Heinz Höher wird 80

Dieses Thema im Forum "Ex-Spieler und Verantwortliche unseres VfL" wurde erstellt von Herr Bert, 11. August 2018.

  1. Herr Bert

    Herr Bert Administrator

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    Passend zum Derby zwischen dem MSV Duisburg und dem VfL wird heute ein ehemaliger Spieler UND Trainer beider Vereine 80 Jahre alt: Heinz Höher. Der Unterschied in der Karriere des gebürtigen Leverkuseners: Beim VfL ist er eine Legende, vor allem aufgrund seiner Trainertätigkeit von 1972 bis 1979.


    Am 11. August 1938 kam Heinz Höher in Leverkusen zur Welt. Seine fußballerische Karriere begann er bei Bayer Leverkusen, mit der Werkself stieg er 1962 in die Oberliga West auf, der damals höchsten Klasse im deutschen Fußball. Insgesamt 15 Jahre blieb Höher Bayer treu (1948 bis 1963), wurde zum Amateurnationalspieler (9 Einsätze), ehe er zum MSV Duisburg wechselte, zu der Zeit als Meidericher SV bekannt. Nach zwei Jahren war Schluss in Duisburg, es folgte ein zwölfmonatiges Intermezzo beim FC Twente Enschede in den Niederlanden. Die Art, wie dort Fußball gespielt wurde, gefiel Höher so gut, dass er Elemente wie z.B. die Raumdeckung oder das Spiel aus der Abwehr heraus später auch als Trainer beim VfL etablierte.

    Als Spieler war er von 1966 bis 1970 für die Blau-Weißen aktiv, erreichte mit dem VfL u.a. das DFB-Pokalendspiel 1968, wo er in der Startelf stand, und feierte 1970 die Meisterschaft in der Regionalliga West, was zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Bundesliga berechtigte. Hier scheiterten Höher & Co. allerdings an den Offenbacher Kickers. Heinz Höher war zu diesem Zeitpunkt bereits Co-Trainer, absolvierte in seiner letzten Saison als Aktiver lediglich sieben Spiele. Zuvor kam der Linksaußen für den VfL auf 63 Einsätze, in denen ihm 20 Tore gelangen.

    Im Oktober 1970 lotste ihn Schwarz-Weiß Essen von der Castroper Straße an den Uhlenkrug, um dort Cheftrainer zu werden. Das Engagement dauerte bis Sommer 1972, dann holte ihn VfL-Präsident Ottokar Wüst nach Bochum zurück. Als Nachfolger des legendären Aufstiegstrainers Hermann Eppenhoff gelang es Heinz Höher, die junge Mannschaft des VfL nicht nur vor dem Abstieg zu bewahren, sondern ihr auch eine Spielidee zu vermitteln. Unter seiner Regie entwickelten sich Talente wie Ata Lameck (den er quasi von SW Essen „mitbrachte“), Hermann Gerland, Jupp Tenhagen oder Lothar Woelk zu gestandenen Bundesligaspielern. Seine siebenjährige Amtszeit als Coach ist bis heute die längste, die je ein VfL-Trainer am Stück absolviert hat.

    Nachdem er als Spieler vom MSV Duisburg zum VfL gewechselt war, folgte 1979 der Wechsel als Trainer in die umgekehrte Richtung. Als Nachfolger von Rolf Schafstall, der mit dem MSV das UEFA-Cup-Halbfinale erreicht hatte, war Höher nicht mal eine komplette Saison an der Wedau vergönnt. Es folgten Engagements bei Fortuna Düsseldorf sowie im Ausland (Griechenland und Saudi-Arabien). Die bemerkenswerteste Episode spielte sich während seiner Zeit beim 1.FC Nürnberg ab, wo er 1984 zunächst mit dem „Club“ abstieg und anschließend eine Spielerrevolte „überlebte“. An seiner statt wurden etablierte Profis vor die Tür gesetzt. Mit jungen Akteuren wie dem späteren Weltmeister Stefan Reuter oder den Nationalspielern Dieter Eckstein und Hans Dorfner sowie Roland Grahammer schaffte der FCN nicht nur den Wiederaufstieg, sondern rauschte später auch in den UEFA-Cup durch.

    Heinz Höher galt immer als sensibler, grüblerischer Typ, ausgestattet mit einer künstlerischen Ader. Sein Text „Jörg Kania, zum Beispiel“, 1973 als Teil einer Festschrift anlässlich des 125-jährigen VfL-Bestehens erschienen, lässt einen jungen Fußballer die Schattenseiten des Profidaseins durchleben. Die eigenen Schattenseiten hat Heinz Höher dem Sportjournalisten Ronald Reng offenbart, der mit ihm 50 Jahre Bundesligageschichte bebilderte, zusammengefasst in dem wunderbaren Buch „Spieltage. Die andere Geschichte der Bundesligageschichte“. In ihm gestand Höher seine Alkoholsucht ein, die er 2010 besiegte. Heinz Höher ist seit seiner Tätigkeit für den 1.FC Nürnberg in Franken heimisch. Der VfL gratuliert seiner Trainerlegende aufs Herzlichste und wünscht dem Jubilar alles erdenklich Gute.
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