aber nach einem 0:3 wäre ich jetzt nicht zu euphorisch, zumal danach auch einige Dinge noch nicht gut liefen. Das letzte Spiel in Nürnberg war natürlich sehr positiv und wir haben absolut verdient da gewonnen. Aber in der Kürze der Zeit konnte man nur versuchen, den Kopf freizukriegen bei den Spielern, viele Gespräche führen und das ist ja schon ordentlich gelaufen. Jetzt kann man nur versuchen, gegen Wolfsburg ein ordentliches Spiel abzuliefern, auch wenn es sicherlich kein einfaches Spiel werden wird, zumal sie über eine starke Offensive verfügen, sind aber defensiv anfällig.

    Du bist ja nicht dafür verantwortlich, „Zwetschge“ Misimovic aus dem Spiel zu nehmen.

    Zum Glück nicht. „Zwetschge“ kenne ich ja noch länger als Andere. Ich habe mit ihm in der Jugend bereits zusammengespielt und er hat damals schon seine Fähigkeiten angedeutet und er ein überragender Spieler werden kann und ist einer der besten Spieler, mit denen ich zusammengespielt habe. Auch wenn er manchmal sehr schwerfällig wirkt, kann er immer zwei Spieler an sich binden und dennoch den entscheidenden Pass spielen. Er ist ein absoluter Topspieler und dem Lob vom Alex Ferguson von ManU, er sei einer der besten Mittelfeldspieler, kann man nur beipflichten.

    Mit Dariusz Wosz hast du ja noch aktiv zusammengespielt. Was für ein Gefühl war das, zu wissen, dass er jetzt auf der anderen Seite der großen Fußballbühne steht?

    Ich muss zugeben, dass es schon ein wenig ungewohnt war, als er im roten statt im blauen Trainingsanzug in die Kabine hineinkam. Er macht bei der A-Jugend eine hervorragende Arbeit, was auch viele bestätigt haben. Ich bin mit ihm selbst nach seinem Karriereende in Kontakt geblieben. Er ist ein Bochumer Junge, passt auch einfach hierher und es macht einfach viel Spaß, mit ihm zu arbeiten.

    Hat dich die Aufstellung von Luthe im Pokalspiel überrascht als du davon erfahren hast und Daniel Fernandes plötzlich auf der Tribüne landete?

    Das war für den Daniel sehr hart, ohne Frage. Auf der anderen Seite ist es ja auch klar, dass unter einem neuen Trainer auf gewissen Positionen immer gewechselt wird, um z.B. neuen Schwung hineinzubringen. Man hat sich für den Weg entschieden, muss aber auch sagen, dass Andreas Luthe eine hervorragende Vorbereitung gespielt hat, was auch ein wenig unterging. Er hat seine Sache auch hervorragend gemacht.

    Das haben ja auch Beobachter der 2. Mannschaft bestätigt, dass er einen Riesensprung gemacht hat.

    Das kann ich auch nur bestätigen. Ich kenne ihn ja auch seit längerer Zeit und habe mit ihm auch schon früher zusammentrainiert. Er hat sich super entwickelt und ich hoffe, dass er so weitermacht.

    Klaus: Ein Torwartproblem gibt es also nicht beim VfL? Für mich spielen alle drei auf einem hohen Niveau, auch wenn man Luthe noch nicht richtig bewerten kann, vor allem Heerwagen und Fernandes haben die gleichen Stärken und Schwächen.

    Ganz sicher nicht. Aber bei Andreas Luthe muss man auch abwarten, da er erst ein paar Spiele absolviert hat. Aber in den Spielen, die er gemacht hat, hat er einen ruhigen und unaufgeregten Eindruck hinterlassen und ist auf einem guten Weg. Philipp kommt aber auch bald zurück.

    Nun fiel einem interessierten Beobachter auf, dass es den „Teambuilding“-Kreis vor dem Spiel nicht mehr gäbe. Welche Gründe hat das, dass der weggefallen ist?

    Das ist schon länger nicht mehr der Fall. Ich würde das auch nicht überbewerten und dieses kleine Einschwören vor dem Spiel kann man auch mit dem Trainer- und Betreuerstab in der Kabine machen. Das sollte man auch nicht überbewerten.

    Zur Trainernachfolge, falls es denn wirklich eine unmittelbar eine geben wird: Sind innerhalb der Mannschaft gewisse „heiße“ Kandidaten vorhanden, über die man spricht als neuer Cheftrainer? Oder wird möglicherweise eine weitere Zusammenarbeit mit Heinemann und Wosz angestrebt und spricht sich auch vom Mannschaftsrat für Beide aus, wenn man vom Vorstand gefragt werden sollte?

    Nun hat ja jeder seine eigene Meinung dazu und das ist auch nicht Aufgabe der Mannschaft, da einen neuen Mann zu suchen. Das ist Aufgabe des Vorstands und da wird Thomas Ernst sicher auch Kandidaten momentan suchen. Natürlich ist es ein Thema und momentan läuft es mit den Beiden gut und wir müssen Fußball spielen und letztlich liegt es nur in unserer Hand, was beim VfL passiert. Spielen wir erfolgreich, wird sich sicherlich keiner querstellen, wenn Beide weiterarbeiten dürfen. Und letztlich sind wir 11, die 11 Spieler, die da unten auf dem Platz stehen, dafür verantwortlich – mit der Unterstützung der Fans natürlich.

    Dein Vertrag läuft zum Ende der Saison aus. Mittlerweile bist du seit 2003 beim VfL und damit der dienstälteste Profi. Möchtest du den Vertrag gerne verlängern oder wartest du erstmal ab, wie die Saison weiterhin verläuft, wie sich ihre Situation unter dem neuen Trainer entwickelt und wo der VfL in der nächsten Saison spielt?

    Ich bin jetzt schon solange hier und weiß daher, wer mein erster Ansprechpartner ist und wo ich mich auch wohlfühle. Wie es genau abläuft, hängt natürlich auch vom neuen Trainer ab, ob er mit Philipp Bönig plant. Wie es aber genau aussieht, kann ich halt noch nicht genau sagen, aber natürlich und das wurde ich natürlich auch in den letzten Monaten bereits gefragt, kann ich mir mit Sicherheit vorstellen, hierzubleiben und auch länger hierzubleiben, da ich mich hier sehr wohlfühle, ich vieles kenne im Umfeld, es viel Spaß macht und weiß, wie alles abläuft, aber wie das jetzt zustande kommt, kann ich wie gesagt noch nicht sagen. Es wird aber mit Sicherheit ein wichtiger Vertrag für mich werden, da ich stark auf die 30 zugehe.

    Kannst du dir vorstellen, deine Karriere beim VfL zu beenden?

    Natürlich, dafür bin ich schon zu lange hier. Schließlich habe ich schon zuviel hier durchgemacht mit allen Höhen und Tiefen, die ein Fußballer durchmachen kann – bis auf ein Tor und einen Titel.

    Eigentlich redet man ja ungern über seine eigenen Stärken und Schwächen – aber wo siehst du selbst deine?

    Ich rede auch ungern darüber, aber der Torabschluss ist schon eine Schwäche, auch wenn ich nicht vorhabe, den Torrekord von Markus Schuler zu brechen. Und ich stand ja auch schon kurz vor dem Torabschluss, aber ich arbeite daran.

    Es soll ja auch neben bekannten Schwächen auch Formtiefs bei Profis geben, die sicherlich jeder in seiner Karriere durchläuft. Welche Möglichkeiten verwendest du, um sich aus diesem Tal wieder hervorzukämpfen und wie wichtig finden sie es in dem Zusammenhang, dass man mit Psychologen im erweiterten Stab des Trainerteams zusammenarbeitet?

    Das ist ein großes und ein schwieriges Thema, über das man lange und viel philosophieren kann, über das man auch mit Martin Meichelbeck diskutieren könnte. Das ist ein Thema, was jeder für sich selber entscheiden muss. Es gibt unterschiedliche Gründe, wieso man nicht in Form ist. Das kann körperlicher Natur sein, sportlicher Natur sein oder auch psychischer Natur sein. Ob der ein oder andere das braucht, weiß ich nicht. Es ist sicherlich eine Möglichkeit, mit jemandem zu reden, der von außen kommt, andere reden darüber mit Familie und Freunden. Aber so ein Psychologe ist durchaus eine Option, die man nutzen kann und ablehnen würde ich sie nicht. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

    Nun wirst du ja generell eigentlich immer als Linksverteidiger eingesetzt, wurdest aber in der letzten Saison auch einige Spiele in das linke Mittelfeld versetzt. War das für dich sehr überraschend oder hast du z.B. auch bei Bayerns 2. oder bei den Zebras in ähnlicher Position gespielt?

    Ich habe das schon mal gespielt und habe früher oft linkes Mittelfeld gespielt, wurde aber bei Bayerns 2. zum Linksverteidiger ausgebildet und habe da die gute Bayernschule genossen, habe aber immer wieder im linken Mittelfeld gespielt. Es ist sicher vom Vorteil, wenn die Spieler auf der Seite beide Positionen schon gespielt haben und man kann so auch taktisch variabel eingesetzt werden.

    Wie stehst du zu der Variante: Philipp Bönig Linksverteidiger und Christian Fuchs im linken Mittelfeld?

    Eigentlich ganz positiv. Es soll nicht immer heißen „Fuchs oder Bönig“, sondern es geht generell zusammen und wir haben schon drei bis vier Spiele gemacht, auch wenn das Pokalspiel in Münster generell nicht gut lief. In der letzten Zeit kam es leider nur nicht wirklich häufig dazu, da zuerst ich verletzt war und dann „Fuchsl“. Da wir beide Positionen auf links spielen können und auch variabel wechseln können, wäre das sicherlich eine Möglichkeit auf links. Aber wir haben auf links ja auch noch Dennis Grote und ein/zwei Andere auf links und je mehr Optionen der Trainer hat, umso besser ist es. Aber mit Christian Fuchs wäre es sicherlich nicht die schlechteste Variante.

    Schauen wir nun auf Mit- und Gegenspieler. Dein einziger Konkurrent auf der Linksverteidigerposition ist ja Christian Fuchs, mit dem ich in der letzten Saison bereits redete und mit Heiko Butscher für transfermarkt.de ebenfalls ein Interview führen konnte. Wie sieht da der Konkurrenzkampf aus? Mit Heiko Butscher bist du ja beispielsweise auch immer noch befreundet, oder?

    Bin ich immer noch, mit dem Martin habe ich ebenfalls noch guten Kontakt. Es ist ja nicht immer so, dass man dann auch privat befreundet ist, wenn man im Konkurrenzkampf zueinandersteht. „Fuchsl“ kenne ich jetzt noch nicht so lange, aber mit Martin und Heiko habe ich mich privat auch gut verstanden und wir haben das auch nie als wirklichen Konkurrenzkampf verstanden, sondern wir uns immer unterstützt haben und das versuche ich jetzt auch so zu machen. Mit dem Martin war es z.B. so, dass, wenn er nicht spielte, ich ihn gepusht habe und umgekehrt er mich auch, und das auf eine wirklich ehrliche Weise. Das war schon eine sehr gute Geschichte, wie wir das gemacht haben. Letztendlich ist es ja auch so, dass ich jetzt, wo ich so lange hier bin, wenn ich mal ein Spiel draußen bin, den Verein im Vordergrund sehe. Man muss also als Spieler seine Egoismen zurückstellen, den Verein im Vordergrund sehen und weiter an sich zu arbeiten, denn es geht um den VfL Bochum. Wenn man ein Spiel draußen sitzt, darf man nicht sofort beleidigt sein. Man muss weiter an sich arbeiten und ich war so oft schon weg gewesen und bin immer wieder zurückgekommen. Und das versuche ich auch weiterzugeben. Mit dem Christian ist es genauso. Er ist ein super Spieler und hat bis zu seiner Verletzung eine hervorragende Saison gespielt, bis ich dann einspringen musste. Er hat mich dann unterstützt, als ich gespielt habe und ich ihn unterstützt, als er gespielt hat und es ist ein fairer Konkurrenzkampf. Die Konkurrenz macht einen auch besser. Ich wusste auch, dass er österreichischer Nationalspieler war, als er gekommen ist, das wurde also nicht leichter für mich und so eine Konkurrenz pusht einen auch. Das hat mir gut getan, dass er gekommen ist und ihm hat es auch gut getan, dass ich da bin, da wir uns gegenseitig pushen und wenn es eine gewisse Grundkonkurrenz da ist, die nicht ins böse ausartet, ist es nur förderlich, sowohl für beide Spieler, für den Trainer als auch für den Verein.

    Und wenn du selbst so alle Trainer, unter denen du trainiert hast, miteinander vergleichst – welcher hat dich am meisten geprägt? Schließlich hast du ja bei Bayerns 2. mit Udo Bassemir zusammengearbeitet, in Duisburg mit Littbarski, Dietz und Norbert Meier und beim VfL dann mit Neururer und Koller und seit einigen Tagen mit Frank Heinemann.

    Es war schon vom Vorteil, bei den Bayern ausgebildet zu werden. Wer mich mit Sicherheit am meisten geprägt hat, war Björn Andersson, der mein Trainer bei Bayerns A-Jugend war. Von ihm habe ich schon am meisten mitgenommen. Aber du nimmst von jedem Trainer etwas mit und ich kam mit den Meisten ordentlich aus und kann nichts Negatives sagen.

    Pierre Littbarski überrascht dann doch schon als Trainer in der obigen Aufzählung.

    Als ich vom MSV Duisburg verpflichtet wurde, war Seppo Eichkorn noch Trainer beim MSV, der dann entlassen wurde und Littbarski kam dann später erst. Pierre Littbarski hat mich als junger Spieler da sofort eingebaut ins Team und das war auch sehr angenehm.


    Beim VfL letztlich hast du ja nur unter zwei Trainern lange gearbeitet und hast jetzt erst mit „Funny“ deinen dritten Trainer erhalten.

    Das ist in der heutigen Zeit wirklich sehr ungewöhnlich und nicht mehr alltäglich und zeigt auch, dass man nicht jedes Halbjahr den Trainer entlassen muss. Dieser Sache stehe ich auch sehr skeptisch gegenüber.

    Gegen welche Spieler hast oder spielst du besonders ungern und mit welchem Mitspieler hat oder macht das Zusammenspiel am meisten Spaß?

    Gegen Rafinha zu spielen ist immer unangenehm. Zusammengespielt habe ich am liebsten mit Wosz auf der linken Seite, aber ich möchte da keinen großartig herausheben, sonst vergesse ich noch einen oder beleidige einen Spieler unbewusst. Und ungern gegen jemanden spielen? Keiner, macht eigentlich immer Spaß.

    Klaus: Die Viererkette unter Neururer in deinem ersten Jahr in Bochum, die war ja genial. Wie war denn da die Absprache mit Fahrenhorst z.B.? Ihr müsst euch ja blind verstanden haben.

    Fahrenhorst hatte ja in der Tat eine unglaubliche Trefferquote gehabt, aber damals hatten wir mit Kalla als zweiten Innenverteidiger und Colding rechts hinten ein eingespieltes Team. Das hatten wir jetzt auch schon länger nicht mehr gehabt, da wir entweder Formtiefs oder Verletzungen hatten.

    Wenn Du Dir einen Mitspieler aussuchen dürftest, wen sollte der VfL Ihrer Meinung nach unbedingt holen?

    Ich würde Lionel Messi holen, wenn man nicht aufs Geld achten müsste. Das macht einfach Spaß, ihm zuzusehen.

    Wenn du solche Projekte wie die TSG Hoffenheim betrachtest, wie wird solch eine Entwicklung im Profifußball von dir bewertet?

    Dieser Entwicklung stehe ich schon skeptisch gegenüber, auch wenn man bei Hopp beachten muss, dass er aus Hoffenheim direkt kommt und so seinen Heimatverein unterstützt. Grundsätzlich finde ich es schon kritisch, wie das Überhand nimmt mit Scheichs und Investoren. Hoffenheim selbst finde ich jetzt nicht zu drastisch. Aber solchen Projekten wie RB Leipzig stehe ich schon skeptisch gegenüber, gegen die ich möglicherweise noch selbst spielen darf, wenn man dem gegenüber Vereine sieht, die sich ihr Geld hart verdienen und auf jeden Cent achten.

    Wenn du junge Spieler beobachtest, die ja offenbar nur aufs Geld schauen und mehr auf ihre Berater setzen, anstatt ihre Karriere gescheit zu gestalten, was denkst du dabei?

    Im Gegensatz zu meiner Zeit als Jugendspieler haben sich auch hier die Gehälter drastisch verschoben und man kann sich mitunter nur am Kopf fassen, was manche als Gehalt beziehen können. Es ist schon wichtig, seine Karriere gescheit zu gestalten und dies im Vordergrund stehen zu haben. Bei den Beratern gibt es immer noch viele schwarze Schafe, die sehr viel abgreifen und da hat einiges noch verbessert zu werden. Bei den jungen Spielern hängt es auch mit dem Elternhaus zusammen, die möglicherweise zu sehr unter Druck gesetzt werden und sehen, was die Stars für Autos fahren. Ich habe selber einen jungen Bruder mit 19 Jahren, der jetzt selbst in diese Thematik einsteigt und so habe ich da auch einen Einblick erhalten, was da so zu verdienen ist.

    Nun findet ja 2011 die Frauen-WM unter anderem auch in Bochum statt. Hast du vor, dir Spiele dort anzuschauen? Was hältst du allgemein von Frauenfußball?

    Man muss wirklich sagen, dass sich Frauenfußball positiv entwickelt hat. Die Spiele in Bochum werden auch sicherlich gut besucht sein, ich werde mir die Spiele auch sicherlich anschauen und war auch zuletzt bei dem Spiel zwischen Deutschland und Russland.


    Wie bereitest du dich auf ein Spiel vor? Hast du einen festgelegten Tagesablauf und gewisse Rituale direkt vor Spielbeginn oder bist sogar abergläubisch?

    Man hat schon seine gewissen Abläufe, hat also seine Gewohnheiten. Ich dusche beispielsweise vor dem Spiel kalt. Im Hotel selbst hast du vor den Spielen deinen festgezurrten Tagesablauf mit gemeinsamen Mahlzeiten.

    Wie stehst Du zu deinem Bochumer Spitznamen "Pippo"? Welchen Spitznamen trugst Du in der Jugend?

    Woher „Pippo“ genau kam, weiß ich gar nicht genau. Das hat offenbar einer aus der Presseabteilung eingeführt. Auf „Rüstü“, den mir damals wegen der längeren Haare und dem Haarband Christian Vander und Michael Bemben gaben, höre ich heute noch. Aktuell ist „Siggi“ hoch im Kurs, was mal einer von Bönighausen ableitete oder „Böne“, den Rouven Schröder mir in Duisburg bereits gab, mit dem ich auch gut befreundet bin und seit seiner Rückkehr wieder ebenfalls gut ankommt. Generell höre ich aber auf alles außer auf Philipp.

    Bei welchem Verein wolltest du immer mal spielen?

    Das ist immer eine schwierige Frage. Aktuell spiele ich natürlich beim richtigen Verein. Früher als Kind wollte ich z.B. bei Barcelona oder Manchester United spielen. Ich war aber generell immer ein Freund des englischen Fußballs und von der Spielweise Barcelonas auch.

    Für welchen Verein würdest du niemals die Fußballschuhe schnüren?

    Ich hoffe natürlich zuerst, dass ich meine Fußballschuhe noch lange schnüren kann.

    Mit 30 Jahren denkt man ja auch schon an die Zeit nach der Karriere. Wo sehen sie sich in der Zeit nach der aktiven Karriere? Haben sie gewisse Fortbildungen oder Trainerscheine bereits absolviert oder abgelegt? Oder sehen ihre Zukunft fernab vom Fußball? Möglicherweise in ihrem erlernten Beruf als Hörgeräteakkustiker?

    Wenn ich mal aktiv als Fußballer aufhöre, würde ich erstmal ein halbes Jahr nichts machen. Danach würde ich dem Fußball gerne erhalten bleiben und gerne mit Jugendmannschaften zusammenzuarbeiten. Fußball spielen würde ich sowieso weiterhin. Aber auch eine Rückkehr im erlernten Beruf ist nicht unrealistisch und so könnte ich mir auch vorstellen, ein Geschäft auch aufzumachen, schließlich muss ich auch nach Karriereende weiterhin Geld verdienen. Da haben meine Eltern außerdem immer hingedrängt, dass ich eine abgeschlossene Ausbildung und einen Schulabschluss habe.

    Würdest du denn sagen das du deine Karriere, so wie sie verlaufen ist, richtig geplant hast? Oder gibt es beispielsweise auch versäumte Auslandsangebote oder Angebote, über dessen Absage man sich letztlich dann doch ärgerte?

    Es gab sicherlich zwei/drei Angebote, die sehr interessant waren. Aber ich fühle mich sehr wohl hier. Und generell bin ich schon so zufrieden, wie es verlaufen ist. Ins Ausland wollte ich nicht. Der Karriereverlauf war ein Verlauf der kleinen Schritte und die wurde schon gut geplant.

    Bist du glücklich damit, dass du Fußballprofi werden durftest?

    Das ist das Beste, was es gibt. Ich würde es niemals als Beruf bezeichnen. Es macht einfach nur Spaß. Natürlich gibt es auch Seiten, die nicht so schön waren, aber das war auch für etwas gut.

    Klaus: Aber das ist doch sicherlich auch für die Partnersuche nicht einfach, wenn man am Wochenende nicht ausgehen kann z.B.?

    Das ist schon ein Verzicht, den man hinnehmen muss. Da freue ich mich auf die Zeit nach der Karriere darauf, am Wochenende auch mal freizuhaben. Das gehört aber zum Fußball einfach dazu, aber man muss darauf einfach verzichten. Ich bin früher aber nie weggegangen, weil ich wusste, dass das wichtig war, aber das ist heutzutage schon schwierig, denn wen man sich die Jugend von heute anschaut, ist es natürlich schwer, da die ja nur noch unterwegs sind. Mir selbst hat es viele Freundschaften gekostet, zumal ich auch 10 Jahre von zu Hause weg bin. Ich habe natürlich noch einige Freunde in Erding, aber da verläuft sich natürlich auch einiges im Sand. Andersherum haben sich auch andere Freundschaften aufgebaut, das gehört halt einfach dazu.

    Welche Sportart sieht du dir gerne an, um abzuschalten?

    Wirklich nur Fußball. Aber ich gehe mit Dennis auch mal zum Eishockey und werde sicherlich auch mit Slawo mal nach Iserlohn fahren. Das ist auch guter Sport, den man sich gerne mal live anschauen kann und das macht auch Spaß. Aber generell schaue ich mir jeden Sport an, und Leichtathletik auch.

    Mit welchen Mitspielern bestehen privat die besten Kontakte?

    Mit Heiko Butscher natürlich, da hoffe ich, dass ich auf die Hochzeit kommen kann. Bei Martin Meichelbeck war ich gerade erst auf der Hochzeit. Mit Oliver Schröder telefoniere ich täglich und auch mit Dennis komme ich gut aus. Rouven Schröder zähle ich auch zu einem meiner besten Freunde.

    Nun kommst du ja aus Erding, welches auch wegen des Erdinger Weißbiers sehr bekannt ist. Wurden die Vorstellungen, die du vom Ruhrgebiet hattest, bestätigt oder doch eher widerlegt?

    Das ist ja immer wieder die lustige alte Geschichte. Wenn man aus Bayern kommt, glaubt man, dass im Ruhrgebiet alles dunkel ist, überall Türme sind und man Rauch und Kohle überall hat. Andersherum glaubt man, wenn man aus dem Ruhrgebiet kommt, dass in Bayern alle in Lederhosen herumlaufen, nur Schweinsbraten essen und Volksmusik hören. Das ist ja in Bayern auch nicht so. Das schöne hier ist, dass dieser Ballungsraum sensationell ist, das Freizeitangebot groß ist und man schnell an der Küste ist. In Bayern wiederum bist du schnell in Italien oder in den Bergen. Vorstellungen hatte ich keine, aber was sich bestätigt hat, ist, dass die Leute schnell auf einen zugehen, offen und ehrlich sind und das ist sehr positiv. In Bayern wiederum ist jeder für sich, da merkt man die Mentalitätsunterschiede durchaus. Da habe ich mir auch einiges schon angeeignet.

    Und was gefällt ihnen am Ruhrgebiet oder auch an Bochum mitunter am besten? Worüber waren sie überrascht, sowohl positiv als auch negativ?

    Du hast hier sehr viele grüne Flecken, das ist schon ganz gut. Erdinger Weißbier trinken in Erding selbst die wenigsten, im Kühlschrank selbst muss ich aber immer ein Fiege Radler haben.

    Wie sehen deine langfristigen Ziele mit dem VfL aus und welche Schlagzeile würdest du am besten über sich selbst und den VfL gefallen?

    Da kann ich auch noch mal kurz ausholen. Den Fans wurde immer wieder vorgehalten, was man denn wolle, wir sollten mit dem Klassenerhalt doch zufrieden sein. Das ist ja auch erstmal wichtig. Wichtig war dann auch, dass wir den Verein auch wieder in der Ersten Bundesliga etabliert haben und das haben wir jetzt eine Zeit lang auch gemacht. Das müssen wir auch in diesem Jahr wieder schaffen. Aber langfristig sollten wir schon zusehen, dass wir kleine Schritte nach oben machen. Das ist nicht unmöglich. Natürlich sollten wir nicht den UEFA-Cup-Platz als Ziel ausgeben, das ist erstmal nicht ganz realistisch, sondern wir müssen erstmal schauen, dass wir in der Liga bleiben. Alles darüber hinaus ist gut. Aber langfristig sollte man auch – so wie ich es auch gemacht habe – Schritt für Schritt nach oben kommen und da kann man sich auch mal im Mittelfeld positionieren und muss nicht immer hoffen, am letzten Spieltag die Klasse zu erhalten. Das ist auch nicht förderlich für das Team. Das sollte schon ein langfristiges Ziel sein. Wir sollten auch nicht unser Licht unter den Scheffel stellen, denn die Liga ist sehr ausgeglichen. Da kann man an einem Tag jeden Gegner schlagen, auch die Bayern oder Wolfsburg. Wie gesagt, bleibt es vorher aber erstmal das Ziel, die Klasse zu halten, aber langfristig könnte man sich schon solch oben genannte Ziele setzen. Und über sich selbst über den VfL? Das stand jetzt auch schon in der Medieninfo drin, Philipp Bönig schießt sein erstes Bundesligator ausgerechnet im Derby. Aber auch schön wäre natürlich das Siegtor im Pokalfinale, dann hätte ich beide Ziele mit dem VfL auf einmal erreicht, danach müsste ich wirklich ans Karriereende denken. Und der Pokalsieg wäre natürlich der einzige realistische Titel für den VfL.

    Wer wird Deutscher Meister?

    Der VfL ganz sicher nicht, da müssen wir schon einiges aufholen. Ernsthaft: Ich tippe trotz alledem auf die Bayern. Die Erfahrung zeigt halt, dass sie nach ein/zwei Jahren wieder oben dabei sind. Ich denke, dass sie es dieses Jahr wieder machen, auch wenn die Anderen gut aufgeholt haben. Es könnte ein Zweikampf mit dem HSV geben.

    Und: Wann dürfen wir endlich das erste Bundesligator von Philipp Bönig erleben?

    Es ist schon in Planung und die Torjubel sind alle schon im Kopf.

    unserVfL.de bedankt sich für das Interview und wünscht dir noch eine erfolgreiche Zeit beim VfL!

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