Andreas Luthe Oktober 2010

Dieses Thema im Forum "unserVfL.de im Gespräch mit..." wurde erstellt von Herr Bert, 26. September 2013.

  1. Herr Bert

    Herr Bert Administrator

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    Das große unserVfL.de-Interview mit Andreas Luthe​


    Am 14.10.2010 kamen BomS und Herr Bert auf der Geschäftstelle des VfL zu der Ehre, mit Andreas Luthe ein Interview führen zu dürfen. Erneut gab es wieder viel zu berichten und es ist ein durchaus interessantes Gespräch entstanden.

    Viel Spaß beim Lesen wünsche ich euch!

    Hallo Andreas, wie geht es Dir? Ich hoffe, Du hattest Spaß bei uns auf dem Forumstreffen und es hat Dir gefallen, mal Fans zu sehen, die sich in so einem Forum herumtreiben. Von der Curry-Soße hast Du Dich hoffentlich auch gut erholt. Die fandest du ja ein wenig scharf.

    (lacht) Es war, glaube ich, die ganz normale, die es bei uns oben (im Morizz, d. Red.) auch immer gibt. Die ist gut, 'ne schöne Würze.

    Beim Testspiel in Wülfrath hattest Du ja auszusetzen. War es von vorne herein geplant, dass Du pausierst?

    Ich habe die Woche mit den beiden Testspielen (gegen Köln und Wülfrath) dazu genutzt, um wieder fit zu werden. Ich hatte durch meine Bandscheibenverletzung ja keine Vorbereitung. Deshalb haben wir diese Woche jetzt genutzt, um mich wieder richtig fit zu kriegen und das ist jetzt der Fall.

    Hundertprozentig?

    (grinst) Ich bin wieder da.

    Es interessiert uns, wie Du zum VfL gekommen bist. Du bist ja schon seit einer gefühlten Ewigkeit hier. Weißt du noch, wer damals auf Dich aufmerksam geworden ist? Wen würdest Du als Deinen Entdecker bezeichnen?

    Entdecker ... weiß ich nicht genau. Ich bin mit 14 Jahren, so in der C-Jugend, hier rüber gekommen. Ich hatte vorher in Velbert in der C-Jugend gespielt. Irgendwann hat mich mein Vater mal morgens zur Schule gefahren. Fünf Minuten nachdem er mich abgesetzt hatte, hat der VfL bei ihm auf dem Handy angerufen und gesagt, ich solle mal vorbei kommen. Das war für mich natürlich unglaublich, weil ich vorher immer hier auf der Kurve gestanden habe. Etwas Besseres kann man sich nicht vorstellen!

    Bist Du denn schon immer Torwart gewesen, oder hast Du anfangs auch im Feld gespielt?


    Ich habe anfangs immer nur im Feld gespielt. Erst ein Jahr bevor ich zum VfL kam, habe ich angefangen, im Tor zu spielen. Vorher habe ich sämtliche Positionen gespielt. Irgendwann lief es im Tor ganz gut. Da dachte ich: Komm, bleibste dabei.

    Wir kennen das noch aus unserer Jugendzeit. Da hieß es immer: "Der Lange geht ins Tor."

    Das war bei uns nicht so. Bei uns war der Lange hinten drin - ich habe hinten alles abgeräumt und vorne auf die Ecken gewartet.

    Und wen hattest du als Vorbild für deine Karriere? Die meisten Torhüter würden wohl Oliver Kahn nennen.

    Nicht ganz. Ich mache mich bei den deutschen Fans vielleicht ein wenig unbeliebt, wenn ich sage: (Edwin) van der Sar. Aber er ist einfach ein sensationeller Torwart, der heute noch aktiv ist und heute noch auf Weltklasse-Niveau spielt. Was mich immer beeindruckt hat ist, dass er die Bälle links wie rechts raus spielen kann. Er ist schon immer mein Vorbild gewesen. Früher hatte ich ein Poster von ihm im Zimmer.

    Du sagtest vorhin schon, dass Du früher selbst in der Kurve gestanden hast. Bist Du also schon von Kindheit an Bochum-Fan gewesen?

    Ja. Ich war mit acht oder neun Jahren das erste Mal im Stadion. Da habe ich aber vom Spiel nichts mitbekommen – das erzählt mir mein Vater immer – weil ich immer nur in die Zuschauer geguckt habe. Das Spiel war völlig egal. Beim nächsten Spiel habe ich dann aber auch mal aufs Feld geguckt.

    Der VfL ist in dieser Saison schlecht aus den Startlöchern gekommen. Mit neun Zählern aus sieben Partien (Anm. der Redaktion: Das Interview wurde vor dem KSC-Spiel geführt) kann man schon von einem miserablen Auftakt sprechen. Zudem hat man gegen Augsburg und Fürth, potenzielle Konkurrenten im Aufstiegskampf, schon Punkte liegen gelassen. Wie erklärst Du Dir das Zustandekommen dieser Niederlagen? Spukt bei einigen Mitspielern immer noch der Abstieg im Kopf herum?


    Das kann man nicht pauschalisieren. Es ist ja immer ein anderes Spiel und immer ein anderer Gegner. Die Spiele gegen Gegner, die eher unten angesiedelt sind, die sind wichtig. Die muss man gewinnen, wenn man oben dabei sein will. Bei Spielen gegen Mannschaften auf Augenhöhe sind die Chancen fifty-fifty. Da kann man sich nicht beschweren, wenn man mal ein Spiel verliert. Aber Spiele wie gegen Oberhausen und Aue muss man einfach gewinnen.

    Bei anderen Vereinen war es in der Länderspielpause vergleichsweise ruhig. Bei uns dagegen gab es ein gewaltiges Erdbeben mit dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Werner Altegoer, der beim VfL eine ganze Ära geprägt hat. Auf der Jahreshauptversammlung musstet ihr ja aus Platzgründen die Halle verlassen. Welchen Eindruck hat dieser Abend bei der Mannschaft hinterlassen?

    Das geht an Keinem spurlos vorbei, weil man natürlich merkt, wie die Stimmung ist. Ich weiß auch nicht genau, ob alle verstehen, was der Vertrauensentzug gegen den Aufsichtsrat bedeutet: Das bedeutet so viel, dass man dem Aufsichtsrat unterstellt, Geld zu unterschlagen, oder bei der Wahl zu betrügen. Das ist ein harter Vorwurf. Für mich war es hart mitzuerleben, dass die Fans das scheinbar als letzten Weg gesehen haben, um ihren Unmut zu äußern. Der Trainer hat dann aber am Tag danach auch gesagt, dass wir die Entscheidenden sind, dass wir die Fäden in der Hand haben. Wenn wir unsere Spiele gewinnen, dann wird sich auch die Stimmung drehen. Für uns geht es einfach nur darum, die Spiele zu gewinnen. Nichts anderes zählt!

    Ist es denn so, dass ihr als Spieler auch mitbekommt, dass diese Opposition, die an diesem Abend da gewesen ist, nicht die Opposition ist, die allwöchentlich zahlreich im Stadion vertreten ist, sondern – gemäß eines Trainers aus der Nachbarschaft – eine relativ kleine, wenn auch organisierte Gruppe ist?

    Da kann ich nur für mich sprechen. Ich weiß nicht, inwieweit es anderen Mitspielern bewusst ist. Einige sind gerade erst dabei, die deutsche Sprache zu lernen. Da ist es schwierig, solche komplexen Themen verständlich zu machen. Fakt ist aber, dass die Stimmung bei Allen nicht gut ist.

    Dass die Stimmung in der aktuellen Situation allgemein nicht gut sein kann, ist klar. Zuletzt wurde sie allerdings immer aggressiver. Verunsichert das die Mannschaft zusätzlich?

    Es dürfte normalerweise kein Alibi sein, wir sind Profis. Auf der anderen Seite sind wir aber auch Menschen mit Gefühlen.

    Ihr seid Euch also schon darüber bewusst, dass es an euch liegt, den Verein wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen?

    Natürlich. Es steht hier niemand von der Presse auf dem Platz. Und es steht auch kein Werner Altegoer auf dem Platz. Der Aufsichtsrat ist ein kontrollierendes Gremium und hat wenig damit zu tun, was wir auf dem Platz zeigen. Wir müssen einfach Spiele gewinnen. Das ist unsere Aufgabe.

    Nach Deiner Verletzung und den eher wackeligen Leistungen von Philipp Heerwagen bist Du zuletzt zur Nummer eins aufgestiegen. Wie hat es der Trainer Dir gegenüber begründet? Oder hat er nur gesagt: Andi, Du spielst gegen Bielefeld. Wurde auch Torwarttrainer Greiber mit in die Entscheidung von Herrn Funkel einbezogen?


    Natürlich wird die Meinung des Torwarttrainers eingeholt, die Entscheidung trifft jedoch letztlich der Cheftrainer. Es war relativ kurz. Ich hatte vor dem Bielefeld-Spiel gerade mal eine Woche trainiert. Der Trainer sagte: „Du spielst. Mach’s gut.“ Das war’s.

    Du warst ja schon in der Vorsaison kurzzeitig die Nummer eins und wurdest, gewissermaßen über Nacht, beim Pokalspiel gegen Schalke ins kalte Wasser geworfen.

    Ja. Aber in der letzten Saison war es eine andere Situation: Da war Philipp die ganz klare Nummer eins und ich habe ihn vertreten. Das habe ich gerne gemacht. Das waren meine ersten Spiele. Direkt in meiner ersten Profi-Saison drei Bundesliga-Spiele und ein Pokalspiel - mehr konnte ich nicht erwarten, zumal ich vor der letzten Saison als Nummer vier ins Rennen gegangen bin. Ich bin mit der Aussicht in die Saison gegangen, ein wenig zu lernen. Heute ist es eine andere Situation.

    Was für ein Gefühl war es, als Frank Heinemann zu Dir sagte: „Du spielst!“ und was hast Du vor dem ersten Pflichtspiel gedacht, als Du in der Kabine gesessen hast und bestimmt wusstest - für die Mannschaftskameraden, den Trainer und vor allem für die Fans bin ich der Neue.

    Das werde ich nicht vergessen! Am Abend vorher hat mich Peter Greiber angerufen. Er sagte, es könne sein, dass ich spiele. Ich hätte gut trainiert, sie wüssten aber noch nicht, wie sie sich entscheiden. Morgens kam ich dann zum Training. Funny Heinemann bittet mich in die Kabine und sagt: „Du spielst heute Abend.“ Damit hatte ich nicht mit gerechnet. Das Überlegen fing dann im Hotelzimmer an. Das Training war morgens, das Spiel am Abend - das ist dann doch eine lange Zeit, in der der Kopf anfängt zu rattern. Wenn Du dann auf dem Platz stehst, ist alles in Ordnung. Das ist, als ob man noch nie etwas Anderes gemacht hätte. Aber in der Zeit davor fragt man sich schon selbst, ob man schon soweit ist. Vor dem Spiel ist das nicht schlimm. Wenn Du auf den Platz gehst, muss das alles weg sein und das war der Fall.

    Du hast Greiber nach den ersten Bundesligaeinsätzen als Deinen Mentor bezeichnet. Was zeichnet Deiner Meinung nach das Training unter ihm aus?

    Peter Greiber hat mich quasi aus der A-Jugend herausgeholt und hat mit mir in seiner freien Zeit Extra-Schichten gemacht. Ich habe ihm wirklich alles zu verdanken, denn sonst wäre ich nicht hier.

    Es zeigte sich bei den Torhütern der letzten Jahre, dass sie Strafraumbeherrschung die Achillesferse ist.

    Ich muss direkt mal klarstellen: Die Strafraumbeherrschung ist der schwierigste Teilbereich des Torwartspiels. Auf der Linie ist jeder Torwart auf diesem Niveau gut. Sonst wäre er kein Torwart. Das Schwierige daran ist, die Strafraumbeherrschung mit dazu zu bekommen. Das hat auch mit den Anlagen zu tun. Da kann man auch nur noch in kleinen Teilen etwas ändern, wie zum Beispiel dem Antritt, oder den Sprung zum Ball. Im Training wird das verhältnismäßig viel gemacht. Für den Rest ist der jeweilige Torwart ein Stück weit selbst verantwortlich. Man kann als Torwart nur bei Bällen heraus kommen, bei denen man sich absolut sicher ist, sie zu bekommen. Ansonsten tut man der Mannschaft keinen Gefallen. Wenn der Ball über den Fünfer hinausgeht, ist das Rauskommen ohnehin nur Unterstützung für die Verteidiger. Für den Torwart ist der Weg weit. Meist dreht sich der Ball noch vom Torwart weg, dadurch wird die Reaktionszeit geringer. Da muss man sich schon überlegen, ob man heraus kommt. Wenn man sich mal umschaut, sieht man, dass bei allen Torhütern in der Strafraumbeherrschung die meisten Fehler passieren. Selbst Torhüter auf Weltniveau – jeder macht dort Fehler. Ich denke aber auch, dass es viel von der Erfahrung des Einzelnen abhängt. Wenn ein Torwart lange spielt, wird es automatisch immer besser. Trainingssituationen sind mit Spielsituationen nicht vergleichbar.

    Wie ist das Verhältnis zwischen den Torleuten untereinander? Gerade Torhütern sagt man ja immer eine große Rivalität nach. Können sich da überhaupt Freundschaften entwickeln?

    Bei uns ist es relativ entspannt. Von anderen Torhütern höre ich Anderes. Ich finde aber allgemein, dass junge Torhüter heute wesentlich besonnener sind. Den alten Spruch, dass Torhüter und Linksaußen völlig Banane sind, kann man heute gar nicht mehr sagen, weil die jungen Spieler heute ganz andere Typen sind. Das Verhalten zwischen den Torhütern ist ein ganz anderes. Das liegt auch mit am Torwarttrainer. Wenn ein Torwarttrainer die Torhüter ständig gegeneinander aufstachelt, ist das Verhältnis natürlich anders, als wenn er versucht, eine homogene Truppe zu formen. Im Fußball von Freundschaften zu sprechen ist natürlich schwer, weil es immer noch Arbeit und immer noch Konkurrenz ist. Aber wenn man gut mit einander auskommt, ist das auch okay. Natürlich ist derjenige der nicht spielt sauer. Aber wenn er ein guter Typ ist, ist er sauer auf sich selbst, auf seine eigene Leistung.

    Wie sieht Dein Tagesablauf kurz vor dem Spiel aus?

    Am Tag vor dem Spiel ist Abschlusstraining. Danach geht es ins Hotel, um eine optimale Spielvorbereitung zu haben. Man ist da schon mit dem Kopf beim Spiel. Essen, Schlafen, Konzentrieren.

    Hast Du irgendeinen Aberglauben, zum Beispiel, dass Du mit dem rechten Fuß zuerst auf den Platz trittst?

    Da halte ich nichts von. Ich nehme ein Handtuch mit, das mir Glück bringt…

    Ein Grünes…

    Genau, das Grüne.

    Von wem hast Du das?

    Darüber wird viel spekuliert, aber dazu werde ich nichts sagen. Es bringt mir Glück und das reicht.

    Nun ist es ja auch wichtig, dass Du gut durchs Spiel kommst. Wie verhält es sich bei Dir, wenn die Sonne tief steht? Setzt Du Dir eine Kappe auf? Wie versuchst du der Sonne zu trotzen?

    Davor kann man sich nicht schützen. Der Fußballfan sagt: "Wenn die Sonne tief steht, muss der Torwart eine Kappe aufsetzen!" Das Problem dabei ist, dass man mit einer Kappe keine Rundum-Sicht hat. Man fühlt sich wie ein Pferd mit Scheuklappen. Zudem scheint die Sonne nachmittags in den Bereich unter der Kappe. Das bringt also gar nichts. Wenn ein hoher Ball kommt, schaut man ohnehin zum Himmel. Da kann man eher mit einer Sonnenbrille spielen, als mit einer Kappe. (lacht)

    Lass uns mal in Deine Gefühlswelt eintauchen. Wenn Du solche Paraden wie gegen Düsseldorf zeigst, wie fühlst Du Dich da? Was geht allgemein in einem Torwart vor, wenn er eine Situation erahnt, alles richtig macht und nach der Situation weiß, dass alles geklappt hat?

    Während der Situation ist es nur der Instinkt. Du hast keine Chance nachzudenken. Das Schöne nach einer Situation ist das Abfallen des Adrenalins. Dann weiß man, dass man es gut gemacht hat.

    Wenn Du Dich zurück erinnerst, von wem kam der vernichtendste Kommentar zu einem Deiner Spiele?

    Mein Vater hat mich immer unterstützt, er war aber auch immer mein größter Kritiker. Wenn er etwas sagt – was selten passiert – nehme ich es an. Was von Außen kommt, lasse ich aber gar nicht an mich heran. Ich lese zum Beispiel keine Zeitung, was ich sowieso jedem Fußballer empfehlen würde.

    Man kommt doch nicht dran vorbei, einen Blick in die Zeitung zu werfen!

    Ich komme dran vorbei. Und ich finde, dass man es auch muss. Der Mensch ist anfällig für solche Dinge und nimmt es zu Herzen. Also tut man gut daran, es zu vermeiden.

    Wo siehst Du selbst Deine Stärken und Schwächen?


    Ich habe in allen Bereichen noch etwas zu verbessern. Keiner ist perfekt und selbst die Besten haben immer noch Dinge, die sie noch verbessern können. Ich denke, dass ich solide bin. Das ist das Wichtigste.

    Gerade als Torwart steht man ja entweder vor der eigenen, oder der gegnerischen Fankurve und bekommt somit möglicherweise noch mehr von den Emotionen der Fans mit, als die Feldspieler. Wie sehr beeinflusst Dich das? Stacheln Dich gewisse Angriffe gegnerischer Fans oder die Unterstützung der eigenen Fans an? Oder hast Du einen Tunnelblick entwickelt?

    Den entwickelt man nicht wirklich. Der ist einfach da. Wenn man auf dem Feld ist, nimmt man das Drumherum nicht wirklich war. Manchmal höre ich später von Verwandten: „Hast Du gehört, was die gerufen haben?!“ Man muss sich aufs Spiel konzentrieren Alles was außerhalb des Spielfelds passiert, ist eigentlich nebensächlich. Wenn die eigenen Fans lauter werden, merkt man das schon. Nicht unbedingt was sie rufen, aber dass sie einen unterstützen.

    Welche Art von Unterstützung findest du generell am besten? Sprechchöre, Fangesänge, oder vielleicht doch Vuvuzuelas?

    Als ich in der Jugend zwei Wochen in Afrika war, haben wir Spiele gegen Südafrika und Namibia gemacht. Da habe ich die Vuvuzuelas kennengelernt. Das ist einfach nur Lärm. Das ist mit unseren Gesängen nicht zu vergleichen.

    Nun hast Du ja gesagt, dass Du keine Zeitungen liest. In der vergangenen Saison kam es von Seiten einer Boulevard-Zeitung immer wieder zu einer falschen Berichterstattung über den VfL. In wie weit nimmt Dich das persönlich mit? Wird das auch innerhalb der Mannschaft besprochen? Wurde auch mal über einen Boykott dieser Zeitung in Absprache mit der Presseabteilung nachgedacht? Oder reibt ihr Euch gar nicht so sehr an gewissen Artikeln?

    Da muss man immer mit rechnen. Die machen ihren Job und müssen etwas schreiben. Ich kann nur von mir reden: Ich lese es nicht und es ist besser so.

    Wie steht Ihr im Team den neuen Medien gegenüber? ich weiß, dass du Facebook nutzt, wie viele Andere aus dem Kader auch. Welche Meinung habt Ihr zu den virtuellen Stammtischen, den Foren? Hast Du bei uns schon mal reingeschaut? Oder woanders, auf transfermarkt.de oder bei vfl4u.de beispielsweise?

    Foren wie Westline haben keinen besonders guten Ruf in der Mannschaft.Die anderen, wie Euer Forum, transfermarkt.de oder vfl4u.de sind ordentliche Beispiele, Da wird auch mal konstruktiv diskutiert.

    Wir hatten uns schon überlegt, Dich hier am PC mal eben im Forum anzumelden, damit Du ein Statement zu Deinem Interview abgeben kannst. So als Gag für die User, die ja größtenteils anonym da sind.

    Noch einmal zu unserem Forum: Einige Neu-User hauen verbale Schelte und Parolen raus und wundern sich, wenn sie vom Team direkt in ihre Schranken verwiesen werden. Durch beispielsweise das unserVfL.de Treffen, an dem Du ja auch teilgenommen hast, haben sich viele User persönlich kennen gelernt. Dadurch bekommt der Einzelne ein ganz anderes Gefühl dafür, was das jeweilige Gegenüber ausdrücken möchte und wie dessen Kommentar zu verstehen ist. Wir bemühen uns, eine gewisse Gesprächs-Kultur aufrecht zu erhalten. Bei uns heißt Du nicht „der Luthe“. Die User schreiben entweder "der Andi", oder "der Herr Luthe". Oder eben „El Luthe“ ...


    Das hab ich schon öfter gehört. (lacht)

    Wenn Du an Deine weitere Karriere denkst - welches Land würde Dich als Auslandsstation reizen? Christian Fuchs hatte ja von Anfang an den Traum von England. Gibt es bei Dir auch ein Land, von dem Du sagst: Da will ich hin?

    Ich vertrete die Meinung, dass man in kurzen Abständen denken sollte. Ich werde mir jetzt sicher keine Gedanken über eine Top-Liga machen, weil ich derzeit noch nicht auf dem Stand bin. Ich möchte hier Spiele machen. Ich möchte viele Spiele machen. Ich möchte mich hier entwickeln und dann kann man an den nächsten Schritt denken. Für mich kommt immer ein kleiner Schritt nach dem anderen.

    Was hältst du davon, schon in jungen Jahren zu hochkarätigen Vereinen ins Ausland zu wechseln, wie zuletzt Mesut Özil und Sami Khedira? Viele Leute in Deutschland sagten ja, das sei eventuell zu früh.

    Was heißt zu früh? Das ist das Schwierige: Man muss den richtigen Zeitpunkt abpassen. Man muss aber auch sagen, Özil und Khedira sind Topspieler. Die sind auf Weltniveau. Wenn die dann den Schritt machen, ist es völlig okay. Ich finde nur, man sollte sich sicher sein, dass man schon so weit ist. Und ich denke, dass die beiden sich genügend Gedanken gemacht haben. Wenn man das nun so verfolgt, scheinen sie nicht schlecht zurecht zu kommen. Özil spielt sehr gut, ich habe schon zwei, drei Spiele im Real-Trikot gesehen. Khedira macht seinen Job sowieso immer solide und ich denke, dass sie da allen Kritikern widersprechen. Aber es gibt natürlich auch andere Beispiele.

    Für welche Liga würde es bei dir wohl als Feldspieler reichen?

    Schwer zu sagen. Vielleicht sollte ich mal 'nen Probetraining machen. (lacht) Ich fange ganz unten an und schaue, wie weit ich komme. Ich persönlich halte mich nicht für so schlecht, dadurch, dass ich eben auch lange Zeit im Feld gespielt habe. Ich will mich da aber nicht festlegen. Ein bisschen was traue ich mir zu.

    Würdest Du sagen, als Feldspieler in der Zweiten, wenn da mal Not am Mann ist, das ginge schon?

    Wenn der Trainer mich aufstellt, dann spiel' ich da.

    Wo denn dann, vorne oder hinten ?

    Wenn der Trainer meint, dass ich der Mannschaft dort helfen kann, wo er mich aufstellt, dann spiel ich da. Da ist mir egal wo.

    Beschäftigst Du Dich privat auch viel mit Fußball? Was war das spannendste Spiel, das Du gesehen hast? Oder schaltest du in deiner Freizeit bei anderen Hobbys ab? Welche Hobbys sind das?

    Vom Fußball kommt man ja nicht los. Das ist ja kein richtiger Job, das ist ein Lebensgefühl. Ich mache seit der D-Jugend nichts Anderes. Ich spiele aber auch gern Tennis und schaue das auch sehr gern. Dabei kann ich abschalten.

    Also hat Slawo Freier Dich noch nicht mit zum Eishockey nach Iserlohn geschleift?

    Zur Eishockey-Fraktion gehören andere Spieler. Ich habe da nicht so die Verbindung zu, dadurch dass es in meiner Heimatstadt auch keinen Eishockeyverein gibt.

    Was war das spannendste Fußballspiel, das du gesehen hast?

    Im ersten Bundesligajahr von Hoffenheim, das Spiel gegen die Bayern. Das war eines der besten Spiele, die ich je gesehen habe.

    Welchen Beruf hättest Du ausgeübt, wenn Du kein Profifußballer geworden wärst? Oder gab es nie einen Plan B?

    Doch, ich hatte einen Plan B. Es war ja nicht immer selbstverständlich, dass es für mich so weiter geht. Ich habe eine Ausbildung zum Informationstechnischen Assistenten gemacht und habe dann ein Studium für medizinische Informatik in Dortmund begonnen. Ein interessanter und zukunftsweisender Beruf. Aber dann kam eben Peter Greiber und hat mir angeboten, mich weiter zu fördern.

    Welche Sportart würdest du denn gerne mal lernen und an was würdest du dich nie herantrauen?

    Ich habe früher oft gehört, ich müsse bei meiner Länge ein guter Basketballspieler sein. Aber das kann ich absolut gar nicht. Dafür habe ich nicht das geringste Talent. Ich würde mich gerne im Tennis noch verbessern.

    Oder golfen? Es gibt doch sicher auch ein paar Golfer in der Mannschaft.

    Ja, es gibt ein paar. Zum Teil sogar ganz Ordentliche, wie man hört. Es ist eben eine Sportart, die für das Mentale sehr gut ist. Es ist ruhig, Du musst dich auf den Punkt konzentrieren. Ich denke, dass es für einen Fußballer perfekt ist, wenn man es nebenbei macht. Körperlich ist es nicht allzu anstrengend. Der Kopf macht einen Großteil des Ablaufes aus.

    Mit wem aus der Mannschaft verstehst du dich eigentlich am besten? Und wohin geht ihr an den Abenden aus? Zu welchem Lieblingsgetränk?

    Mit Michael Esser, weil ich mit ihm schon in der C-Jugend zusammengespielt habe. Oder auch mit Roman Prokoph, der ja quasi mit mir zusammen Profi geworden ist.

    Zum Abschluss noch drei kurze Fragen:

    1. Wo landet der VfL am Saisonende? Hast Du noch ein gutes Gefühl, was den Aufstieg betrifft?

    Ja, wir landen auf einem Aufstiegsplatz.

    2. Wer steigt auf?

    Schwer zu sagen. Hertha macht aktuell einen sehr guten Eindruck, aber ich gehe davon aus, dass die auch noch ihre Schwächephase bekommen. Ich finde, dass die zweite Liga sehr ausgeglichen ist. Augsburg, Hertha, auch Fürth spielt eine gute Saison.

    Und Cottbus?

    Cottbus? Ja, die haben einen ganz guten Kader. Rene Renno ist ja dort, mit dem habe ich mich hier auch immer sehr gut verstanden. Wir telefonieren öfter und er sagt auch: "Wenn wir am Ende einen Mittelfeldplatz erreichen ist das gut." Er sagt jetzt noch: "Wir stehen nicht mehr lange da oben. Wir reden nur so." Und dann gewinnen die wieder Spiel um Spiel. Das ist Wahnsinn!

    Wer wird Deutscher Meister? Mainz ?

    Ganz schwer. Nach so einem Start kann man sich nicht richtig festlegen. Auch die Bayern werden sicher noch kommen. Allgemein ist diese Bundesligasaison aber sehr ausgeglichen. Ich hab' ein wenig Angst vor unseren Nachbarn. Ich könnte es mir vorstellen ... aber mehr möchte ich da jetzt auch nicht drauf eingehen. Wen ich meine, ist – denke ich - klar.

    Wir bedanken uns für das gute Gespräch und wünschen Dir und der Mannschaft weiterhin viel Erfolg. Wir hoffen, dass Du mit deiner Prognose Recht behältst und wir im Sommer doch noch den Wiederaufstieg feiern können.

    Das Interview führten Thorsten Amberge (BomS) und Klaus Severin (Herr Bert). Einen besonderen Dank gilt es aber auch den User MarWiBo auszusprechen, für deren Hilfe wir in der Nachbereitung des Interviews dankbar sind.

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