Christoph Dabrowski 2

Dieses Thema im Forum "unserVfL.de im Gespräch mit..." wurde erstellt von Herr Bert, 26. September 2013.

  1. Herr Bert

    Herr Bert Administrator

    Das sind letztendlich ja in mindestens 10 Jahren 300 Fußballspiele.

    Ich bin seit 1998 Profi. Also gehe ich jetzt in meine 14. Saison. Immer bin ich dabei gewesen und da bin ich auch stolz drauf, dass ich immer dabei gewesen bin und immer gespielt habe in den Vereinen, wo ich war. Das zeigt ja auch, dass du gute Fähigkeiten gehabt hast. Es sind sehr viele Trainer, die du gehabt hast, -ich weiß nicht, 10 bestimmt - die auch immer wieder deine Qualitäten erkannt haben und einen für wichtig empfunden haben, sportlich wie auch menschlich. Darauf bin ich am Ende stolz.

    Was macht ihrer Meinung denn das Besondere am VfL aus, wenn sie diese lange Zeit Revue passieren lassen?

    Von außen kann man immer wieder feststellen, dass der VfL ein unheimlich sympathischer Verein ist. Das hab ich von ganz vielen Leuten gehört. Jetzt, wo ich im Urlaub war oder wenn du außerhalb von Bochum bist, wenn du in ganz anderen Regionen bist. Auch wenn es ein kleiner Verein ist, hat er ein unglaublich sympathisches Bild, weil der VfL ein Verein zum anfassen ist, der sich in dem Ballungsgebiet, wo wir uns befinden, mit so diesen großen Vereinen, die es im Ruhrgebiet gibt, immer wieder behauptet hat. Das hört man immer wieder von Leuten. Es ist erstaunlich, wenn man den Leuten sagt, dass er eine so lange Bundesligageschichte hat. Wir haben 6 Jahre Zweitliga Zugehörigkeit in 34 Jahren. Das ist eine unglaubliche Leistung für so einen Verein. Wenn man die ewige Bundesligatabelle anschaut, sind wird 12ter. Und wenn man sich anschaut, wie viele Traditionsvereine auf der Strecke geblieben sind in den letzten 3-4 Jahrzehnten, dann ist es eine unglaubliche Leistung und das vergessen die Leute manchmal.

    Sie sind ja auch schon 32 Jahre und ihr Vertrag läuft 2012 aus. Können sie sich Stand jetzt, vorstellen, ihre Karriere hier zu beenden oder gibt es schon noch Gedanken, vielleicht in den USA die Karriere ausklingen zu lassen oder vielleicht sogar in Polen, du bist ja in Polen geboren?

    Also in der polnischen Heimat würde ich auf keinen Fall wechseln, da ich meine Zukunft generell in Deutschland sehe. Ich weiß zwar, wo ich herkomme und ich bin auch in Polen geboren, aber dadurch, dass ich jetzt, seit ich mit 6 Jahren nach Deutschland gekommen bin, mich hier wohl fühle, sehe ich sowohl meine private als auch berufliche Zukunft in Deutschland. Deswegen kann ich es mir nicht vorstellen, nach Polen zu wechseln oder dort zu leben. Die USA sind zwar schon reizvoll, aber ich habe eine Familie, zwei Kinder und ich bin eigentlich relativ bodenständig. Daher gehört schon viel Organisation und Mut dazu, noch mal ins Ausland zu gehen.

    Es ist ja wahrscheinlich auch eine Frage des Vertrages, wenn da ein Verein kommt und 1,5 Mio im Jahr anbietet

    Amerikanische Vereine oder Dubai holen sich ja Altstars und Torjäger, die mal in Topmannschaften gespielt haben und zahlen sehr gut. Ich bin da eher Realist und fühle mich zu wohl hier, um was anderes zu machen. Ich würde gerne mindestens noch zwei Jahre spielen. Ich glaube, dass ich auch die Fitness dafür habe. Ich habe auch Spaß daran. Ich kann jetzt nicht genau sagen, wann ich meine Karriere beende. Ich würde auf jeden Fall noch gerne bis nächstes oder übernächstes Jahr spielen aber man weiß nie, was passiert, ob man sich verletzt. Ich hoffe, dass ich gesund bleibe und dann kann ich mir auch vorstellen, solange ich fit bin und Spaß habe zu spielen. Und danach kommt ein neuer Abschnitt

    Also würden sie mindestens noch ein Jahr 2. Bundesliga und ein Jahr 1. Bundesliga spielen.

    Genau, das wäre super. Und man muss einfach dann von Jahr zu Jahr schauen. Man ist für jedes Jahr, was dazukommt, dankbar.

    Dann können natürlich auch so Szenen passieren, wie sie Matias Concha passiert sind. Da hat man ja auch keinen Einfluss drauf. Das ist halt ein hohes Risiko.

    Man sollte auch im Fußball nicht zu weit nach vorn schauen. Es ist ein Tagesgeschäft. Man weiß nie, wie es das Schicksal mit einem meint.

    Und einen konkreten Plan nach dem Karriereende haben sie schon?

    Man hat halt schon so Ideen, die im Kopf schwirren. Ich bin mir nur noch nicht im Klaren darüber, in welche Richtung ich gehe. Aber ich würde gerne im Fußball bleiben, weil es einfach nahe liegt, wegen der Erfahrung, die man gesammelt hat und dem Netzwerk, das man sich aufgebaut hat und auch wegen der ganzen Trainer, die man hatte und die Leute, die man kennengelernt hat. Das Netzwerk, was man hat, muss man versuchen zu nutzen für sich und man hat soviel Erfahrung gesammelt und einen Erfahrungsschatz gesammelt, dass, man - glaube ich - da auch viele Chancen hat, auch beruflich. Wo die Reise dann hingeht, muss man dann einfach sehen. Da ergeben sich dann auch Dinge, wo auch Leute Stärken erkennen bei dir.

    Wurden Sie denn mal von einem Jugendtrainer zusammengefaltet?

    Meine erste Station war in Schöneberg in Berlin. Woran ich mich erinnern kann, war immer, dass viele Leute dir weniger zugetraut haben, als du letztendlich geschafft hast. Das zieht sich wie ein roter Faden durch meine Karriere. Aber immer wieder hast du den Leuten gezeigt, dass du eigentlich zu viel mehr im Stande bist. Und das ist ja auch eine schöne Eigenschaft, finde ich, dass die Leute am Ende gesagt haben: „Schau mal, er hat es geschafft!“

    Lässt man Ihre Karriere mal Revue passieren, haben sie schon unter den Großen der Trainerzunft gearbeitet: Bei Werder Bremen haben sie Sidka, Magath und Schaaf erlebt, bei Bielefeld Möhlmann, bei Hannover Rangnick, Lienen und Neururer und in Bochum Koller, Herrlich und zuletzt Funkel. Von welchem dieser namhaften Trainer würden Sie im Nachhinein sagen, haben sie selbst am meisten für sich mitgenommen? Oder gab es da in Berlin bei Hertha BSC einen bekannten Jugendtrainer, der sie da förderte?

    Es ist ja immer schwierig. Du hast von so vielen Leuten etwas mitgenommen. Bei Hertha hat mich ein Trainer geholt. Der hat mir ermöglicht, von einem kleinen Verein zu Herta zu kommen. Das war für mich die Vorrausetzung, dass Werder Bremen mich in die Jugend geholt hat und er hat mich auch gefördert. Oder Thomas Schaaf, mit dem verbinde ich unheimlich viele Sachen. Als ich von Berlin nach Bremen wechselte, war er noch Jugendtrainer. Er holte mich vom Bahnhof mit dem Auto ab und zeigte mir alles. Er war auch mein Amateurtrainer und nach Magath mein Profitrainer. Zwei Tage, nachdem Magath weg war, haben sie Thomas Schaaf installiert. Dann spielten wir gegen Schalke in einem Nachholspiel. Wir standen ganz unten. Es war sein allererstes Spiel und wir gewannen mit. 1:0 mit dem ersten Bundesligator von Christoph Dabrowski. Aber auch Felix Magath war ebenfalls wichtig. Wolfgang Sidka hat mich hochgeholt in den Profikader. Er hat aber eher die älteren auflaufen lassen. Unter ihm habe ich mein Bundesligadebüt für 5 Minuten gegeben. Ich durfte schnuppern und war dann wieder außen vor. Und dann kam Magath. Er hat mich monatelang ackern lassen. Ich habe wie ein Verrückter trainiert. Dann kam die Rückrunde und auf einmal hab ich immer gespielt bei ihm, dabei war es egal, ob ich schlecht oder gut war, somit hatte ich in der Rückrunde 16 Einsätze. Da nimmt man von der Einstellung her viel mit. Der war ja früher noch verrückter. Oder Rangnick, Lienen, Koller – die waren alle gute Trainer. Selbst von Herrlich, über den viel Kritik geäußert wurde, nahm man etwas mit, da er viele gute Sachen hereingebracht hat über Trainingsformen und Trainingslehre. Das sind Punkte, die man auch mitnimmt. Benno Möhlmann ist auch ein wunderbarer Mensch und guter Trainer. Für mich ist es kein Zufall, dass Ingolstadt mit Möhlmann so die Kurve gekriegt hat.

    Im nächsten Jahr findet die Europameister in Ihrem Heimatland Polen statt, für das Sie ja fast 2006 bei der WM aktiv mitgespielt hätten.

    Genau. Der polnische Verband wollte mich vor der WM für die Testspiele nominieren. Die haben da ganz viel probiert und ich habe schon eine Spielgenehmigung bei der FIFA beantragt. Ich habe ja auch einen polnischen Pass. Dann hat sich der Fußballweltverband quergestellt, weil es damals noch nicht die Regelung gab, dass wenn du für die A-Mannschaft noch keine Pflichtspiele absolviert hast, du noch wechseln kannst. Und da ich damals für die U21 EM-Qualifikationsspiele bestritten hatte, haben sie den Antrag abgelehnt. Das war schade. Das wäre eine super Sache gewesen, im eigenen Land bei einer WM zu spielen. So hat es dann leider nicht geklappt.

    Planen Sie denn, sich im nächsten Jahr EM-Spiele anzuschauen?

    Das kann ich leider noch nicht beantworten. Es muss sich eine gute Gelegenheit bieten, damit man damit in Verbindung kommt, wenn man beispielsweise irgendetwas zu kommentieren könnte in irgendeiner Funktion. Das wäre interessant. Privat würde ich nicht herüber fliegen und mir Spiele anschauen. Da würde ich eher meinen Urlaub genießen und mir die Spiele im Fernsehen angucken.


    Beschäftigen Sie sich privat denn auch viel mit Fußball? Oder gibt es andere Sportarten, die Sie sich anschauen? Oder schalten Sie in Ihrer Freizeit bei anderen Hobbies ab? Welche Hobbies sind das?

    Ja man schaut sich schon auch Spiele zu Hause an, sei es nun vom nächsten Gegner oder die Champions League, Pokal oder 2. Liga. Aber ich habe zwei Kinder und da versuche ich die Freizeit auch mit ihnen zu gestalten. Mein Kleiner spielt ja selber Fußball und dann gehe ich mit ihm zum Training. Oder mit meiner Tochter, sie spielt Tennis. Da fallen viele Sachen an, die man mit seinen Kindern in der Freizeit unternimmt. Ich lese gerne und höre auch viel Musik. Musik liebe ich.

    Was genau?

    Durch die Bank weg alles Mögliche, da bin ich total offen. Was noch: Ich bin Kaffee-Liebhaber. Ich sitze gerne im Cafe und beobachte, lese. Eher so gemütliche Sachen. Es muss auch nicht Starbucks zu sein, da das total modern und überall zu finden ist, sondern ein gemütliches kleines Café reicht mir da aus. Ich trinke auch hin und wieder mit Freunden ein gutes Gläschen Wein. Ich bin gern mit Freunden zusammen.

    Mit wem aus der Mannschaft wird dann was unternommen?

    In der Freizeit nicht so viel, weil die Familie Priorität hat und man verbringt soviel Zeit mit seinen Mannschaftskollegen. Klar, wenn man im Trainingslager ist, unternimmt man auch mit dem ein oder anderen in der Freizeit was. Slawo Freier ist in der Regel mein Zimmerkollege, zu dem habe ich natürlich schon eine enge Bindung. Vielleicht ist es bei ihm enger als zu anderen, weil man da auch schon auch persönlicher umgeht.

    Da ist ja auch ein Altersunterschied, das muss man ja auch berücksichtigen. Die jungen Spieler im Kader haben ja auch ganz andere Interessen mitunter.

    Da hab ich jetzt eigentlich kein Problem mit. Ich geh auch in der Pause mit einem jüngeren Spieler mal einen Kaffee trinken. Da finden wir schon Themen.

    Und wenn Sie auf die Idee kommen, abends auszugehen?

    Da gibt es auch Momente, wo man auch das mitmacht. Vielleicht macht man das dann nicht mehr in der Häufigkeit wie ein 20-Jähriger das macht. Wenn ich die Wahl zwischen Disko und einem Abend mit Freunden bei einem Glas Wein, dann wird Option eins sehr selten gezogen. Aber das ist ja auch normal. Wenn die zu bestimmten Anlässen sagen, dass man abends ausgeht, dann ist klar, dass du auch mal mitgehst, alleine schon, um den Kontakt zu halten. Das gehört genauso dazu.

    Welchen Beruf hätten Sie ausgeübt, wenn Sie kein Profifußballer geworden wären? Oder gab es nie einen Plan B?

    Gute Frage, ich bin in Bremen aus der A-Jugend herausgekommen und habe bei den Amateuren gespielt. Da gab es Situationen, wo die Entwicklung stagniert. Und dann überlegst du und zweifelst ein bisschen. Der Plan stand, dass ich meine Bewerbung bei der Bank einreichen wollte, um Bankkaufmann zu werden. Ein Jugendkoordinator von uns hat mir dann ganz schnell diese Ideen aus dem Kopf genommen. Letztendlich hatte ich das Glück, dass ich mir da keine Gedanken drüber machen brauchte. Bis auf die kurze Phase, wo du ins Grübeln gekommen bist. Danach lief das relativ flüssig bei mir. Außer bei Bremen, da habe ich mir dann auch eher Gedanken gemacht, wie ich mich fußballerisch verändere. Das 'Wie-Geht-Es-Weiter', das kommt dann jetzt langsam. Jetzt machst du dir halt Gedanken, wie funktioniert es danach, wie stellst du dich auf. Aber das ist dann weniger eine Belastung, sondern ich finde es spannend, weil da eine neue Phase beginnt und ich da einfach auch Vertrauen in mich habe, dass sich eine neue Perspektive ergibt.

    Zum Abschluss noch drei kurze Fragen:

    In welchen Vereinen sehen Sie die ärgsten Verfolger?

    Es gibt bestimmt immer Mannschaften, die keiner auf der Rechnung hat, die ¾ der Saison oben schwimmen und dann abrutschen wie Aue zuletzt. Und Düsseldorf war ja letztes Jahr auch weit oben. Düsseldorf hat es ja auch in der Rückrunde gezeigt. Nach dem Stolperstart hatten sie eine unglaubliche Punktebilanz, was man ja auch nicht glaubt, weil sie im Mittelfeld stehen. 7 Spiele verloren sie zu Saison und haben danach unglaublich viele Punkte gesammelt. Wenn sie das von Anfang an gemacht hätten, wären sie auch oben. Da gibt es solche Mannschaften und klar, die Absteiger hat man auch auf der Rechnung. Fürth ist jahrelang im oberen Drittel. Da muss man auch schauen, wie es sich entwickelt wie bei Cottbus auch. In der zweiten Liga sind viele Mannschaften im Kreis dabei, die man nennen kann, die die Möglichkeit haben oben mitzuspielen und wenn du das über einen längeren Zeitraum schaffst, hast du die Möglichkeit am Ende aufzusteigen. Es ist unglaublich ausgeglichen in der Liga.

    Ich glaube der Unterschied zwischen der 1.und der 2. Liga ist, dass ich die 1. Liga als wesentlich ausgeglichener empfinde. In der 2. Liga sind - sag ich mal - 10 Mannschaften, die durchaus für einen Aufstieg in Frage kommen, aber genauso 8 Mannschaften, die da überhaupt nicht drüber nachdenken brauchen. Und in der 1. Liga gibt es keine 10 Mannschaften die über die Meisterschaft nachdenken.

    Auch 1860 z.B. hat ja wieder Potenzial. Auch wo sie geschwächelt haben, haben sie eine vernünftige Runde gespielt. Also auch in der Phase, als es in der Führungsebene mit den Querelen und den Finanzproblemen enorm kriselt.

    Und wer wird Deutscher Meister? Bayern München?

    Die haben jetzt ein Jahr Pause gemacht und nächstes Jahr greifen sie wieder nach den Sternen.

    Wir bedanken uns für das interessante Gespräch.


    Das Interview mit Christoph Dabrowski führten BomS (Thorsten Amberge) und Herr Bert (Klaus Severin) im Juni 2011.

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